Entspannt kam Jürgen Klinsmann am Freitagmittag in den Presseraum an der Säbener Straße. Im dunkelblauen Trainingsanzug des FC Bayern München nahm er gut gelaunt Platz.

Er hat ja auch allen Grund zu guter Laune. Auch aus Florenz hat sein Team Zählbares mitgenommen. "Am Ende hätten es da sogar drei Punkte sein können, aber mit dem einen sind wir aufgrund des Spielverlaufs zufrieden", sagte der Trainer des Rekordmeisters über das 1:1 in der Champions League am Mittwoch.

Die Spitze anvisiert

Am Sonntag steht für die Münchner schon die nächste Auswärtsaufgabe an, und die wird nicht minder anspruchsvoll: Es geht gegen den FC Schalke 04 (ab 16:30 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

"Ich erwarte ein sehr emotionales Spiel, einen richtigen Fight", kündigt der 44-Jährige an, "wir erwarten eine hoch motivierte Schalker Mannschaft, die im Top-Spiel des Jahres gegen den FC Bayern vor heimischem Publikum zeigen will, dass sie uns schlagen kann."

Im Jahr 2008 konnten allerdings die Münchner in der Veltins-Arena schon zwei Siege feiern - ein 5:2 im DFB-Pokal gegen den SV Wuppertal und ein 1:0 in der Rückrunde der vergangenen Saison. Nach Klinsmanns Willen soll es in diesem Stil direkt weitergehen: "Wir wollen unbedingt noch nach oben - vor Weihnachten. Da soll es am Sonntag einen großen Schritt geben."

Toni dabei, "Poldi", "Schweini" und Lahm nicht

Für das aktuelle Duell stimmt Klinsmann vor allem die Rückkehr von Luca Toni positiv. Hinter dem Einsatz des Italieners stehen keine Fragezeichen mehr: "Luca ist torhungrig und einsatzfähig für Sonntag, auch von Beginn an."

Für Philipp Lahm, der am Freitag schon wieder am Mannschaftstraining teilgenommen hatte, kommt das Spiel auf Schalke nach seiner Fußverletzung hingegen zu früh.

Fehlen werden den Münchnern außerdem Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger. Der Stürmer leidet unter Rückenproblemen, Nationalmannschaftskollege Schweinsteiger noch an seiner Risswunde am Schienbein aus der Partie in Florenz. Als Alternativen für Schweinsteiger im rechten Mittelfeld nannte der Bayern-Coach "Toni Kroos und José Sosa".

"Können andere Systeme spielen"

Fest zu stehen scheint jedenfalls, dass Klinsmann fürs Erste beim zuletzt erfolgreichen 4-4-2-System bleibt.

Wobei er die taktische Umstellung nicht als Reaktion auf einen Missstand verstanden wissen will: "Das 4-2-3-1 in der ersten Halbzeit gegen Bielefeld hat hervorragend funktioniert. Das Problem war der Elfmeter zum 1:1, wodurch der Eindruck entstand, dass es Probleme mit dem System gab."

Klinsmann ist Flexibilität enorm wichtig. "Wir wissen, dass wir andere Systeme spielen können, sie haben nämlich funktioniert. Wenn es zu einer Notlösung im Angriff kommen sollte, können wir auf ein anderes System umschalten."

"Nicht erst nach Rückstand hochschalten"

Trotz der jüngsten Erfolgsserie - seit sechs Spielen ungeschlagen - sieht der ehemalige Bundestrainer Verbesserungsbedarf bei seinem Team. Denn in drei der vergangenen fünf Partien musste sein Team einem Rückstand hinterherlaufen.

"In der ersten Halbzeit tun wir uns hier und da ein bisschen schwer damit, aggressiv und energisch aufzutreten. Wir fangen in der Regel immer sehr gut an, aber wenn nach einer Viertelstunde kein Tor fällt, verflacht unser Spiel im Moment", analysierte der Coach.

Diesem Prozess will Klinsmann entgegenwirken: "Wir müssen die Konstanz verbessern und nicht erst nach einem Rückstand ein oder zwei Gänge höher schalten. Unser Wunsch ist, auch in der ersten Halbzeit schon das umzusetzen, was dann in der zweiten oft wie von alleine kommt." Zumal gegen Schalke nur eine gute Halbzeit wahrscheinlich nicht ausreichen wird.

Tim Tonner