Die "Aufbruchstimmung" beim 1. FC Köln, die FC-Manager Michael Meier vor gerade einmal zwei Wochen nach dem 3:3-Unentschieden gegen den Hamburger SV ausgemacht hatte, ist wieder verflogen. Das 1:5 daheim gegen den VfB Stuttgart und damit die dritte Pflichtspielniederlage innerhalb von zehn Tagen sorgt für Ernüchterung und Katerstimmung in der rheinischen Metropole.

Das in Köln bekanntermaßen nicht gerade zimperliche Boulevardblatt "Express" schrieb über den FC, der "durch den Cacau gezogen" wurde. Mit Ausnahme von Lukas Podolski hatte das Debakel gegen die Schwaben und deren vierfachen Torschützen Cacau allen anderen Spielern die Sprache verschlagen.

Schon 16 Gegentore in 2010

"Wenn wir so weiterspielen, rutschen wir unten wieder rein", warnte Podolski und forderte: "Wir müssen die individuellen Fehler abstellen." In der Defensive geht es in der Tat drunter und drüber. In den sechs Rückrundenspielen kassierte der FC bereits 16 Gegentore und damit einen Treffer mehr als in der kompletten Hinrunde.

Vor allem Innenverteidiger Pedro Geromel, der in seinen ersten 18 Monaten in Köln die Zuverlässigkeit in Person verkörperte, schwächelt bedenklich. "Wir haben unsere Stabilität verloren und machen als Mannschaft zu viele Fehler", kritisierte Kölns Trainer Zvonimir Soldo, der gegen Stuttgart auch ein weiteres Problem ausmachte.

"Immer wenn wir in dieser Saison versucht haben, offensiv mitzuspielen, haben wir Probleme gekriegt", hat Soldo erkannt: "Wir wollten auch gegen Stuttgart mitkicken, waren aber zu weit weg vom Gegner. So kann man nicht spielen."

Schwierige Aufgaben warten

Und so werden die Kölner in den nächsten Spielen noch mehr Probleme bekommen, geht es doch am kommenden Samstag im rheinischen Derby gegen Tabellenführer Bayer Leverkusen und eine Woche später im RheinEnergieStadion gegen Bayern München. Angesichts dieser schweren Aufgaben erinnert sich FC-Manager Michael Meier daran, "dass wir in der Hinrunde unsere Punkte mit einer defensiveren Variante geholt haben".

Nach den drei Pleiten in Folge und besonders dem bitteren Pokal-K.-O. in Augsburg müssen die Kölner jetzt dringend wieder in die Spur finden, sonst droht doch wieder ein nervenaufreibender Abstiegskampf. Noch befinden sich die Rheinländer bei acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in einer komfortablen Situation.

"Ich sehe in dem Spiel in Leverkusen eine erneute Chance, auch dort für Unterhaltung innerhalb der Bundesliga und auch für den Fan des 1. FC Köln zu sorgen", hofft Meier auf die Trendwende. Allerdings haben die Kölner in diesem Jahrtausend in elf Begegnungen mit der "Werkself" nur zwei Unentschieden geholt und neun Mal verloren.

Podolski will sich "zuhause einschließen und traurig sein"

"Uns fehlt ein Feuerkopf, der dann, wenn es nicht so läuft, ein Fanal setzen kann", bemängelt Meier. Befürchtungen, die Kölner Spieler hätten nach dem Pokal-Aus die Saison bereits abgehakt, verneint der Sportchef vehement. Schließlich gehe es "für die Spieler und den Verein noch um eine Menge Geld". Und letztendlich auch um den noch lange nicht gesicherten Klassenerhalt.

Denn im letzten Viertel der Saison stehen für die Domstädter noch sämtliche Duelle mit den Abstiegskandidaten an. Gerade in diesen Spielen hatte der FC in der Hinrunde fleißig gepunktet. Gelingt dies nicht, wird Podolski noch öfter das Gefühl haben, das ihn bereits nach der Stuttgart-Pleite plagte: "Nach so einem Ergebnis möchtest du dich zuhause nur noch einschließen und traurig sein." Das sollte unbedingt vermieden werden.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski