München - Der Hamburger SV befindet sich im freien Fall: Die Norddeutschen haben aus den vergangenen sechs Spielen lediglich einen Punkt geholt, die letzten vier Partien gingen sogar allesamt verloren. Bis heute stürzte der HSV seit dem 21. Spieltag vom Tabellenrang 10 auf den Relegationsplatz 16 ab, doch Spieler und Trainer haben den Ernst der Lage erkannt.

Im knallharten Abstiegskampf weht den Spielern des Hamburger SV der Wind immer heftiger um die Ohren, und auch Trainer Thorsten Fink zieht in der Woche der Wahrheit noch einmal das Tempo an. "Wer jetzt nicht mitzieht, wer sich hängen lässt, wer nicht Vollgas gibt, den können wir nicht gebrauchen. Da schaue ich in dieser Woche ganz genau hin - und das werden die Spieler spüren", sagte Fink und stimmte sein Team unmissverständlich auf das wichtige Duell am kommenden Samstag beim Tabellenletzten aus Kaiserslautern ein: "Wir brauchen jetzt einen eingeschworenen Kreis, der den Kampf bedingungslos annimmt."

"Müssen nichts mehr beschönigen"



In der Bundesliga-Historie stieg der Tabellen-16. nach 27 Spieltagen am Ende der Saison in 22 Fällen ab. Das entspricht einer Abstiegswahrscheinlichkeit von 46 Prozent. Der HSV belegte in seiner Bundesliga-Vereinsgeschichte nach 27 Runden noch nie Rang 16. In der Spielzeit 1989/1990 waren die Hamburger aber nach 27 Partien sogar 17., vier Siege und ein Remis aus den letzten sieben Spielen reichten damals noch zum Klassenerhalt.

Doch die Lage ist angesichts von vier Niederlagen in Serie und dem Drohen des ersten Abstiegs in der Vereinsgeschichte prekärer denn je. "Wir müssen nichts mehr beschönigen. Das ist Abstiegskampf pur. Das wissen wir", sagte Fink, "es geht auch um Existenzen. Das ist eine große Verantwortung."

Auch Linksverteidiger Dennis Aogo appellierte noch einmal eindringlich an seine Kollegen, in den Abstiegskampf-Modus zu schalten. "Jeder Spieler muss begreifen, dass es nur den einen Weg gibt. Und wenn es dann den einen oder anderen gibt, der das nicht begreift, dann muss man die Konsequenzen daraus ziehen", sagte Aogo, "jetzt zeigt sich, wer einen gewissen Charakter hat und wer sich mit allem, was er hat, gegen diese schwierige Phase stemmt." Zwar sei es keine einfache Situation, aber "ich bin voller Optimismus, dass wir da unten rauskommen", sagte der Nationalspieler.

Heißer Tanz in Kaiserslautern



Zuletzt gelang es dem VfL Wolfsburg 1997/1998 eine ähnlich schwierige Situation zu bewältigen. Die "Wölfe" blieben ab dem 19. Spieltag neun Spiele ohne "Dreier", fielen bis auf Platz 15 ab, retteten sich aber durch drei Siege und ein Unentschieden in den letzten sieben Spielen.

Ein Sieg in der Pfalz wäre für die Hamburger ein erster großer Schritt, dem Beispiel der Niedersachsen zu folgen. Fink rechnet gegen die "Roten Teufel" mit einem heißen Tanz. "Wir stellen uns auf einen harten Fight ein, auf den wir uns in dieser Woche top vorbereiten und den wir dann bedingungslos annehmen müssen", sagte der HSV-Coach.

Dennoch sei es auch wichtig die Ruhe zu bewahren. "Das heißt nicht, dass wir uns zurücklehnen, sondern dass wir die Nerven nicht verlieren und fokussiert weiterarbeiten. Wir müssen auch positiv denken", sagte Fink, "wir müssen am Ende über dem Strich stehen, dafür geben wir alles." Gegen Kaiserslautern steigt für Fink und den HSV das erste von sieben Endspielen.