Gelsenkirchen - Der Matchwinner hatte es nach dem Spiel eilig. "Die Familie wartet", erklärte Doppel-Torschütze Eric Maxim Choupo-Moting höflich und nahm sich dann doch Zeit, den 3:2-Sieg des FC Schalke 04 über Wolfsburg zu analysieren.

Im Interview spricht der 25-Jährige über das neue Schalker Spielsystem und seine eigene Rolle, Spaß auf dem Platz und Momente des Zitterns.

bundesliga.de: Eric Maxim Choupo-Moting, trotz einer zwischenzeitlichen 3:0-Führung musste Schalke am Ende noch um den Sieg bangen. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Eric Maxim Choupo-Moting: Es war ein hart erkämpfter Sieg, aber auch ein verdienter. Wir haben den Gegner unnötiger Weise noch einmal herankommen lassen. Das zweite Tor war auch noch extrem unglücklich: Erst köpft Benedikt Felipe an, dann macht Bendtner mit seinem ersten Kontakt den Ball rein. Und wenn’s dann plötzlich nur noch 2:3 steht, fängt man leider auch ein bisschen an zu zittern. Das sollte uns allerdings nicht passieren und daran müssen wir in Zukunft auch arbeiten. Ein Spiel, das wir so stark begonnen und in dem wir guten Fußball gespielt haben, müssen wir dann auch seriös und souverän zu Ende bringen.

"Ich freue mich darüber vorne zu spielen"

bundesliga.de: Sie selbst haben Ihre Bilanz auf fünf Saisontreffer geschraubt und wirkten vor allem bei Ihrem zweiten Treffer eiskalt – oder sah das nur so aus?

Choupo-Moting: (lacht) Wenn es so ausgesehen hat, dann war es auch so. Ich freue mich natürlich, dass der Ball rein gegangen ist. Es war ein sehr guter Pass von Kevin. Ich musste dann schnell entscheiden und habe in letzter Sekunde noch gesehen, wie ein Wolfsburger hinein gegrätscht ist. So konnte ich ihn aussteigen lassen. Und dann hat’s gepasst.

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bundesliga.de: In der neuen Schalker Formation haben Sie neben Klaas-Jan Huntelaar die zweite Spitze gebildet. Kommt Ihnen ein System mit zwei Stürmern generell entgegen?

Choupo-Moting: Ich habe mich gefreut, mit dem Hunter zusammen vorne zu spielen. Je näher man am Tor spielt, desto mehr Möglichkeiten bekommt man generell auch. Ich denke, dieses System kam uns allen gegen Wolfsburg zugute. Der Trainer hat das im Vorfeld natürlich analysiert. Wir wussten, dass der VfL ein sehr gutes Offensivspiel hat. Aber dadurch bieten sich eben auch Freiräume in der Defensive. Das haben wir in der ersten Halbzeit gut ausgenutzt.

bundesliga.de: In der zweiten Halbzeit lief offensiv allerdings fast nichts mehr zusammen. Klaas-Jan Huntelaar wirkte zeitweise mächtig angefressen, weil vorne kaum etwas ankam. Ging es Ihnen ähnlich?

Choupo-Moting: Wir haben 3:0 geführt. Dass dann der Gegner noch einmal einen drauflegen muss, während wir uns etwas weiter zurückziehen, ist klar. Natürlich hat Wolfsburg vor allem nach dem 2:3 noch einmal Hoffnung geschöpft. Ich kann verstehen, dass Klaas sich geärgert hat. Ich habe mich vielleicht auch manchmal geärgert. Aber in so einer Situation musst du dann eben fighten bis zum Ende. Das haben wir getan. Insgesamt haben wir aber auch ein sehr gutes Spiel gemacht gegen eine Mannschaft, gegen die wir auf dem Papier nicht der klare Favorit waren. Wolfsburg war zuletzt in Top-Form. Das muss man auch mal anerkennen.

"Wir haben guten Fußball gespielt"

bundesliga.de: Ist dieses System, offensiv mit einer 3-5-2-Formation zu agieren, die sich defensiv zu einem 5-3-2 verschiebt, auch eine gute Lösung für die Zukunft – vielleicht schon am Dienstag gegen Chelsea?

Choupo-Moting: Das entscheidet natürlich der Trainer. Wie gesagt: Wir haben den Gegner vorher analysiert und dann dieses System gespielt. Gegen Wolfsburg hat es gut gegriffen. Wir werden sicher auch noch mal andere Systeme spielen, je nach Gegner und Taktik.

bundesliga.de: Aber zumindest in der ersten Halbzeit sah es sehr gut aus – offensiv und defensiv.

Choupo-Moting: Und wir haben vor allem auch guten Fußball gespielt, was viele seit längerem so nicht mehr gesehen haben. Es hat einfach Spaß gemacht auf dem Platz. Und den Fans hat es auch Spaß gemacht, denke ich. Es ist auf jeden Fall positiv, dass wir gesehen haben, wir können in diesem System guten Fußball spielen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte