Mainz - Die SMS kam am Donnerstagmittag kurz nach der offiziellen Pressekonferenz. Elkin Soto schrieb Christian Heidel, dem Manager vom 1. FSV Mainz 05, die Schmerzen ließen langsam nach. Am Mittwoch war der Mittelfeldspieler der Mainzer in einer Spezialklinik in Plattling operiert worden.  Beim Spiel des FSV am vergangenen Wochenende gegen den Hamburger SV ging nach einer unglücklichen Aktion in linken Knie Sotos alles kaputt, was das Gelenk zusammenhält.

In einer Pressemitteilung nach der Operation hieß es: "Bei der Operation wurden die Popliteussehne, die hintere äußere Kapsel, das Außenband, die Bizepssehne, der Tractus Iliotibialis und der Außenmeniskus rekonstruiert. Das teilgerissene hintere Kreuzband wird zunächst konservativ behandelt." Die behandelnden Ärzte seien sich einig, dass es sich um eine "seltene und extrem schwere Knieverletzung" handelt. In acht bis zwölf Wochen solle über das weitere operative Vorgehen entschieden werden, zumindest die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes sei vorgesehen.

Entscheidung über Zukunft liegt beim Spieler

Für den 34 Jahre alten Kolumbianer war dies ein bitterer Abschied aus der Bundesliga. Nach 182 Spielen für den FSV und acht Jahren im Club hatte Soto eigentlich  nach der Saison vor, zurück zu seinem Heimatverein Once Caldas wechseln. Jetzt liegt er erstmal im Krankenbett. Am Donnerstag erklärte der Mainzer Manager Christian Heidel, er stehe natürlich zu seiner Aussage, dass Soto einen neuen Vertrag unterschreiben könne, wenn er wolle. "Wir wollen dem Spieler die existenzielle Angst nehmen", sagte Heidel. Er wünsche sich, dass Soto nun in Mainz bleibe und in vertrauter Umgebung die Reha machen könne, der Verein werde ihn dabei unterstützen.

Die Entscheidung darüber liege aber beim Spieler, der nun neu planen muss. Soto ist Vater zweier Kinder, als Trost im Unglück hat er die Welle der Solidarität zur Kenntnis genommen, die schon schnell nach der Nachricht über seine schlimme Verletzung sich Bahn gebrochen hatte. Mit einem Foto aus seinem Krankenbett bedankte sich Soto bei den vielen Menschen, die ihm Zuspruch ausgesprochen hatten.

Keine Schuldzuweisungen

Der kolumbianische Fußballstar Radamel Falcao von Manchester United hatte getwittert: "Elkin ist nicht allein, ganz Kolumbien ist bei dir und wünscht dir, dass du diesen schlimmen Unfall überwindest." Der deutsche Nationalspieler Ilkay Gündogan wünschte: "Gute Besserung Elkin." Und auch viele Bundesliga-Vereine wie Borussia Dortmund, die TSG Hoffenheim, Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC Berlin und der HSV sendeten aufmunternde Worte.

Rafael van der Vaart hatte ebenso wie HSV-Trainer Bruno Labbadia seine Bestürzung über die Verletzung von Soto direkt nach dem Abpfiff am Sonntag geäußert. Schuldzuweisungen gab es aber ohnehin nicht von Mainzer Seite, Manager Heidel erklärte: "Das Knie war nicht mehr da, wo es hingehört. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es war ein Unglück, van der Vaart wollte das nicht."

Mitreißer für Publikum und Mitspieler

Auch der Mainzer Trainer Martin Schmidt zeigte sich sehr betroffen. Noch am Sonntag hatte er erklärt: "Mainz 05 hat schon oft gezeigt, dass der Verein verletzten Spielern eine Stütze bietet. Ich sage Elkin: Werde in Ruhe gesund, dann hast du hier einen Anker."  Und auch Präsident Harald Strutz betonte:  "Wir sind ein herzensnaher Verein. Elkin braucht sich bei uns keine Sorgen zu machen – wir werden uns um ihn kümmern!"

Die Mannschaft hatte dem kranken Kollegen am Mittwoch eine Bild geschickt, auf dem alle noch einmal  ihre Anteilnahme dokumentieren. Soto ist in der Mannschaft, im Verein und bei den Fans hochgeschätzt. In seinen besten Tagen, war der technisch brillante Mittelfeldspieler Mitreißer für Publikum und Mitspieler. Einer, der den Mainzer Fußballstil verkörperte und prägte. Soto wird nun also auch im Schlussspurt fehlen.

Besondere Aktion geplant

Am Samstag müssen die Mainzer beim VfB Stuttgart antreten. Am Mittwochmorgen sei das Schicksal Sotos noch sehr präsent gewesen, erzählte Trainer Schmidt, da hatte die Mannschaft auch das Gemeinschaftsbild aus der Kabine gepostet.  Am Mittwochmittag im Training habe Schmidt dann aber wieder Spaß und Willen bei seinen Spielern erkennen können. "Es hat schon drei Tage gebraucht, um das Geschehene zu verdauen", berichtete er.

Ab Donnerstag gehe es nun aber wieder auf die Vorbereitung auf das Spiel in Stuttgart, so der Trainer. "Wir wollen unsere Spiele jetzt noch gewinnen, nicht das Zünglein an der Waage im Abstiegskampf spielen", fordert Schmidt. Man wolle am Ende der Runde die bestmögliche Platzierung erreichen, sagte Schmidt. Erfolge des FSV Mainz wären sicher auch gut für den verletzten Elkin Soto. Am Samstag in Stuttgart wolle der FSV mit einer besonderen Aktion dem Kolumbianer Mut zusprechen – wie die aussehen soll, hat Präsident Harald Strutz aber nicht verraten.



Aus Mainz berichtet Tobias Schächter