Die Brüder Taulant (l.) und Granit Xhaka treffen für ihre Länder Albanien und die Schweiz während der EM aufeinander - © imago / Camera
Die Brüder Taulant (l.) und Granit Xhaka treffen für ihre Länder Albanien und die Schweiz während der EM aufeinander - © imago / Camera

Granit Xhaka: Auch im Schweizer Team der Leader

Lens - "Zum Glück ist es vorbei", sagte Granit Xhaka, nachdem wohl eines der schwersten Spiele seiner Karriere abgepfiffen war. Mit 1:0 hatte die Schweiz Albanien besiegt und die erste EM-Partie in der Gruppe mit Gastgeber Frankreich und Rumänien erfolgreich beendet.

Mit vielen Bundesliga-Stars zum Sieg

Aber nicht nur deshalb war Xhaka erleichtert. Es war ja ein "spezielles Spiel" für den Leader von Borussia Mönchengladbach, der nach der EM zum FC Arsenal nach London wechselt. Schweiz gegen Albanien war auch das Duell gegen seinen zwei Jahre älteren Bruder Taulant: Granit spielt für die Schweiz, Taulant für Albanien.

Am Ende gewannen die Schweizer, weil sie in den entscheidenden Situationen die besseren Nerven hatten, obwohl die frühe Führung nach fünf Minuten durch Innenverteidiger Fabian Schär von der TSG Hoffenheim per Kopf der Elf nicht die erhoffte Souveränität verlieh. Und als Albaniens Kapitän Lorik Cana schon nach 37 Minuten mit gelb-roter-Karte vom Platz gestellt wurde, konnten die Schweizer ihre Chancen in Überzahl nicht nutzen. Mittelstürmer Haris Seferovic von Eintracht Frankfurt vergab drei große Möglichkeiten.

Granit Xhaka, ein Leader auch im Schweizer Team, meinte: "Vielleicht hat sich Haris die Tore für die kommenden Spiele aufgehoben." Und Xhakas Kollege von Borussia Mönchengladbach, Torwart Yann Sommer, rettete am Ende den Sieg, als er zwei Minuten vor Schluss einem Schuss von Shkelzen Gashi hervorragend abwehrte. "Yann hat in der Bundesliga und in Europa gezeigt, dass er ein außergewöhnlicher Torwart und in hervorragender Form ist", lobte der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic. Und Granit Xhaka meinte: "Wir hatten heute zum Glück Yann Sommer im Tor."

Mit 129 Pässen zum "Spieler des Spiels"

Granit Xhaka wurde zum "Spieler des Spiels" gewählt, außer dem Spanier Xabi Alonso und dem Italiener Andrea Pirlo hatte noch nie ein Spieler mehr als 125 Pässe in einer EM-Begegnung gespielt. Xhaka schaffte am Samstag in Lens 129. Doch darüber wollte er nicht sprechen. Von englischen Journalisten wurde er gefragt, ob ihn die hohe Ablösesumme belaste, die bei seinem Wechsel von Gladbach zu Arsenal fällig werde. "Ob das eine Million oder mehrere Millionen kostet – der Preis belastet mich überhaupt nicht", antwortete Xhaka selbstbewusst.

Video: 11 rasante Fragen an Granit Xhaka

Am Ende war bei ihm ein Kräfteabbau festzustellen. Eine Grippe hatte ihm zwei Tage lang zugesetzt, sogar das Training hatte er abgebrochen. Doch er wollte unbedingt dabei sein in diesem ganz speziellen Spiel und hatte ihm dann auch seinen Stempel aufgedrückt. Nun will Granit Xhaka mehr.

"Wenn wir am Mittwoch gegen Rumänien gewinnen, dann sind wir durch. Dann geht es im letzten Spiel gegen Frankreich um den ersten Platz in der Gruppe." Granit Xhaka will seine gute Saison in Gladbach nun mit der "Nati" der Schweiz in Frankreich krönen. Das vielleicht schwerste Spiel auf diesem Weg hat er erfolgreich überstanden.

Aufgeladenes Duell

Eli, die Mutter der Xhaka-Brüder hatte auf der Tribüne im Stade Bollaert-Delelis von Lens ein T-Shirt an, auf dem je zur Hälfte der albanische Doppeladler und das Schweizer Kreuz zu sehen waren. In ihrem Herz schlugen zwei Herzen an diesem Tag. Granit ging am Ende als Sieger vom Platz, Taulant wurde nach 61 Minuten ausgewechselt. "Wir haben uns professionell verhalten, wir sind in die Zweikämpfe gegangen und es kann uns niemand etwas vorwerfen", analysierte Granit: "Jetzt bin ich glücklich, ein bisschen glücklicher als Taulant."

Es war nicht nur für die beiden Xhaka-Brüder ein aufgeladenes Duell, für die Schweiz spielten viele Spieler mit albanischen Wurzeln - Albaner sind eine der größten Einwanderungsgruppen im Land. Und für die Albaner spielten viele Profis, die in der Schweiz geboren und ausgebildet wurden. "Der Druck war hoch", gab Granit Xhaka zu. Er hatte vor dem Einlaufen jeden Spieler der Albaner im Kabinentrakt herzlich umarmt.

Aus Lens berichtet Tobias Schächter

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