In München verloren, in Leverkusen verloren - und jetzt kommt Schalke: Verspielt der HSV gegen die Top-Teams der Liga die Europapokal-Qualifikation? Bruno Labbadia glaubt an ein gutes Ende: "Wir sind in der Lage, das hinzubekommen!"

Ernüchterung. Frust. Ratlosigkeit. Die 2:4-Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen hatte sich bei Spielern und Trainer des HSV ins Gesicht gebrannt. "Wir haben eine große Chance liegen lassen", sagte Bruno Labbadia kopfschüttelnd. Was mindestens genauso schmerzt wie die verpassten Punkte ist die Art und Weise, wie die Pleite zustande kam. Und sie bereitet den Verantwortlichen Kopfschmerzen mit Blick auf die nächsten Aufgaben.

"Standen viel zu weit auseinander"

"Wir haben zu wenig investiert und zu wenig Fußball gespielt", meint der Trainer, der seinen Spielern unmittelbar nach dem Spiel in einer Videoanalyse die gröbsten Schnitzer vorführte. Auch mangelnde Laufbereitschaft monierte Labbadia in Halbzeit zwei - für ihn eine Einstellungsfrage: "Die Spieler sind fit!"

Was aber auch den 44-Jährigen richtig erschreckt haben dürfte: Im Endspurt der Saison schwächelt der HSV in der Defensive. Gegen Bayer kassiert die Elf einfache Gegentore, ließ sich schon im Mittefeld mit Aggressivität und Zweikampfstärke von den Gastgebern den Schneid abkaufen. Auch die Hintermannschaft um die erfahrenen Mathijsen und Rozenahl wirkte verunsichert. Es fehlte schlicht die Kompaktheit. "Wir standen viel zu weit auseinander", schimpfte Labbadia.

Schlechte Erinnerungen an die Vorsaison

Von den Gedanken an die Champions League hat man sich an der Alster erst einmal verabschiedet. Lediglich zwölf Zähler holte der HSV bislang in der Rückrunde - 31 waren es noch in der Hinserie. "Wir haben den Anschluss nach oben verloren", redet Kapitän David Jarolim nicht herum, "jetzt geht es für uns darum, unsere Position zu verteidigen."

Allerdings gerät auch die Europa League als Minimalziel in diesen Tagen in Gefahr. Nur noch einen Zähler Vorsprung haben die Hamburger auf Rang sechs - und ausgerechnet Nordrivale Werder Bremen sitzt den Hanseaten im Nacken. Dass beide Teams am letzten Spieltag noch direkt aufeinander treffen, macht die Situation nicht leichter. Erinnerungen werden wach an die Vorsaison, als sich der HSV und Werder auf allen Ebenen duellierten - und Hamburg mit drei Niederlagen in vier Partien DFB-Pokal und UEFA-Cup verspielte.

Duell gegen selbstbewusste Schalker

Zweimal hatte der HSV zuletzt die Gelegenheit, sich mit den Top-Teams der Liga zu messen - und zweimal zog er erst bei Bayern München und dann bei Bayer Leverkusen den Kürzeren. Mit dem Tabellenzweiten Schalke 04 wartet am Wochenende das nächste vermeintlich große Kaliber, das den Hamburgern zurzeit vor allem eines voraus hat: Selbstbewusstsein.

Das muss sich der HSV jetzt auf internationalem Parkett holen. Am Donnerstag steht das Rückspiel in der Europa League in Anderlecht auf dem Plan. Der HSV startet dort mit einem 3:1-Polster aus dem Hinspiel. Aber nach den Erfahrungen aus Leverkusen warnt Bruno Labbadia seine Mannschaft deutlich: "Das wird ein hartes Stück Arbeit."


Dietmar Nolte