Zusammenfassung

  • Eintracht Frankfurt will sich nach dem Supecup an den Schwächen arbeiten
  • Die Neuzugänge brauchen noch Zeit
  • Trainer Adi Hütter: "Ich werde klare Worte finden"

Frankfurt - Von Adi Hütter trainierte Mannschaften waren in der Vergangenheit für rigides Vorwärtsverteidigen bekannt - mit Inkaufnahme aller Risiken, die eine so offensiv ausgeprägte Spielidee mit sich bringt. So führte der Österreicher in der vergangenen Saison Young Boys Bern überraschend klar zur Schweizer Meisterschaft. Und weil er so denkt, musste es besonders bitter klingen für den neuen Trainer von Eintracht Frankfurt, als er Sonntagnacht nach der deutlichen 0:5-Niederlage im Supercup gegen den FC Bayern München im eigenen Stadion zugeben musste: "Uns hat der Mut gefehlt."

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Das Spiel Meister gegen Pokalsieger war eine klare Angelegenheit, das hohe Ergebnis drückte auch den tatsächlichen Leistungsunterschied zwischen den beiden Teams an diesem Abend wieder. Aber Hütter sagt: "Ich denke immer positiv."

Hoffnung, dass er in Zukunft bessere Auftritte der Eintracht kommentieren darf, schöpft Hütter, aus den ersten 20 Minuten, als seine Mannschaft noch relativ kompakt verteidigte. Aber nach dem 0:2 (26.) war der Widerstand der Eintracht gebrochen, die Bayern dominierten klar. Nur noch einmal wurde das Frankfurter Publikum fast euphorisch, als Ante Rebic Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Der WM-Held Kroatiens, der die Eintracht mit zwei Toren im Mai zum Pokalsieg gegen die Bayern geschossen hatte, war erst letzten Mittwoch ins Training eingestiegen und hatte am Freitag seinen Vertrag in Frankfurt verlängert.

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Ein fitter Rebic gibt natürlich Mut für die kommende Saison, in der die Hessen die Weggänge von Leistungsträgern ersetzen müssen. Kevin-Prince Boateng (Sassuolo, Italien), Marius Wolf (Dortmund), Omar Marscarell (Schalke) und Torwart Lukas Hradecky (Leverkusen) reißen aber Lücken ins Leistungsgefüge. Hradeckys Nachfolger Frederik Rönnow, 26, (Bröndby Kopenhagen) hatte bei seinem Debüt im Frankfurter Tor einen durchwachsenen Tag erwischt. Doch Hütter stellte sich vor seinen Keeper und erklärte: "Frederik ist ein Torwart mit Talent, auf den wir uns verlassen und dem wir vertrauen. Er hat trotzdem ein ordentliches Spiel gemacht. Ich glaube, das wird er gut wegstecken können."

Neuzugänge brauchen noch Zeit – Ausnahme: Torro

Außer Rönnow stand nur noch ein weiterer von bislang insgesamt acht Zugängen gegen die Münchner auf dem Platz: Sechser Lucas Torro, 24, (vorher Osasuna) rannte im defensiven Mittelfeld dem Ball meistens hinterher. Die anderen Zugänge ließ Hütter das Supercup-Spiel vor ausverkauftem Haus (51 500 Zuschauer) von der Tribüne aus verfolgen. Die Zugänge seien alles junge Spieler, die sich an das Tempo und das Spiel in der Bundesliga gewönnen müssten, erklärte Hütter.

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Aber der Österreicher glaubt, dass das auch gelingen werde: "Ich werde klare Worte finden. Aber ich werde nicht draufhauen, sondern die Probleme ansprechen, wie es sich gehört. Vielleicht war es der richtige Zeitpunkt für einen Schuss vor den Bug." Mittelfeldmann Jonathan de Guzman analysierte: "Am Anfang waren wir sehr gut, dann hatten wir nichts mehr entgegenzusetzen. Natürlich sind wir sehr enttäuscht. Aber wir sind ein Team und jetzt müssen wir als Team an unseren Schwächen arbeiten."

Adi Hütter ist sich sicher: "Wir werden uns steigern und ein anderes Gesicht zeigen." Am besten schon am nächsten Wochenende im Pokalspiel beim Regionalligisten SSV Ulm. Aber auch dort braucht die Eintracht vor allem: mehr Mut.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter