29. Juni 2009, das New Stadium in Malmö: Um genau 22:47 Uhr stemmt U-21-Kapitän Sami Khedira die EM-Trophäe in den schwedischen Himmel.

Gerade hat das DFB-Nachwuchsteam den Erzrivalen England in einem begeisternden Endspiel 4:0 bezwungen und den ersten Europameisterschaftstitel dieser Altersklasse nach Deutschland geholt. In zwei Wochen beginnt auch für die EM-Helden wieder der Bundesliga-Alltag. bundesliga.de hat ihre Rollen in den Clubs unter die Lupe genommen.

Lob von allen Seiten

Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball gratulierte als einer der Ersten zu einer "beeindruckenden Vorstellung", DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sprach von einer "Sternstunde" und Bundestrainer Joachim Löw erklärte das U-21-Team zur "individuell besten Mannschaft seit langem".

Vor wenigen Wochen sorgten die jungen Fußballer mit dem Gewinn der U-21-Europameisterschaft für einen bemerkenswerten Triumph. Spätestens ab dem zweiten August-Wochenende werden die unvergesslichen Erinnerungen der Akteure wieder in den Hintergrund gedrängt - dann beginnt auch für die EM-Helden der raue Bundesliga-Alltag der kommenden Saison.

Neuer und Özil sicher in der Startelf

Vor allem auf Manuel Neuer und Mesut Özil, den Stars im deutschen EM-Team, ruhen große Hoffnungen in ihren Clubs. Während der Schalker Keeper unumstrittene Nummer 1 und Identifikationsfigur bei den "Königsblauen" ist, soll der Bremer Techniker Özil nach dem Diego-Abschied in der neuen Saison das Spiel von Werder lenken. Unterstützen soll ihn der Gladbacher Neuzugang Marko Marin, der ein Turnier mit Licht und Schatten hinter sich hat.

Feste Größen in ihren Clubs sind zudem Rechtsverteidiger Andreas Beck (Hoffenheim), Mittelfeldallrounder Gonzalo Castro (Leverkusen) und U-21-Kapitän Sami Khedira vom VFB Stuttgart, die allesamt schon Erfahrungen in der A-Nationalmannschaft sammeln konnten.

Chance auf die WM 2010?

Löw macht gerade diesen Akteuren Mut, wenn er sagt, dass "einige die Chance haben, kurzfristig auf den WM-Zug aufzuspringen". Vor allem Neuer ("phänomenal gehalten") und Özil ("einfach genial") lobte der Bundestrainer in höchsten Tönen.

Auch in anderen Bundesliga-Clubs haben einige EM-Teilnehmer gute Chancen, einen Platz in der Stammelf zu ergattern. Hier sind in erster Linie der Schalker Benedikt Höwedes, der Bremer Sebastian Boenisch, Patrick Ebert von Hertha BSC und der Hamburger Jerome Boateng zu nennen, der eine überragende EM gespielt und die Aufmerksamkeit einiger ausländischer Top-Clubs geweckt hat.

Große Konkurrenz im Club

Aber schon Dennis Aogo vom HSV und BVB-Abwehrspieler Mats Hummels werden es schwer haben, sich bei ihren Clubs einen Platz in der ersten Elf zu sichern. Der Ex-Freiburger Aogo zum Beispiel hat beim Kampf um eine Position im defensiven Mittelfeld mit dem Brasilianer Zé Roberto und Marcell Jansen prominente Konkurrenz.

Für einige Akteure droht nach dem Höhenflug in Schweden zunächst einmal die Ersatzbank. Der Dortmunder Marcel Schmelzer, der Neu-Leverkusener Daniel Schwaab, Ashkan Dejagah, Daniel Adlung, Fabian Johnson (alle VfL Wolfsburg), Dennis Grote vom VfL Bochum und der Hamburger Neuzugang Änis Ben-Hatira werden sich wohl zu Beginn der neuen Saison mit relativ wenig Einsatzzeit begnügen müssen.

Insgesamt wird der Titelgewinn bei der U-21-EM dem deutschen Fußball sicher gut tun. Nie zuvor seit dem Bosman-Urteil von 1995 standen so viele junge deutsche Talente in den Aufgeboten der Bundesligisten. Einigen von ihnen könnte nun auch der ganz große Durchbruch in der Bundesliga gelingen.

Til Bettenstaedt