Vergangenen März war es, als Martin Jol ins Grübeln kam. Doch der Niederländer brauchte nicht lange für eine Entscheidung.

"Fünf Minuten", so Jol, habe er nach dem Anruf von HSV Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer überlegen müssen. Dann war für den 53-Jährigen klar: er wird neuer HSV-Trainer.

"Hamburg ist ja nicht nur die schöne Stadt, das Wichtigste ist für mich der Verein", erklärte der Niederländer, "für mich ist der HSV neben Bayern München der größte Verein in Deutschland."

Trotz Abgängen vor den Bayern

Ein knappes Jahr später liegt der HSV in der Tabelle sogar vor den Bayern, was wohl nur die kühnsten Optimisten für möglich gehalten hätten.

Und das, obwohl Jol kurz nach Amtsübernahme den Abgang von Rafael van der Vaart verkraften und in der Winterpause mit Nigel de Jong ein weiterer Leistungsträger den Verein verließ.

"Ich denke immer an die Fans"

Das größte Kompliment für den Trainer dürfte aber sein, dass man seine Handschrift auf dem Platz bereits deutlich sehen kann.

"Ich denke immer an die Fans", hatte Jol den "Rothosen" versprochen. Und das spiegelt sich auf dem Platz wieder: Die Hanseaten schossen und kassierten mehr Tore pro Spiel als in der letzten Spielzeit.

Aber auch andere Statistiken verdeutlichen, dass sich der HSV unter Martin Jol weiterentwickelt hat:


  • Der HSV holte in dieser Saison mehr Punkte pro Spiel (1,95) als in der letzten (1,59).

  • Neue Heimstärke: Die Hanseaten gewannen unter Jol bereits neun Heimspiele - genauso viele wie in der kompletten letzten Saison. Der HSV ist mit 28 Punkten das beste Heimteam.

  • Die Hamburger haben nur einen Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter. Vor einem Jahr waren es zum selben Zeitpunkt schon sechs Punkte.

  • Mehr Risiko: In der letzten Saison spielte Hamburg ligaweit am häufigsten Remis (zwölf Mal), in der laufenden Spielzeit teilte nur Karlsruhe seltener die Punkte als die Jol-Elf (drei Mal).

  • Durch den Spielertausch Petric/Zidan konnte sich der HSV offensiv entscheidend verbessern: Während der Ägypter in der gesamten letzten Saison nur zwei Mal traf, kommt der Kroate jetzt schon auf neun Tore.

  • Hamburg traf neun Mal mit dem Kopf, nur zwei Mal seltener als in der kompletten letzten Saison. Entscheidenden Anteil daran hat Neuzugang Petric, der ligaweit die meisten Kopfballtreffer erzielte (sechs).

  • Der HSV ist unter Martin Jol deutlich gefährlicher bei ruhenden Bällen: 14 Treffer wurden nach Standards erzielt - das sind jetzt schon zwei mehr als in der gesamten letzten Saison!

  • Mehr Effektivität: Der höchste Saisonsieg des HSV war das 4-2 in Bielefeld. In der letzten Saison siegten die Hanseaten fünf Mal höher, hatten aber eine deutlich niedrigere Punktausbeute.

  • Unter Jol treffen die Stürmer besser. 2008/09 schossen die Angreifer im Schnitt exakt ein Tor pro Spiel, in der Vorsaison waren es nur 0,74 Stürmertore.

    Erst zwei Titel

    Titel kann Martin Jol nach über 30 Jahren als Profispieler und Trainer übrigens noch nicht viele vorweisen.

    Als Spieler gewann er 1975 mit Den Haag den niederländischen Pokal, und die gleiche Trophäe holte er sich 22 Jahre danach mit Roda Kerkrade auch als Trainer.

    In diesem Punkt besteht beim Niederländer also durchaus noch Nachholbedarf. Doch wer weiß, vielleicht wird die Liste bereits diese Saison um ein, zwei oder gar drei Titel verlängert.

    Christof Greiner