Zusammenfassung

  • Jetro Willems ersetzt bei Eintracht Frankfurt den abgewanderten Bastian Oczipka

  • Der niederländische Nationalspieler weist mit 23 Jahren bereits enorme Erfahrung auf

  • Willems bringt Vieles mit, das einen modernen Linksverteidiger auszeichnet

Frankfurt - In der 13. Minute des Saisonrückspiels 2016/17 seines Ex-Clubs PSV Eindhoven gegen den AZ Alkmaar bekommt Jetro Willems auf der linken Außenbahn den Ball, lässt einen ersten Gegenspieler mit einer schnellen Innenristbewegung und einen zweiten mit einer überraschenden Außenristfinte stehen. Dann haut er das Rund vom linken Eck des Fünfmeterraums in die Maschen. Keine drei Minuten später erhöht er nach langem Tempodribbling aus dem linken Halbfeld vom Rande des Sechzehners. Zugegebenermaßen gehört das Toreschießen eigentlich nicht zu den Stärken des 22-maligen Nationalspielers der Niederlande, es ist sein erster Doppelpack als Profi. Die Situationen vor den beiden Treffern aber zeichnen den neuen Linksverteidiger von Eintracht Frankfurt aus.

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Willems mag Abwehrspieler sein, seine Spezialität aber ist die Offensive. Seinen Flügel beackert der 23-Jährige immer wieder mit viel Geschwindigkeit, sucht häufig seine Möglichkeiten für Flanken oder entscheidende Pässe. Ein wuchtiger, aber dennoch präzise gespielter Ball bildet einen Höhepunkt seines spielerischen Repertoirs - alles, was davor kommt, einen weiteren. Denn Willems, bereits früh auch als Futsal-Akteur aktiv gewesen, ist technisch für einen Außenverteidiger ungewöhnlich beschlagen. Seine Stärke im Dribbling kommt in Kombination mit seiner trotz nur 1,69 Meter Körpergröße durchaus beeindruckenden Physis sowie einem guten Antritt doppelt gefährlich daher.

Der entscheidende Ball

© gettyimages / Dean Mouhtaropoulos

Willems ist ein Mann für die vorletzte Berührung mit dem Leder, bevor das Netz zappelt. Bewiesen hat der Linksfuß das vor allem in Eindhovens Meisterspielzeit 2014/15, als ihm in 30 Partien in der Eredivisie 13 Vorlagen gelangen. Eine schwere Knieverletzung bremste Willems im Anschluss über ein halbes Jahr aus; in der Folgesaison, die die PSV ebenfalls aus Platz eins beendete, kam er in 15 Einsätzen in der höchsten Spielklasse der Niederlande dennoch immerhin auf vier Assists. In der letzten Saison waren es in 25 Erstligaduellen drei Vorlagen, sein Frankfurter Vorgänger Bastian Oczipka bereitete derweil in der Bundesliga in 33 Spielen vier Tore vor.

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Es sind durchaus große Fußstapfen, die Willems in Hessen füllen soll. Denn Oczipka galt hinten links als enorm verlässlich, vor allem in der Defensive. Ein offensiver Vertreter der Position des Linksverteidigers wird das System der Eintracht zwangsläufig etwas verändern. Das könnte sich durchaus positiv auswirken: Denn Willems bringt neue und unberechenbare Akzente ins Frankfurter Spiel, könnte gerade in Kontersituationen eine frische Komponente zur SGE mitbringen.

Champions League, Europa League, EM

Im März feierte Willems seinen 23. Geburtstag. Trotz junger Jahre kann er bereits auf eine Karriere mit vielen Highlights zurückblicken: 144 Partien absolvierte der gebürtige Rotterdamer, dessen Eltern aus Curacao kommen, in der Eredivisie - außerdem unter anderem sieben in der Champions League, 23 in der Europa League und drei für die Niederlande bei der Europameisterschaft 2012, eins davon gegen Deutschland.

Sein Debüt für den EM-Sieger von 1988 gab Willems mit gerade einmal 18 Jahren, einem Monat und 26 Tagen in Mai 2012. In Polen und der Ukraine avancierte er zum jüngsten Spieler, der jemals für die Niederlande bei einer Europameisterschaft auflief. Vieles deutete vor seiner schweren Verletzung darauf hin, dass Willems der nächste Stammverteidiger hinten links der Oranje wird. Bei der Eintracht wird er darum kämpfen, nach seinem letzten Einsatz für die Nationalmannschaft im Oktober des letzten Jahres möglichst schnell wieder in Orange auflaufen zu dürfen - durch starke Eindrücke in Rot und Schwarz.

Felix Tschon