Die unbekannten Zyprer von Anorthosis Famagusta sollen Werder Bremen bei ihrem Champions-League-Debüt am Dienstag (Di, ab 20:30 Uhr im LIVE-Ticker) im Weser-Stadion so richtig kennen lernen. "Wir spielen zu Hause, da müssen wir Famagusta einfach schlagen", fordert Nationalspieler Torsten Frings. Schließlich hat sich der deutsche Vize-Meister zum sechsten Mal insgesamt und zum fünften Mal hintereinander für die Königsklasse qualifiziert.

Wie schon beim 3:0-Sieg in der Bundesliga gegen Tabellenschlusslicht Energie Cottbus erwartet die Hanseaten ein Geduldsspiel, mit einer offensiven Einstellung der Gäste rechnet an der Weser niemand. "Wir werden wohl wieder das Spiel machen müssen", vermutet Werder-Trainer Thomas Schaaf, Frings formuliert drastischer: "Die werden sich hinten reinstellen und auf einen Punkt hoffen."

Heimstark

Sportdirektor Klaus Allofs unterschätzt Famagusta aber keineswegs: "Das ist keine schwache Mannschaft, das haben unsere Scouts ganz klar analysiert." Dafür spricht auch, dass das Team von der geteilten Mittelmeerinsel in der Qualifikation alle drei Heimspiele ohne Gegentor gewann und in der letzten Runde Olympiakos Piräus ausschaltete. Gegen die Griechen kassierte Werder im Vorjahr in der Gruppenphase gleich zwei Niederlagen.

Doch auch wenn Geld keine Tore schießt: Mit einem Jahresetat von rund sechs Millionen Euro ist die Mannschaft des georgischen Trainers Temuri Ketsbaja in der Hansestadt krasser Außenseiter. Und auf einen Überraschungseffekt, so der 40-Jährige, könne man jetzt nicht mehr hoffen: "Man kennt uns jetzt in Europa." Aus seinem Team kennt man in Deutschland am ehesten noch den Niederländer Jeffrey Leiwakabessy, der in der Bundesliga für Alemannia Aachen spielte.

Mehr als ein sportlicher Erfolg

Der Sprung unter die 32 besten Vereinsmannschaften Europas ist für den 97 Jahre alten Traditionsclub im Übrigen weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Anorthosis verkörpert auch die Sehnsucht der griechischstämmigen Zyprer, die 1974 bei der Teilung der Insel aus der seither türkischen Zone, zu der Famagusta momentan gehört, nach Larnaca flohen. Dort hat man zunächst eine vorläufige Heimat gefunden.

Sogar das geistliche Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Chrysostomos II, glaubt mittlerweile an die Symbolkraft der Erfolge von Anorthosis. "Sie geben im Kampf um die Einheit Zyperns neue Kraft", formulierte der Gottesmann. Möglicherweise wird er sogar das erste Heimspiel am 1. Oktober gegen Panathinaikos Athen besuchen.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Baumann - Frings, Jensen - Diego - Rosenberg, Pizarro - Trainer: Schaaf

Famagusta: Beqaj - Theodotou, Katsavakis, Constantinou, Leiwakabessy - Paulo Costa, Dellas, Laban, Bardon - Savio - Sosin - Trainer: Ketsbaja

Schiedsrichter: Craig Thompson (Schottland)