Bundesliga

Erinnerung an alte Glanzzeiten

Dortmund - Bei Borussia Dortmund von einem gelungenen Saisonstart zu sprechen, ist noch untertrieben. Vor allem in den letzten zwei Wochen spielte die Mannschaft von Jürgen Klopp furios auf. Dem 4:3-Last-Minute Sieg in Lwiw am ersten Spieltag der Europa-League folgte zunächst der wichtige Derbysieg bei Schalke 04.

Mit dem 5:0-Kantersieg gegen den 1. FC Kaiserslautern konnten die "Schwarz-Gelben" nun am 5. Bundesligaspieltag ihre Bilanz auf acht Siege in neun Pflichtspielen aufbessern. Als Belohnung für diese überzeugenden Leistungen kletterte Dortmund auf den zweiten Platz in der Tabelle. 12 Punkte aus fünf Bundesligaspielen bedeutet für die Mannschaft aus dem Ruhrgebiet den besten Saisonstart seit der Saison 2001/2002, und da wurde die Borussia am Ende Deutscher Meister.

Beste Offensive und Defensive

Zieht man statistische Werte heran, sieht man, dass die glänzende Ausgangsposition in der Liga alles andere als nur per Glück herausgespielt wurde. Mit 13 erzielten Treffern verfügt Borussia über die schlagkräftigste Offensivabteilung. Und gemeinsam mit dem momentanen Tabellenführer FSV Mainz und dem FC Bayern stellt man mit nur vier Gegentoren die stabilste Abwehr der Liga.

Der momentane Höhenflug Dortmunds hat eine Vielzahl an Gesichtern. Große Aufmerksamkeit erregte jüngst Senkrechtstarter Shinji Kagawa. Vor der Saison als Perspektiv-Spieler für gerade mal 350.000 Euro verpflichtet, spielte sich der 21-jährige Japaner mit seiner unbekümmerten Spielweise und bereits drei Bundesligatoren ruckzuck in die Herzen der "schwarz-gelben" Fans.

Junges Team spielt wie "alte Hasen"

Starstürmer Lucas Barrios ist in guter Form, traf ebenfalls schon dreimal. Auch der Pole Robert Lewandowski lässt sein immenses Potenzial immer häufiger aufblitzen und erzielte bereits zwei Tore in vier Joker-Einsätzen. Kevin Großkreutz, Marcel Schmelzer, Sven Bender und der gerade mal 18-jährige Mario Götze gehören ebenfalls zu Stammkräften des neuen jungen Borussen-Team, das derzeit groß auftrumpft.

In der Abwehr halten die beiden Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic den Strafraum sauber und spielen trotz ihrer erst 21 Jahre längst wie alte Hasen. Das Bindeglied der gesamten Mannschaft will sich gar nicht erst in den Fokus rücken. "Jeder Spieler in dieser Mannschaft ist wichtig, nicht nur meine Leistung", gibt sich Nuri Sahin bescheiden. Der 22-Jährige zieht die Fäden im Borussia-Mittelfeld und glänzte in den letzten Spielen mit herausragenden Leistungen. Auch Trainer Jürgen Klopp ist für sein Team mit gerade erst einmal durchschnittlich 23,5 Jahren voll des Lobes: "Der Charakter ist das herausragende Merkmal dieser Mannschaft."

Mit breiter Brust nach St. Pauli

Der BVB hat also jede Menge Gründe, um mit breiter Brust ins nächste Spiel zu gehen. Am Samstag (15.30 Uhr) gilt es beim FC St. Pauli, die Erfolgsserie auszubauen und sich oben in der Bundesligatabelle festzusetzen. Dass Partien am Millerntorstadion nie ein Selbstläufer sind, weiß die Mannschaft von Jürgen Klopp. "Es wird ein geiles Spiel in St. Pauli mit einer geilen Atmosphäre. Die Mannschaft ist bekannt für ihr starkes Zweikampfverhalten, wie wir. Wer sich da durchsetzt, holt am Ende auch die drei Punkte", freut sich Innenverteidiger Neven Subotic auf die Partie in Hamburg.

Glaubt man Nuri Sahin, ist Borussia Dortmund noch langen nicht am Optimum angelangt: "Wir sind noch nicht am Limit, können noch mehr." Dass Borussia-Fans sich an Zeiten der Meisterschaft erinnert fühlen, darf man ihnen bei dieser überzeugend aufspielenden Dortmunder Mannschaft nicht verübeln.

Aus Dortmund berichtet Vera Schmidt