Frankfurt - Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht, schmunzelte nur bei der Vorstellung: "Ja, vielleicht wäre es etwas anders gelaufen, wenn der Alex Meier da vorne rumgeschlichen wäre."

Es ist natürlich hypothetisch zu glauben, die Eintracht hätte mit ihrem Torjäger und Fußballgott ein Tor geschossen, statt gegen Borussia Mönchengladbach 0:0 zu spielen. Aber Fakt ist auch: Seit Meier an der Patellasehne operiert worden ist und auf dem Platz fehlt, hat die Eintracht kein Tor mehr geschossen.

"Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft"

Das war so beim 0:3 beim FC Bayern München vergangene Woche und es war Freitagabend so gegen Borussia Mönchengladbach. Ohne Fußballgott tut sich jede Mannschaft schwer, auch Eintracht Frankfurt. Meier, der Torjäger mit 19 Treffern, leidet an den Folgen einer ganz irdischen Verletzung und in dieser Saison nicht mehr spielen können.

Gegen Gladbach schafften es die Frankfurter wieder einmal nicht, die TSG Hoffenheim vom möglichen Europa-League-Rang sieben zu verdrängen. Dabei bot die Eintracht eine gute Leistung, setzte dem Favoriten sehr zu und war dem Sieg am Ende vielleicht sogar näher. "Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft", lobte Eintracht-Trainer Thomas Schaaf den mutigen Auftritt seiner Mannschaft (weitere Stimmen zum Spiel): "Das Spiel hätte auch 3:3 ausgehen können, aber das hätte uns auch nicht glücklicher gemacht, es wäre nur ein Remis gewesen. Und dennoch: Es war ein gutes Nullnull, und es ist ein gutes Ergebnis gegen eine gute Mannschaft."

Eintracht spielt mutig nach vorne

Die 51 500 Zuschauer erlebten eine starke Eintracht, die trotz vieler verletzungsbedingter Ausfälle mutig nach vorne spielte. "Genau so wollen wir die Mannschaft sehen", lobte Vorstand Bruchhagen. Trainer Schaaf musste nicht nur auf Fußballgott Meier verzichten, sondern auch auf Spielmacher Marc Stendera und die etatmäßigen Innenverteidiger Carlos Zambrano und Marco Russ. Schaaf wählte trotzdem den Angriff als beste Verteidigung gegen den Favoriten.

Mit aggressivem Pressing versuchten die Frankfurter das Aufbauspiel der Gladbacher zu unterbinden. Die beiden Spitzen Haris Seferovic und Nelson Valdez wurden tatkräftig von den nachrückenden Mittelfeldspielern Slobodan Medojevic, Stefan Aigner und Sonny Kittel unterstützt. Schon 30 Sekunden nach dem Anpfiff merkte der Tabellendritte, dass der Ausflug nach Frankfurt kein Spaziergang werden wird. Aber Seferovic drosch den Ball statt ins Tor aus zehn Metern über die Latte. Das war das Signal für ein abwechslungsreiches Flutlichtspiel vor stimmgewaltiger Kulisse, in dem beide Teams immer die Entscheidung suchten.

Ein Tor muss endlich wieder her

Schaaf war natürlich auch deshalb zufrieden, weil seine Mannschaft trotz der Ausfälle gegenüber den letzten Spielen verbessert gezeigt hatte. "Wir jammern nicht wegen der Ausfälle", bekräftigte Schaaf: "Wir konzentrieren uns auf die Spieler, die zur Verfügung stehen und sprechen denen unser Vertrauen aus." Wie schon in vielen anderen Spielen gegen Spitzenteams zuvor fiel Vorstand Bruchhagen auf, dass sich die Eintracht "gegen spielstarke Teams einfach leichter tut".

Wenn ein Gegner der Eintracht spielerisch überlegen sei und das Spiel mache, dann tue das der defensiven Stabilität der Frankfurter gut, analysierte Bruchhagen. Was der Punkt gegen Gladbach aber für die Gesamtsituation und für das kommende Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund bedeute, wisse er nicht, erklärte Bruchhagen. Fakt ist aber auch: Die Eintracht muss auch mal wieder ein Tor schießen, um ein Spiel zu gewinnen – und in dieser Beziehung fehlt ein Fußballgott namens Alexander Meier dann doch schon sehr.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter