London - Jürgen Klopp rang auf der Pressekonferenz sichtlich um Fassung. Die Nachricht über die Schwere der Verletzung seines Mittelfeldstrategen Sven Bender ließen die Gedanken über die so eben erlebte Pleite beim FC Arsenal in den Hintergrund rücken.

Einen kurzen Augenblick später ging er mit seiner Mannschaft aber hart ins Gericht. "Nach den verletzungsbedingten Wechseln haben unsere Mechanismen nicht mehr gegriffen, die Automatismen waren weg. Wir haben dann nur noch wilden Fußball gespielt", analysierte Klopp.

Ob Borussia Dortmund mit Bender, der nach einem unabsichtlichen Tritt des Belgiers Thomas Vermaelen mit einem Kieferbruch das Feld verlassen musste, und Mario Götze, er bekam von Alexandre Song einen Pferdekuss auf den rechten Oberschenkel, das Spiel zu seinen Gunsten hätte entscheiden können, darf aber auch bezweifelt werden.

Nur noch theoretische Chancen aufs Weiterkommen

Fakt ist: Nach dem 1:2 im Emirates Stadion hat der BVB nur noch theoretische Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Aber: Zumindest der Trostpreis Europa League ist aus eigener Kraft noch zu schaffen.

"Realistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen, größer als umgekehrt. Wir wollen gegen Marseille aber noch einmal eine gute Partie abliefern und 90 Minuten Power-Fußball spielen. Das sind wir unseren Fans, die uns auswärts so sensationell unterstützt haben, schuldig. Sollten wir dann hoch gewinnen und eine Runde weiterkommen, wäre es natürlich umso besser", sagte Mats Hummels im bundesliga.de-Interview .

Für ein "schwarz-gelbes" Wunder müsste der Deutsche Meister am 6. Dezember mit vier Toren Unterschied gegen Olympique Marseille gewinnen und Arsenal zeitgleich in Piräus die drei Punkte holen. Auch um zumindest noch auf Platz 3 zu landen, ist ein Sieg gegen die Franzosen Pflicht - aber auch dann muss man noch auf die Konkurrenz schauen.

Revierderby steht auf dem Programm

Bevor sich der Deutsche Meister mit irgendwelchen Rechenspielchen befasst, steht aber schon der nächste Höhepunkt auf dem Programm. Am Samstag steht das Revierderby gegen den Erzrivalen Schalke 04 an.

"So etwas passiert. Aber wir müssen den Mund abwischen. Denn jetzt kommt das Spiel der Spiele", meinte Mittelfeldrenner Kevin Großkreutz in seiner gewohnt lockeren Art zu bundesliga.de. Von Wiedergutmachung für die erneute Pleite in der "Königsklasse" will er nichts wissen: "Ob wir vorher 18 Spiele in Folge verloren haben oder nicht: Das Derby ist immer das Wichtigste."

Dennoch: Die Niederlagen in der Champions League haben gezeigt, dass die Trauben für die Borussia international nicht so einfach zu ernten sind wie in der Bundesliga. Die Gründe dafür haben die Westfalen aber noch nicht gefunden.

"Das ist schon ein Lernprozess"

Innenverteidiger Hummels versucht sich aber mit einem Lösungsansatz. "Das ist schon ein Lernprozess, den wir durchmachen. Aus Spielen, die man verliert, kann man wesentlich mehr Lehren ziehen, als aus Spielen, die man gewinnt", sagte der Nationalspieler.

Noch können die Dortmunder zeigen, dass sie eine schnelle Auffassungsgabe haben und die eigenen Fehler zügig korrigieren. Ohne Bender und vielleicht auch Götze wird diese Aufgabe in den nächsten Spielen aber sicherlich nicht einfacher.

Aus London berichtet Michael Reis