Am Ende wussten die Bayern-Spieler selbst nicht genau, wie sie das 2:1 gegen den AC Florenz einordnen sollten. Es war der 13. Pflichtspielsieg in Folge, das ja - doch überschwängliche Reaktionen löste er nicht aus.

"Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt", gestand FCB-Kapitän Mark van Bommel. "Aber wenn man trotzdem gewinnt, muss man am Ende zufrieden sein." Die "Fiorentina", die sich - ganz im Gegensatz zu den Bayern - in der Liga in einer schwierigen Phase mit fünf sieglosen Spielen in Folge befindet, kam als Außenseiter in die Allianz Arena. Doch das Team von Trainer Cesare Prandelli erwies sich keinesfalls als die "Laufkundschaft", als die es in einigen deutschen Medien zuvor angekündigt war.

"Nicht auf die leichte Schulter genommen"

"Einige haben wohl geglaubt, dass da eine Mannschaft kommt, die man mit Links besiegen kann", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. "Aber die gibt es im Achtelfinale der Champions League nicht mehr. Man hat gesehen, dass Florenz eine Mannschaft ist, die man auf keinen Fall unterschätzen darf. Ich habe großen Respekt vor der Mannschaft."

Doch trotz des knappen Erfolgs sieht Rummenigge die Münchner auf einem guten Weg: "Wir können durchaus optimistisch nach Florenz fahren, um dort das Viertelfinale zu erreichen." Auch Mario Gomez wollte nichts davon wissen, die Gäste unterschätzt zu haben. "Wir sie haben sie mit Sicherheit nicht auf die leichte Schulter genommen."

Taktikwechsel stoppt Bayerns Elan

Dabei setzten die Italiener, im Gegensatz zu ihrer sonst eher offensiven Spielweise, diesmal überwiegend auf Ergebnissicherung. "Sie haben ganz anders gespielt, als in den letzten Wochen", verriet van Bommel. "Fiorentina hat mit vier Verteidigern, drei defensiven Mittelfeldspielern agiert - und auch die Außenseiten waren defensiv. Vorne stand mit Gilardino nur ein Stürmer."

Die Folge: Bayern biss sich über weite Strecken des Spiels die Zähne an der Abwehr der "Viola" aus. Florenz machte geschickt die Räume eng und setzte auf Konter, die den deutschen Rekordmeister ein ums andere Mal in Verlegenheit brachten. Bayerns gefürchtete Flügelzange mit Arjen Robben und Franck Ribery wurde durch geschicktes Doppeln weitgehend entschärft, so dass die Gastgeber Mühe hatten, zu Torchancen zu kommen.

Bilderbuch-Comeback von Klose

Erst nach der Roten Karte von Massimo Gobbi, der in der 73. Minute nach einem Ellenbogencheck gegen Robben vom Platz flog, gab es größere Räume für die Münchner. Einen davon nutzte Miroslav Klose, der als "Joker" sein Comeback nach langer Verletzungspause in der 89. Minute mit dem 2:1-Siegtreffer krönte. Dass der Nationalstürmer dabei im Abseits stand, wollte aus dem Bayern-Team niemand verhehlen. "Das war glücklich für uns", gestand Robben. "Aber während einer Saison gleicht sich das meistens wieder aus."

Dass es nach dem Elfmetertreffer des niederländischen Außenstürmers in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nicht einfacher für die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal wurde, lag wohl auch an Daniel van Buytens Verletzungspech. Der Abwehrchef musste in der Halbzeitpause mit Wadenproblemen in der Kabine bleiben und durch Diego Contento ersetzt werden. Der 19-Jährige ging auf die linke Abwehrseite, Holger Badstuber rückte ins Zentrum.

Unordnung in der Bayern-Abwehr

Durch die Umstellung fehlte zunächst die Ordnung in Bayerns Hintermannschaft, was Per Kröldrup mit dem 1:1-Ausgleich in der 50. Minute bestrafte - und Mario Gomez'  Hoffnung im Keim erstickte. "Nach der Führung dachten wir, mehr Räume zu bekommen. Doch nach dem frühen Ausgleich in der zweiten Hälfte hat sich Florenz wieder zurückgezogen und uns das Leben schwer gemacht."

Dementsprechend dürfte es den Bayern in die Karten spielen, dass die Mannschaft von Cesare Prandelli im Rückspiel offensiver agieren muss - und den Bayern sich damit Räume bieten werden. "Es kommt uns entgegen, dass Florenz das Spiel machen muss", glaubt Philipp Lahm. "Und außerdem sind wir auswärts immer für ein Tor gut."

Das sieht auch Rummenigge so: "Wir haben in den letzten Monaten immer mindestens einen Treffer auswärts erzielt", so der Bayern-Chef. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn es nicht auch in der Toskana damit klappen sollte.

Aus der Allianz Arena berichtet Johannes Fischer