Der Einsatz der Hertha gegen den FCA stimmte, Berlin spulte erheblich mehr Kilometer ab als Augsburg
Der Einsatz der Hertha gegen den FCA stimmte, Berlin spulte erheblich mehr Kilometer ab als Augsburg
Bundesliga

Aufschwung Berlin: Erster Dardai-Heimsieg ist da!

Berlin - Mit einer ausgebufften Taktik und dem Glück des Tüchtigen sicherte sich Hertha BSC im heimischen Olympiastadion mit dem 1:0-Sieg drei Punkte gegen favorisierte Augsburger. Langsam wird die Handschrift des neuen Trainers Pal Dardai erkennbar.

Dem Gegner die Spieleröffnung überlassen

Immerhin sechs Punkte holte die "Alte Dame" aus den vier Spielen, seitdem Pal Dardai Jos Luhukay als Hertha-Coach abgelöst hat. Dabei hatte es am Samstagnachmittag lange nach einer typischen Nullnummer ausgesehen. Erst in der 88. Minute erzielte Salomon Kalou das erlösende 1:0. "Das war ein kleiner Befreiungsschlag", seufzte Dardai hernach erleichtert. Durch das erste Heimtor seit 414 Spielminuten fuhren die Hauptstädter den ersten Heimsieg seit 77 Tagen ein.

Der einstige Mittelfeldspieler war zur Pause zuversichtlich: "Ich habe meinen Jungs in der Halbzeit gesagt, dass sie weiter kompakt stehen müssen und dass wir dann noch ein Tor machen werden." Und die Taktik des Ungarn ging auf: "Der Rasen im Olympiastadion war schlecht, wir wollten dem Gegner die Spieleröffnung überlassen." Das funktionierte, Augsburg kam trotz 60 Prozent Ballbesitz nur höchst selten gefährlich vor das von Thomas Kraft gehütete Tor.

Hertha dagegen lauerte auf Konter. Doch am Ende war es eine Standardsituation - ein weiter Einwurf des eingewechselten Marcel Ndjeng wurde von dem ebenfalls erst später in die Partie gekommenen Jens Hegeler verlängert, so dass Salomon Kalou am Ende aus kurzer Distanz einschieben konnte.

Kalou Symbol des Wandels

Der Ivorer ist eines der Sinnbilder des Wandels unter Dardai. Bei Luhukay meist nur noch zweite Wahl, setzt der Ungar voll auf den frischgebackenenen Afrikameister: "Von mir aus kann er in einem Spiel nur drei Ballkontakte haben - aber er muss knipsen, er muss Tore machen", beschreibt Dardai die Rolle Kalous in einfachen Worten. Alles eine Frage des Selbstvertrauens.

Das hatte der neue Hertha-Trainer bei seinem unglücklichen Stürmerstar schon versucht zurückzubringen, als der noch beim Afrikacup weilte, indem er ihm demonstrativ den Rücken stärkte. "Torwart, Innenverteidiger, Stürmer - solche Spieler brauchen Vertrauen", sagt Dardai. "Das habe ich als langjähriger Zimmergenosse der früheren Hertha-Keeper Christian Fiedler und Gabor Kiraly gelernt", plaudert der Hertha-Rekordspieler aus dem Nähkästchen.

Dardai setzt auf lange Leine

Die langjährige Erfahrung als Profi ist sicherlich einer der augenfälligsten Unterschiede zwischen Dardai und seinem Vorgänger. Daraus ergibt sich auch eine andere Praxis: Während Luhukay als Disziplinfanatiker gilt, setzt Dardai auf eine lange Leine: "Warum sollte ich Verbote einführen, solange alles funktioniert", sagte der 38-Jährige schon kurz nach der Amtsübernahme.

Brooks blüht auf

Ein anderer Spieler, dem Dardai offensichtlich vertraut, ist John Anthony Brooks. Der Deutsch-Amerikaner war mit Luhukay wegen unterschiedlicher Auffassungen von Disziplin lange über Kreuz - unter Dardai hat der Youngster seinen Platz in der Innenverteidigung bislang sicher. Auch wenn bei dem 22-Jährigen der eine oder andere Wackler noch dabei ist: Brooks scheint unter Dardai aufzublühen. Inzwischen spricht der WM-Teilnehmer nach Monaten der Abstinenz sogar wieder mit den Medien: "Wir haben bis zur letzten Minute gekämpft", stellte der WM-Teilnehmer fest und befand: "Das Tor war die Belohnung dafür."

Die Personalien Kalou und Brooks zeigen: Dardai hat den Kader neu gemischt, jeder kann sich - egal ob jung oder alt - in den Vordergrund spielen. Und der Coach gibt noch einen weiteren Faktor an, der sich aus seiner Sicht verändert hat: "Die Jungs haben drei Woche sehr hart an allem, was mit Schnellkraft und Spritzigkeit zu tun hat, gearbeitet." Da habe er mit dem Training vielleicht manchmal sogar überzogen. "Aber heute hat man gesehen, wie man sich ins Spiel hineinbeißen kann, wenn man fit ist." Die Trackingwerte jedenfalls - die Herthaner sind fast sieben Kilometer mehr gelaufen als die Augsburger - geben Dardai recht.

Skjelbred und Niemeyer gesperrt

Nun geht es für die "Alte Dame" bereits am Freitagabend auswärts gegen den Abstiegskonkurrenten VfB Stuttgart. Wermutstropfen für die Berliner: Sowohl Per Ciljan Skjelbred als auch Peter Niemeyer sahen gegen den FCA jeweils die fünfte Gelbe Karte und sind damit gesperrt. Pal Dardai wird also sein Mittelfeld umbauen müssen.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo