Es gibt Rekorde, auf die könnte man als Trainer gern verzichten. Etwa auf drei Platzverweise in acht Spielen. Oder auf den ersten Spieler in dieser Bundesliga-Saison, der mit fünf Gelben Karten pausieren muss.

Michael Skibbe hat gleich beides. Aber der Coach von Eintracht Frankfurt nimmt's ebenso gelassen wie pragmatisch: "Es waren ja keine Disziplinlosigkeiten. Jetzt bekommen eben andere die Chance, sich zu zeigen und zu beweisen."

Skibbe fordert geschicktere Zweikampfführung

Pirmin Schwegler hatte auf Schalke den vorläufigen Schlusspunkt unter die Serie an Hinausstellungen gesetzt. Im Duell mit Rafinha kam er nicht rechtzeitig, der Brasilianer fiel - und Schwegler musste mit Gelb-Rot vom Platz.

"Er war einen Tick zu spät, das kommt bei Zweikämpfen vor", nahm Skibbe seinen Spieler in Schutz. Trotzdem weiß auch der Coach, dass sich die Eintracht so selbst immer wieder personeller Alternativen beraubt. In Köln flog Patrick Ochs vom Platz und wurde für vier Spiele gesperrt. Gegen Stuttgart sah Marco Russ Rot, gegen Schalke kassierte Schwegler die Ampelkarte - und Selim Teber bereits seine fünfte Gelbe Karte.

"Es ist schon offensichtlich, dass wir ein bisschen aufpassen müssen", meint Maik Franz. Und auch Schwegler räumt ein: "So ist das klar zu viel." Skibbe hat seinen Profis nahe gelegt, sich künftig "in der Zweikampfführung ein bisschen geschickter anzustellen."

Die Defensive steht

Beim nächsten Spiel gegen Hannover fehlen der Eintracht die gesperrten Teber, Schwegler und Russ. Der Trainer muss sein Team damit auf wichtigen Positionen umbauen - und sieht darin auch eine Chance. Spielern wie Mittelfeldakteur Zlatan Bajramovic und Rechtsverteidiger Sebastian Jung, der zurzeit bei der U-20-WM in Ägypten für Furore sorgt, winkt die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen und im Spiel der Frankfurter neue Akzente zu setzen.

Um die Defensive scheint sich Michael Skibbe dabei weniger Sorgen machen zu müssen. Bislang konnte Frankfurt die Umstellungen im Abwehrverbund gut kompensieren und trat in der Liga zumeist kompakt auf - das 0:3 gegen Stuttgart ausgenommen. Selbst nach der Niederlage in Schalke, immerhin der zweiten in Folge, musste der Trainer feststellen, "dass wir die Partie über weite Strecken gut kontrolliert haben und der Gegner kaum zur Entfaltung gekommen ist."

Erst acht Tore in acht Spielen

Dass die Eintracht mit zehn Punkten aus acht Spielen zurzeit auf der Stelle tritt, liegt eher an Problemen in der Offensive. Insgesamt stehen erst acht Treffer zu Buche, nur vier Teams haben weniger Tore erzielt. Seit 238 Minuten hat Frankfurt nichts mehr ins gegnerische Tor getroffen.

Auch Skibbe vermisst bei seiner Mannschaft ein gesteigertes Maß an Kreativität und Ideen. Die Eintracht kombiniert zwar gefällig, aber manchmal fehlt der Zug nach vorn oder der überraschende Pass in die Spitze. "Wir spielen oft nur von recht nach links", kritisiert Patrick Ochs.

Fenins Rückkehr gibt Hoffnung

Das erschwert letztlich auch den Stürmern ihren Job. Zwar scheint Ioannis Amanatidis - für Skibbe einer der "Top-Torjäger der Bundesliga" - mit drei Toren aus sieben Spielen auf dem Weg zu alter Stärke. Doch viele Alternativen hat der Coach in vorderster Reihe nicht. Auch die angedachte Umstellung auf ein 4-3-3-System mit zwei Flügelstürmern ließ sich mangels Personal bislang nicht realisieren.

Aber es gibt Hoffnung - vor allem wegen Martin Fenin. Im Testspiel bei Eintracht Wetzlar stand der Tscheche, der nach seiner Leistenoperation noch um den Anschluss ringt, wieder in der Startformation, absolvierte beim 3:1-Erfolg 68 Praxisminuten. Vielleicht hat Skibbe somit auch gegen Hannover wieder eine personelle Alternative, trotz aller Sperren.

Dietmar Nolte