Mit Hannover 96 auf dem 18. und letzten Platz der Bundesliga, bei der Nationalmannschaft die aktuelle Nummer 1: Robert Enke bewegt sich derzeit zwischen den Extremen.

"Der Tabellenstand ist ärgerlich, aber es bringt mir nichts, hier über die Situation bei Hannover nachzudenken. Ich muss mich auf die Nationalmannschaft konzentrieren", erklärte der 31-Jährige, der im WM-Qualifikationsspiel des Vize-Europameisters in Vaduz gegen Liechtenstein (am Samstag, ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) sein erstes Pflichtspiel für die DFB-Auswahl bestreitet.

Pluspunkte im Belgien-Spiel gesammelt

"Ich habe jetzt die große Chance, in Liechtenstein und dann auch vier Tage später in Helsinki gegen Finnland zu beweisen, dass ich zu Recht im Tor stehe. Diese Chance will ich natürlich nutzen", sagte der Schlussmann, der bereits zum Saisonauftakt beim 2:0 gegen Belgien trotz eines für ihn wenig aufregenden Abends durch seine ruhige Art Pluspunkte sammeln konnte.

"Wir wollen in Liechtenstein und in Finnland zu Null spielen, das wäre für mich und die Mannschaft sehr wichtig", beschreibt er das neue Ziel.

Adler und Neuer sind die Konkurrenten

Enke weiß aber genau, dass er selbst bei überzeugenden Leistungen in den ersten beiden WM-Qualifikationsspielen keinen Freifahrtschein auf dem weiteren Weg zur Endrunde 2010 nach Südafrika hat.

"Ich weiß, dass vor allem Rene Adler und Manuel Neuer in den Planungen eine Rolle spielen. Deshalb muss ich versuchen, bei allem Ehrgeiz meine Lockerheit nicht zu verlieren und mich durch Leistungen zu empfehlen. Ich will es dem Bundestrainer schwer machen, zwischen den Pfosten eine Veränderung vorzunehmen", erklärte Enke auch in Bezug auf seine derzeit verletzten größten Konkurrenten im Kampf um das Erbe von Jens Lehmann.

Torhüterposition steht im Fokus

Dass ihm die fünf Gegentore in den ersten drei Bundesliga-Spielen dieser Spielzeit mit Hannover sauer stimmen, verhehlt er nicht: "Das ist sehr unangenehm", sagte der gebürtige Thüringer, der weiß, dass "die Torhüterposition in Deutschland ganz besonders im Fokus steht".

Deshalb schmerzt es ihn auch, dass seine weitaus jüngeren Rivalen Adler und Enke in den Medien ein besseres Standing haben. "Meine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist eine andere als bei anderen Torhütern. Die jungen Torhüter haben einen anderen Status als ich. Da wird nicht immer sachlich bewertet. Wichtig is deshalb, dass ich bei der Nationalelf das Vertrauen der Trainer spüre", so der frühere Junioren-Nationalspieler.

Fehlende internationale Spielpraxis

Dabei weiß aber auch Enke, dass internationales Renommee nicht von Nachteil ist, wenngleich auch Adler mit Bayer Leverkusen derzeit nicht auf der europäischen Bühne vorspielen kann.

Der Torhüter, der im Laufe seiner wechselvollen Karriere schon für den FC Barcelona, bei Fenerbahce Istanbul, Benfica Istanbul und CD Teneriffa die Handschuhe angezogen hat, sagte jüngst der FAZ: "Wenn du immer um die Ohren bekommst, dass du nicht international spielst, denkst du irgendwann schon darüber nach, ob ein Clubwechsel helfen kann. Es ist nun einmal so, dass ich bei so genannten Experten einen Nachteil habe, weil ich bei 96 spiele. Bei mir wird hervorgehoben, dass ich keine Europapokalspiele habe, bei Adler wird das vergessen."

Dass im Fußball aber nur die Aktualität zählt, ist dem engagierten Tierschützer bewusst: "Man muss immer auf der Hut sein. Es ist doch nichts passiert - ich habe im ersten Spiel nach der EURO gespielt. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn sich Adler nicht verletzt hätte. Sicher bin ich mir in dem Geschäft seit vielen Jahren nicht mehr."