München - Mit 33 Jahren nimmt Emir Spahic in Brasilien an seiner ersten WM teil. Auch für Bosnien-Herzegowina ist es ein historischer Moment, denn zum ersten Mal ist das Balkanland bei einer WM dabei. Als Kapitän wird der Abwehrspieler von Bayer Leverkusen seine Elf am Sonntag in Rio de Janeiro gegen Argentinien (Spielplan) aufs Feld führen.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Routinier über seine Vorfreude sowie über die Chancen und Stärken des bosnischen Teams.

bundesliga.de: Herr Spahic, Sie sind dabei, Ihre erste WM zu bestreiten - genauso wie Ihr Heimatland. Was bedeutet dieses Turnier für Sie persönlich?

Emir Spahic: Ich freue mich riesig, doch noch eine Weltmeisterschaft spielen zu dürfen. Das ist großartig. Lieber spät als nie. Erst habe ich in dieser Saison mit Bayer Leverkusen in der Champions League gespielt und nun bei der WM. Besser konnte es nicht laufen.

bundesliga.de: Und was bedeutet diese WM für Ihr Heimatland?

Spahic: Das ganze Land wartet sehnsüchtig auf dieses erste Spiel gegen Argentinien, denn es wird dabei Geschichte geschrieben. Als wir im vergangenen Herbst die Qualifikation zur Weltmeisterschaft unter Dach und Fach gebracht haben, war die ganze Bevölkerung glücklich wie selten zuvor. Wir vergessen nicht, dass wir ein kleines Land sind, aber wir haben eine hervorragende Mannschaft mit vielen starken Individualisten. Nun sind wir bereit für diese WM in Brasilien.

bundesliga.de: In Ihrer Gruppe trifft Bosnien erst auf Argentinien, danach auf Nigeria und schließlich auf den Iran. Welche Chancen sehen Sie für Ihr Team?

Spahic: Es ist klar, dass die Argentinier als haushoher Favorit gelten, denn sie gehören auch zum engsten Favoritenkreis in diesem Turnier. Auch der Kampf um den 2. Platz wird hart, aber wir werden alles versuchen, ins Achtelfinale einzuziehen. Das Potenzial haben wir zweifelsohne.

bundesliga.de: Wie würden Sie die Stärken dieser bosnischen Mannschaft beschreiben?

Spahic: Wir haben viele Spieler, die in Europa bei sehr starken Vereinen spielen, wie zum Beispiel Edin Dzeko bei Manchester City, Miralem Pjanic beim AS Rom, Vedad Ibisevic beim VfB Stuttgart, Sehad Salihovic bei 1899 Hoffenheim sowie Sehad Kolasinac bei Schalke 04. Durch die Erfahrung, die diese Spieler in den letzten Jahren in ihren jeweiligen Clubs gesammelt haben, haben wir sicher gute Chancen auf das Weiterkommen und unsere Elf wird mehr als nur mithalten. Davon bin ich überzeugt. Außerdem haben wir mit Safet Susic einen Trainer, der als Spieler ein Idol in Bosnien war und als der beste Spieler in der Geschichte von Paris Saint Germain gilt. Wir sind sehr gierig und werden für unser Land kämpfen wie nie.

bundesliga.de: Was spricht eher gegen Bosnien? Vielleicht die zu geringe Erfahrung mit einem solchen Event?

Spahic: Absolut. Noch keiner von uns hat eine Weltmeisterschaft erlebt. Außerdem ist unser Kader nicht breit genug. Falls sich ein Stammspieler verletzt, wie wird es die Mannschaft kompensieren? Wie werden wir reagieren?

bundesliga.de: Welche Nationen gelten für Sie als Favoriten auf den WM-Titel?

Spahic: Ich sehe drei Teams: Auch wenn der Druck wahnsinnig groß wird, sehe ich Brasilien als Gastgeber ganz weit kommen, dazu Argentinien mit Lionel Messi und Spanien sowieso.

bundesliga.de: Und was ist mit Deutschland?

Spahic: Die DFB-Elf ist stark, aber ich glaube, nicht stark genug um Weltmeister zu werden. Ich denke, dass sie im Halbfinale scheitern wird. Meiner Meinung nach fehlt es noch an Erfahrung und an Siegeswillen. Dieses Team hat viele Weltklasse-Spieler, aber in den entscheidenden Momenten hapert es. 

Das Gespräch führte Alexis Menuge

Bosnien-Herzegowina im Porträt

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