Es war die Schlagzeile des 14. Spieltags - der VfB Stuttgart entlässt Trainer Armin Veh und installiert vorerst dessen Assistenten Markus Babbel als Team-Chef. Ein unerwarteter Wechsel, nicht nur für Außenstehende.

"Es war schon eine überraschende Situation, aber eine freudige Überraschung", sagte Babbel nach seiner Vorstellung als neuer Hauptverantwortlicher bei den Schwaben. Seine Feuertaufe erlebt er am Donnerstag, 27. November 2008, im UEFA-Pokal-Spiel bei Sampdoria Genua. "Ich werde nervös sein, werde ins Wasser geworfen und muss mich freischwimmen", erklärt er seine Gefühlslage vor der neuen Aufgabe, die ihn erwartet.

Mit nur 36 Jahren macht Babbel also den nächsten Schritt in seiner Karriere und übernimmt den Trainerposten bei einem Bundesliga-Club. Anlass genug für bundesliga.de, Wissenswertes über Markus Babbel - auf und neben dem Platz - zusammenzutragen.

Vom Bolzplatz zum FC Bayern

Das Fußballspielen beginnt Markus Babbel auf einem Bolzplatz vor der elterlichen Wohnung im Münchner Vorort Gilching. Im Alter von acht Jahren spielt er für den TSV Gilching-Argelsried und erzielt als Verteidiger in einer Saison 60 Tore. Danach wechselt er als Neunjähriger zum FC Bayern München, wo er alle Jugendmannschaften durchläuft und mit 20 Jahren, am 3. März 1991, gegen Werder Bremen sein Profi-Debüt feiert.

EM-Titel in England

Der Stern von Markus Babbel geht bei der Europameisterschaft 1996 in England so richtig auf. Im ersten Gruppenspiel gegen Tschechien (2:0-Sieg für Deutschland) verletzt sich der etatmäßige Innenverteidiger Jürgen Kohler bereits nach 14 Minuten und der damals erst 23-jährige Babbel wird eingewechselt. Er ist mit dafür verantwortlich, dass Deutschland in diesem Turnier in der regulären Spielzeit nur drei Gegentore kassiert.

Höhepunkt an der Anfield Road

Zur Saison 2000/01 wechselt er zum FC Liverpool, wo er eine überragende Saison spielt. Er bestreitet 60 von 63 Spielen und holt mit den "Reds" fünf Titel, unter anderem den UEFA-Pokal, den FA-Cup, den Liga-Pokal und den Europäischen Supercup. Insgesamt ist Babbel mit zwölf Titeln einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer der vergangenen zwei Jahrzehnte. Neben dem EM-Titel von 1996 stehen noch vier Deutsche Meisterschaften, zwei Siege im DFB-Pokal, und zwei Erfolge im UEFA-Cup zu Buche.

Vom Rasen in den Rollstuhl

Im November 2001 bekommt Babbel nach einem Arztbesuch die Diagnose Guillain-Barré-Syndrom, ein Nervenleiden, das durch das Pfeiffersche-Drüsenfieber ausgelöst wurde. Arme, Beine und Gesicht sind gelähmt. Er muss im Rollstuhl sitzen, reden fällt ihm schwer und sein linkes Auge kann er nicht mehr schließen. Aber er hat Glück, dass die Krankheit früh erkannt wurde und die Atemmuskulatur noch nicht betroffen ist. Nach fünf Wochen Krankenhausaufenthalt beginnt die Reha bei Klaus Eder, dem Physiotherapeuten der deutschen Nationalmannschaft, in Regensburg.

Heavy-Metal zur Entspannung

Neben seiner Familie und dem Fußball ist Musik seine große Liebe. Besonders Heavy-Metal der Bands Metallica, Manowar und AC/DC hat es dem ehemaligen Verteidiger angetan. "Für viele ist Heavy Metal nur ein aggressiver Krach, aber mich beruhigt Heavy Metal. Mir gibt das eine innere Zufriedenheit. Wenn ich allein mit meiner Musik im Auto bin, da rase ich nicht mit 200 durch den Ort, nein, da gleite ich dahin, ruhig, ausgeglichen, glücklich."

"Musik-Manager" Markus Babbel

Als Markus Babbel durch Zufall Fernando von Arb, den Sänger der Band Krokus, bei seinem Rechtsanwalt getroffen hatte, entschied er sich, der Band bei der Promotion zur Platte "Round 13" zu helfen. Besonders stolz ist der Europameister auf eine Widmung der Band im Album-Cover: "Thanks to Markus Babbel". "Da war ich stolz wie ein Fußballfan, der ein Original-Trikot seines Lieblingsspielers ergattert", freut er sich noch heute.

England-Fan von Kindesbeinen an

Babbel, der seine Zeit beim FC Liverpool als Karrierehöhepunkt bezeichnet, war bereits im Kindesalter ein Fan des englischen Fußballs: "Als Bub habe ich mir mein erstes Taschengeld durch Schneeschippen bei den Nachbarn verdient. Davon habe ich mir ein Trikot von Manchester City gekauft", sagt der 1,91 Meter große, ehemalige Verteidiger in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

Zusammengestellt von Gregor Nentwig