Valencia - Auf den Tabellenführer, dem schier übermächtigen Starensemble vom FC Barcelona hat der FC Valencia schon 15 Punkte Rückstand. Auch Real Madrid ist mit zehn Zählern auf Platz zwei schon in weite Ferne gerückt.

Mit dem frisch erkämpften dritten Platz hat Valencia aber die Kritiker zumindest auf dem Papier vorerst Lügen gestraft. Denn viele hatten Schalkes Gegner im Achtelfinale der Champions League (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) eine solche Leistung in der Liga nicht zugetraut.

"Die Ergebnisse stimmen und deshalb ist die Stimmung im Team sehr gut. Wenn wir weiterhin so auftreten, wie zuletzt, dann können wir im Mestalla gegen Schalke auch ein gutes Ergebnis erzielen", erklärte Valencias Stürmer Roberto Soldado auf der abschließenden Pressekonferenz vor der Partie.

Emerys gutes Händchen

Mit den Abgängen der Weltmeister David Villa, David Silva und Carlos Marchena wurden den Spaniern die tragenden Säulen jäh weggerissen. Aber der Club brauchte das Geld aus den Transfererlösen, um nicht den finanziellen Kollaps zu erleiden.

Dem erst 39 Jahre jungen Trainer Unai Emery wurde nicht zugetraut, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben. Und das, obwohl er schon seit 2008 für die sportlichen Geschicke des Clubs verantwortlich ist.

Doch Emery ("Ein David Villa ist nicht zu ersetzen") hatte bei der Auswahl seiner neuformierten Offensive ein gutes Händchen. Juan Manuel Mata, Alejandro Dominguez, Ever Banega und auch ein Tino Costa zeigen im Mittelfeld ihr Potenzial. Roberto Soldado oder Aritz Aduriz treffen nicht über-, aber dafür regelmäßig.

Hoffnungsträger Mata

Aduriz durfte an den vergangenen vier Pflichtspielen vor heimischem Publikum jubeln. Ob er gegen Schalke den fünften Streich folgen lässt, wurde er gefragt? Die Antwort war diplomatisch: "Ob ich treffe oder nicht, ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass jeder Spieler alles gibt, um mit der Mannschaft das Maximum zu erreichen. Und das ist ein Sieg", meinte er.

Dafür muss sich Valencia in der Defensive aber stabiler präsentieren als bisher. Ein bisschen Pressing - dann brennt es im Strafraum meist lichterloh. Es fehlt an der nötigen Abstimmung. Dass Emery (fast) nie eine Startelf zweimal hintereinander aufs Feld schickt, macht die Sache nicht einfacher.

Juan Manuel Mata, der große Hoffnungsträger der Fans, dessen Auftritt noch fraglich ist, sieht es dennoch positiv. "Dass wir trotz aller Schwierigkeiten viele Spiele gewonnen haben, gibt mir vor dem Spiel gegen Schalke Vertrauen in die Mannschaft." Die Serie von neun Spielen in Folge ohne Niederlage (sieben Siege, zwei Remis) ist wahrlich beeindruckend.

"Mit einem 1:0 bin ich nicht zufrieden"

Die Schwarzmaler schreiben diesen Erfolg aber nicht dem FC Valencia, sondern den schwachen Auftritten der Gegner zu. Am Wochenende bestrafte Joaquin zwei Abwehrfehler von Atletico Madrid - Valencia gewann 2:1 beim amtierenden Europa-League-Sieger.

Trainer Emery lässt die teilweise harsche Kritik aber kalt. Er konzentriert sich voll und ganz auf die beiden Spiele gegen Schalke. "Wir müssen 180 Minuten lang alles geben. Wir müssen in jedem Zweikampf die nötige Klasse zeigen, intelligent agieren und immer einen Schritt voraus sein." Das wird auch nötig sein, denn Emery gab die Marschroute für das Hinspiel deutlich vor: "Mit einem 1:0 bin ich nicht zufrieden."

Aus Valencia berichtet Michael Reis