bundesliga.de: Laut BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat Jürgen Klopp heute einen "totalen Plan" für seine Arbeit - damals auch schon?

Kramny: Das kann man schon so sagen. Er hatte einen Plan, wie er mit uns umgehen kann und wie wir in unserer schwierigen Situation noch die Kurve bekommen können. Für uns ging es zunächst nur ums Überleben. Er hat die Mannschaft extrem mit ins Boot genommen, hat ein paar Methoden im Trainingsbetrieb umgestellt. Später zur nächsten Saison hat er eine klare Struktur vermittelt, was er auf dem Platz sehen will und was er von seinen Spielern erwartet.

bundesliga.de: Welchen Ansatz hat Jürgen Klopp im Training verfolgt?

Kramny: Er hat die Stärken der Spieler in den Vordergrund gestellt. Er hat versucht, den Jungs klar zu machen, was ihre Waffen sind und wie man sie am besten einsetzen kann. Natürlich gab es auch viele Videositzungen, in denen die Defizite ans Tageslicht kamen. Aber immer alles mit der Quintessenz, dass am Ende das Positive für den Spieler überwiegt.

bundesliga.de: Klopp gilt heute als Verfechter des "Vollgasfußballs". War das auch schon so in seinen Anfangsjahren in Mainz?

Kramny: Wir sind damals auch in der 2. Bundesliga mit "Vollgasfußball" erfolgreich gewesen. Wir sind mehr gelaufen als der Gegner, wir haben früh attackiert und in den Räumen Druck gemacht, wo es dem Gegner weh tut. Wir haben hoch verteidigt und schnell umgeschaltet. Das waren immer seine Worte: Umschalten und "Vollgasfußball". Und was auch immer dazu gehörte, waren Spaß und Begeisterungsfähigkeit. Mainz war auch damals schon ein Verein, der für diese Begeisterung stand - so wie heute auch Dortmund. Daher sind das auch zwei Vereine, wo "Kloppo" hervorragend hin passt.

bundesliga.de: Aus Ihrer Sicht hat sich Jürgen Klopp also bis heute kaum verändert?

Kramny: Nein, im Kern hat er das sicher nicht. In Mainz war er damals allerdings für alles zuständig, was rund um den Verein passiert ist. In Dortmund kann er sich jetzt sicher mehr auf seinen Job als Trainer konzentrieren und fokussieren. Das mag ein Unterschied in seiner Arbeitsweise sein.

bundesliga.de: Hatte Jürgen Klopp schon in seinen Anfangsjahren als Trainer die Gabe, junge Spieler besonders zu fördern?

Kramny: Manuel Friedrich war damals noch sehr jung. Und Andrij Woronin ist einer, den "Kloppo" geprägt hat. Insgesamt hatten wir eine Truppe, die einen unheimlich guten Teamgeist hatte und die einfach Lust hatte, zusammen etwas zu erreichen. Bei uns hat es damals die Mischung ausgemacht aus jungen und erfahrenen Spielern. Mit denen hat "Kloppo" - unabhängig vom Alter - zielorientiert gearbeitet und das hat im dritten Jahr mit dem Aufstieg auch den Erfolg gebracht.

bundesliga.de: Sie haben den Teamgeist angesprochen. Was hat Klopp getan, ihn zu fördern?

Kramny: Da ist zum einen seine Ansprache an die Mannschaft. Er nimmt jeden mit ins Boot. Auch denjenigen, der glaubt, er habe zurzeit überhaupt keine Chance. "Kloppo" hat alle immer wieder mit einbezogen und jedem das Gefühl gegeben, dass er dazu gehört und wichtig ist für die Mannschaft. Der andere Punkt ist sein Umgang - dieses Gefühl nach den Spielen, dass er ein Teil der Mannschaft ist. Es ist für Spieler wichtig, das Gefühl zu haben, dass der Trainer nah bei ihnen ist und ihnen hilft.

bundesliga.de: Sie haben damals mit ihm den Aufstieg gefeiert. Hätten Sie sich träumen lassen, dass er jetzt ein paar Jahre später Deutscher Meister ist?

Kramny:(lacht) Wie gesagt, planbar war das so sicher alles nicht. Damals hätte man auch gedacht, er bleibt noch 20 Jahre in Mainz. Und wenn Mainz vor drei Jahren nicht abgestiegen wäre, wäre er wohl auch geblieben. Aber jetzt ist er in Dortmund und ich kann nur sagen, dass ich ihm von ganzem Herzen diesen Meistertitel gönne!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte

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