Knapp 48 Stunden vor dem letzten Spiel gegen den VfB Stuttgart, dem sogenanntem "Endspiel" um Platz 2, herrscht beim deutschen Rekordmeister Ruhe und Gelassenheit.

Die etwa 800 Zuschauer an der Säbener Straße sahen bei sommerlichen Temperaturen eine lockere Bayern-Mannschaft. Standards ließ Trainer Jupp Heynckes zum Abschluss der Trainingseinheit üben. Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger und Ernesto Sosa hatten ihren Spaß. Von Anspannung vor dem Spitzenspiel gegen den VfB war nichts zu sehen.

"Nichts ist unmöglich"

Auch Lukas Podolski und Mark van Bommel wirkten auf dem anschließenden Pressetalk gelassen. Auf die Frage nach der Meisterschaft waren sich beide einig. "Klar besteht noch Hoffnung, aber wir haben es nicht selbst in der Hand, sondern müssen auf einen Ausrutscher von Wolfsburg hoffen. Das Wichtige ist, dass wir unser Heimspiel gegen Stuttgart gewinnen, alles andere liegt nicht in unseren Händen", sagte Podolski.

Auch van Bommel stellte die eigene Aufgabe in den Vordergrund. "Wir müssen zunächst unser Spiel gewinnen, dann schauen wir was in Wolfsburg passiert. Die Meisterschaft haben wir nicht am vergangenen Spieltag in Hoffenheim verloren, aber der FC Bayern ist schon oft im letzten Moment Meister geworden, also nichts ist unmöglich."

Vorsicht vor Gomez

Für Podolski wird das Duell gegen Stuttgart sein letztes im Bayern-Trikot sein. Klar, dass er vor seiner Abschiedsvorstellung motiviert ist. "Es ist mein letztes Spiel und gerade da will ich noch mal alles zeigen und eine gute Leistung abrufen, denn für die Mannschaft und den ganzen Verein geht es um sehr viel. Wir müssen das Spiel gewinnen, und dann sind wir auch nächste Saison in der Champions League", sagte der Nationalspieler.

Bei einer Niederlage gegen die Schwaben droht womöglich der Absturz auf Platz 4 und somit keine Teilnahme an der "Königsklasse". Daran will beim FC Bayern aber keiner denken. "Ich bin Profi genug um zu wissen, um was es geht", sagte Podolski und auch van Bommel zeigte sich siegessicher: "Wir haben viel Erfahrung, einige haben solche Situationen schon erlebt. Das sind die schönsten Spiele, dafür spielt man Fußball. Es ist das letzte Saisonspiel und wir stehen vor Stuttgart, also können wir es selbst entscheiden."

Den VfB sollten die Bayern dennoch nicht unterschätzen. Stuttgart hat einen sensationellen Lauf. Allen voran Mario Gomez, der nach Belieben trifft. Podolski gibt deshalb die Marschroute vor, "ihn auszuschalten, dann werden wir auch keinen Treffer kassieren".

Minimalziel Champions League

Schon oft konnten die Münchener Last-Minute-Titelgewinne feiern. 2000 sorgte die SpVgg Unterhaching mit einem 2:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen dafür, dass sich der FC Bayern am letzten Spieltag noch an die Spitze setzen und den Titel feiern konnte. Legendär auch der Auftritt ein Jahr später, als der ehemalige Bayern-Verteidiger Patrik Andersson in letzter Sekunde den 1:1-Ausgleich in Hamburg erzielte und den Bayern vor Schalke die Meisterschaft bescherte.

"Wir haben es diesmal nicht in der eigenen Hand, wir wollen unser Spiel gewinnen und das Minimalziel, die direkte Quallifikation für die Champions League erreichen. Alles andere, was dazukommt, wäre eine große Freude", brachte van Bommel jegliche Spekulationen nüchtern auf den Punkt.

Sein Teamkollege Luca Toni kündigte an, den Bremer Spielern bei einem Sieg in Wolfsburg einen Italien-Urlaub zu sponsern. Auf die Frage, was Mark van Bommel als Niederländer den Bremern anbieten könnte, sagte der 32-Jährige: "Sie können mit dem Wohnwagen an die Küste fahren."

Von der Säbener Straße berichtet Stefan Reiner