Maribor - Wohl nie zuvor hat man Roberto Di Matteo als Trainer des FC Schalke 04 nach einem Schlusspfiff so gelöst jubeln und herumspringen gesehen. Mit dem 1:0 bei NK Maribor und der Schützenhilfe des FC Chelsea gegen Sporting Lissabon hatte sein Team am letzten Gruppenspieltag doch noch den Einzug ins Achtelfinale der Champions League perfekt gemacht.

"Wir sind froh und glücklich, dass wir gewonnen haben, und dass das Resultat in England positiv war. Es war ein verdienter Sieg für uns. Wir waren die bessere Mannschaft", analysierte Di Matteo, der noch auf dem Rasen alle Spieler und Betreuer herzlich umarmte.

Meyer als Matchwinner von der Bank

Extra Zuspruch bekam Max Meyer, der nur knapp sechs Minuten nach seiner Einwechslung mit dem Tor des Tages für die Entscheidung sorgte. Im 14. Einsatz war es sein erster Treffer in der Königsklasse. Nur Julian Draxler war im S04-Trikot bei seinem Premierentor jünger als Meyer.

"Es ist immer ein schönes Gefühl, ein Tor zu erzielen. Egal ob Champions League, Pokal oder Bundesliga. Aber da es international mein erster Treffer war, ist es natürlich etwas Besonderes", sagte der 19-Jährige, der nach zuletzt zwei überzeugenden Startelfeinsätzen in der Bundesliga in Maribor zunächst auf der Bank Platz nehmen musste und deshalb ein wenig angefressen war. Aber der Ärger war spätestens in der kollektiven Jubeltraube schnell verpufft.

Dabei sah die Welt der Knappen zwei Wochen zuvor noch ganz anders aus. Nach der 0:5-Heimpleite gegen Chelsea stand Schalke mit dem Rücken zur Wand. Eine Niederlage bei den Slowenen hätte das Aus auch für die Europa League bedeutet.

Höwedes fordert weiterhin Vollgas

Doch die Mannschaft hat sich seitdem - auch bedingt durch einen Systemwechsel hin zum variablen 3-5-2 - mit einfachen Tugenden stabilisiert. "Wir haben in den vergangenen Partien einen richtig guten Weg eingeschlagen. Insgesamt stehen wir sehr stabil, arbeiten alle super gegen Ball und jeder opfert sich für den Erfolg der Mannschaft auf. Nach vorne haben wir dann einfach eine Qualität, die wir entscheidend nutzen können", erklärte Kapitän Benedikt Höwedes im bundesliga.de-Interview.

Die Fans hoffen nun, dass ihre Idole nicht wieder in alte Muster zurückfallen und nach einer kurzen Hochphase das andere, negative Gesicht zeigen. Höwedes ist sich dessen auch bewusst.

"Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir uns nicht mit der Situation zufrieden geben. Wir müssen verinnerlichen, dass wir nur erfolgreich sind, wenn sich jeder so einbringt wie zuletzt und keinen Schritt nachlässt. Erfolgreich zu werden können viele, erfolgreich zu bleiben ist aber die Schwierigkeit", forderte der Weltmeister.

Köln vor Augen, Achtelfinal-Gegner im Kopf

Sollten die Königsblauen nach zuletzt drei Siegen in der Bundesliga ihren Höhenflug fort- und sich in der Spitzengruppe auf den Qualifikationsplätzen zur Champions League festsetzen, könnte das Jahr 2015 ein recht erfolgreiches werden.

Denn in der Vorbereitung zur Rückrunde dürften einige der derzeit verletzten Stars wieder zurückkommen. Darauf hofft auch Di Matteo: "Wir wollen jetzt im Winter gut und konzentriert arbeiten, damit wir für die neue Runde gewappnet sind."

Am Samstag geht es aber erst einmal in der Bundesliga mit dem Heimspiel gegen Köln weiter. In der Champions League wird der nächste Gegner am Montag ausgelost. Auch wenn auf dem Platz bei den Schalkern momentan eine große Einigkeit herrscht, so ist das Wunschlos nicht ganz eindeutig herauszufiltern.

Denn während Meyer findet, dass Monaco und Porto Teams sind, "gegen die wir gute Chancen aufs Viertelfinale haben", schaut Dennis Aogo in andere Sphären. "Auch wenn viele das vielleicht nicht so gerne hören, aber ich wünsche mir einen großen Gegner wie den FC Barcelona", meinte der Mittelfeldspieler.

Aus Maribor berichtet Michael Reis