Frankfurt - Ob er einen Spitznamen habe, wurde Lukas Hradecky gefragt. "Nein, aber wenn Sie wollen", antwortete der Nationaltorhüter Finnlands auf das Angebot eines Reporters, "dann können Sie mich ruhig Spiderman nennen." Dabei lachte der 25 Jahre alte Torwart wie ein glückliches Kind und scherzte: "Ich kann ja auch mit der Spiderman-Maske im nächsten Spiel auflaufen."

Das ist aber in Deutschland verboten, seit der Dortmunder Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang das letzte Saison tatsächlich mal gemacht hat. Aus Hradeckys Worten sprach aber kein Übermut, es war reine Freude, die diesem Torwart nach seinem gelungenen Heimdebüt beim 1:1 gegen den FC Augsburg anzumerken war.  Zwei Bundesligaspiele hat Hradecky gerade mal absolviert für Eintracht Frankfurt, aber den Respekt der Fans und Verantwortlichen hat er mit starken Leistungen bereits gewonnen.

Am Samstag rettete er mit starken Paraden der Eintracht ein glückliches Remis gegen klar dominierende Augsburger. Kurz vor dem späten Ausgleich durch Marco Russ (86.) zeigte der finnische Nationaltorhüter gleich zwei Mal in Eins-gegen-Eins-Situationen gegen die Augsburger Angreifer Ji und Werner, dass er tolle Reflexe und beeindruckende Coolness in seinem Repertoire vereint (80., 85.). "Ja", erklärte Hradecky auf Englisch nach dem Abpfiff, "die Situation Stürmer gegen Torwart gehört zu meinen Stärken. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft heute damit helfen konnte."

Trapp sieht seinen Nachfolger

Die Eintracht hat an diesem Samstag einen guten Torwart gebraucht, sie hat nämlich "nicht gut Fußball gespielt" (Trainer Armin Veh) und offenbarte durch das Fehlen von Marc Stendera und Alexander Meier großen Schwächen im Spiel nach vorne. Umso mehr darf Hradecky als Gewinner gelten, schließlich verlor die Eintracht auf der Torwartposition im Sommer in Kevin Trapp nicht nur einen sehr guten Spieler, sondern auch ihren Kapitän.

Am Samstag wurde Trapp noch einmal von den Fans gefeiert und mit einem Blumenstrauß offiziell verabschiedet. Nach drei Jahren war er zum französischen Spitzenclub Paris St. Germain gewechselt, wo er bislang in vier Pflichtspielen vier Mal ohne Gegentor blieb. Trapp konnte am Samstag auf der Tribüne erahnen, wie sein Nachfolger die Lücke schnell schließen könnte, die er bei der Eintracht hinterlassen hatte.

Hradecky, 1,90 Meter groß, Modellathlet, 80 Kilogramm leicht, ist in der Slowakei geboren und mit seiner Familie nach Finnland ausgewandert. Dort wurde er zum Nationalspieler, hat bereits 21 Länderspiele absolviert und wechselte vor drei Wochen vom dänischen Spitzenklub Bröndby IF aus Kopenhagen nach Hessen. Neben seiner Stärke im 1:1 ist Hradecky auch ein guter Fußballer, der in der Spieleröffnung gut mitspielt.

Russ: "Er hat uns im Spiel gehalten"

Eintracht-Trainer Veh ist jedenfalls "froh" so lange auf die Verpflichtung dieses sportlich starken und stets fröhlichen Torwarts gewartet zu haben. "Er hat ein starkes Heimdebüt gezeigt, das ist ja nicht unwichtig", lobte Veh. Beim zweiten Neuzugang auf der Torhüterposition ging die Heimpremiere beim 3:2-Sieg im Freundschaftskick gegen den FC Tokio vor ein paar Wochen ja schief: Der Österreicher Heinz Lindner, gekommen von Austria Wien, machte da keinen guten Eindruck. Auch deshalb war Veh erleichtert, dass es mit der Verpflichtung von Hradecky noch geklappt hat.

Für die Kabine dürfte der lebensfrohe Finne aus der Slowakei der Mannschaft zudem guttun. Gegen Augsburg, das wusste auch Ausgleichstorschütze Marco Russ, konnten sich die Frankfurter auf dem Rasen schon einmal bei ihrer neuen Nummer 1 "bedanken": "Er hat uns im Spiel gehalten", lobte Russ.

Hradecky ist erfahren genug, um zu wissen, dass Akzeptanz nur über gute Leistungen geht, er sagte deshalb auch ein bisschen erleichtert: „Du wirst nur akzeptiert, wenn du gut spielst.“ Wie schon zum Saisonstart beim 1:2 in Wolfsburg ist das Lukas Hradecky gegen Augsburg gelungen. Auf diesen Torwart kann sie die Eintracht offenbar verlassen.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter