Dortmund - Als die Dortmunder Mannschaft nach dem Sieg über die TSG Hoffenheim direkt auf die Südtribüne zusteuerte und den Kontakt zu den Fans am Zaun suchte, gab es kein Halten mehr. "Und wir werden immer Borussen sein, es gibt, nie, nie, nie einen anderen Verein", schallte es den Spielern aus allen Kehlen entgegen. Darin steckte so viel Überzeugung - und nach dem Befreiungsschlag auch so viel Erleichterung.

Alois Scheffler hätte wohl seine helle Freude gehabt an dieser Art des fußballerischen Glaubensbekenntnisses. Im Alter von 99 Jahren war der Ehrenvorsitzende des BVB-Ältestenrates zu Beginn der Woche verstorben. "Einmal Borusse, immer Borusse", hatte er der Borussia-Familie erst vor gut einem Jahr auf der Mitgliederversammlung mit auf den Weg gegeben.

"Wir müssen uns wehren"

Vor dem Spiel gegen Hoffenheim gedachte das Stadion Schefflers und irgendwie war es danach, als sei sein Motto auch das Leitmotiv für diesen Abend. "High Noon" hatte Jürgen Klopp angesichts von Platz 18 ausgerufen - und Fans und Mannschaft bestanden dieses Duell im Schulterschluss mit Bravour.

Auf den Rängen kochte die Stimmung von der ersten Minute an über, auf dem Rasen wurde um jeden Zentimeter Boden gekämpft. Das hatte Sebastian Kehl, auch ohne Binde am Arm gerade in der Krise der schwarz-gelbe Leitwolf schlechthin, der Mannschaft vor dem Anpfiff mit einer emotionalen Ansprache noch einmal eingeschärft: "Wir müssen uns wehren. Mit rein spielerischen Mitteln kommen wir nicht zum Erfolg."

Mats Hummels, als Stabilisator für die zuletzt so wackelige Defensive zurückgekehrt, gab nach kaum fünf Minuten auf dem Platz die Richtung für diesen Abend vor. Da drosch Dortmunds Kapitän den Ball einfach mal geschmacklos nach vorne, statt ein gepflegtes Aufbauspiel von hinten heraus zu versuchen. "Wenn der Gegner Druck macht und wir gerade nicht in der Situation sind, uns mit 15 Kurzpässen zu befreien, dann schlägt man den Ball eben auch mal weit", stellte der Abwehrchef klar.

Schönspielerei ist nicht gefragt

Gefragt war bei der Borussia dieses Mal keine Schönspielerei, gefragt waren kompromisslose und energische Zweikämpfe, Laufarbeit und Leidenschaft ohne Ende. Und gefragt waren elf Typen, die den Fußball auch arbeiten können, wenn es nötig ist.

Dabei setzte Jürgen Klopp hinten erstmals seit dem Wembley-Finale 2013 wieder auf die Viererkette früherer Tage. Rechts verteidigte Lukasz Piszczek, links strahlte Marcel Schmelzer mehr Sicherheit aus als zuletzt Erik Durm und  auch Neven Subotic wirkte an der Seite von Hummels deutlich stabiler als zuvor.

Als gute Entscheidung stellte sich auch die Maßnahme Klopps heraus, Ilkay Gündogan anstelle von Shinji Kagawa die offensive Spielgestaltung anzuvertrauen - nicht nur aufgrund seines goldenen Treffers schon nach 17 Minuten. Gündogan strahlte Ruhe und Sicherheit aus, konnte mehr Akzente setzen als der sensible Japaner, brachte 85 Prozent seiner Pässe an den Mann. Vor allem bei seinen Aktionen blitzte auch das spielerische Potenzial und Können auf, das in dieser Borussia steckt. Und auch nach dem Spiel versprühte Dortmunds Spielgestalter so etwas wie Aufbruchstimmung: "Es hat viel Spaß gemacht. Jetzt müssen wir sehen, dass wir bis Weihnachten eine Serie hinlegen!"

Wer bei diesem Versuch das Tor der Borussia hüten wird, diese Frage muss Jürgen Klopp noch entscheiden. Gegen Hoffenheim hatte er sich "aus einem Bauchgefühl" für Mitch Langerak entschieden, "weil ich seine Frische und Unbekümmertheit auf dem Platz haben wollte". Der Trainer beeilte sich aber auch mit Blick auf Weltmeister Weidenfeller zu versichern, dass "Roman nichts vorzuwerfen ist. Roman ist ein Profi, er kann damit umgehen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte