Frankfurt - Am Ende gab es Applaus für beide Mannschaften nach diesem turbulenten 2:2 zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FSV Mainz 05 im Rhein-Main-Derby. Die Mainzer Kurve verabschiedete ihre Spieler fast euphorisch, weil diese auch nach dem fünften Ligaspiel weiter ungeschlagen bleiben und die Frankfurter Fans honorierten den Kampfgeist ihrer Mannschaft, die nach einem 0:2 doch noch den Ausgleich geschafft hatte.

Beide Konkurrenten befinden sich unter neuen Trainern und veränderten Kadern ja noch mitten im Umbruch. Noch ist nicht abzusehen, wohin der Weg der Rivalen führen wird. Aber beide Trainer fanden neben offenkundigen Schwächen auch viel Positives nach den 90 Minuten.

Schaaf hadert mit Ballverlusten

Eintracht-Trainer Thomas Schaaf lobte vor allem den "tollen Einsatz“ seiner Mannschaft: "Das Gute ist, dass meine Mannschaft nie aufgibt." Noch fehle eine klare Linie, erklärte der Trainer-Routinier: "Wir geben zu einfach den Ball ab und müssen dann hinterherrennen." Er ärgere sich, dass sich seine Spieler bei diesem enormen Einsatz nicht mehr belohnten, sagte Schaaf.

Nach den beiden ersten Torschüssen der in der ersten Halbzeit effektiven Mainzer lagen die Frankfurter plötzlich überraschend und klar zurück, Jonas Hofmann (41.) und Shinji Okazaki (44.) trafen für Mainz. Für das Frankfurter Selbstbewusstsein war Alexander Meiers Anschlusstreffer kurz vor dem Pausenpfiff wichtig. Und dennoch dauerte es bis zur turbulenten Schlussphase ehe sich die Frankfurter wieder Torchancen erspielen konnten.

Mainz hat Doppel-Aus gut verkraftet

Das lag vor allem daran, dass der Mainzer Trainer Kasper Hjulmand die bis dahin so instabile Defensive stärkte, indem er nach der Pause Gonzalo Jara für den offensiven Yunus Malli in die Begegnung brachte. Der Chilene war fortan dritter Innenverteidiger in einer Fünferabwehrkette.

"Wir hatten in der Defensive keine Kontrolle, das wurde in der zweiten Halbzeit besser", meinte Hjulmand. Das stimmte bis zur 82. Minute, als Eintracht Stürmer Haris Seferovic nach einem Freistoß völlig frei zum Kopfball kam und ungestört zum Ausgleich einköpfen konnte. Danach vergaben Jonas Hofmann für Mainz und Alexander Meier für die Eintracht noch beste Chancen zum Siegtreffer.

Hjulmand aber konnte drei Tage nach dem 2:0-Sieg gegen Borussia Dortmund feststellen, dass "die Mannschaft an sich glaubt". Und auch der Mainzer Manager Christian Heidel analysierte: "Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft von Spiel zu Spiel sicherer wird." Nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal und der Europa-League-Qualifikation war der Saisonstart vermiest. Doch nun hat sich die Mannschaft in der Liga etabliert, auch weil die fünf - kurz vor Transferschluss verpflichteten - Neuzugänge die Optionen für Trainer Hjulmand und die Kaderqualität insgesamt deutlich erhöht haben.

Trifft Super-Shinji auch gegen Hoffenheim?

Und natürlich, weil Shinji Okazaki derzeit in großartiger Form ist. Der japanische Nationalspieler traf schon zum fünften Mal im fünften Spiel (Torjägerliste). In typischer Manier jagte er dem verdutzten Marco Russ mit letztem Einsatz den Ball ab und bereitete so sein Tor quasi selbst vor. "Shinji ist mit seiner bodenständigen Art eine Bereicherung für jede Mannschaft", sagt FSV-Manager Heidel.

Die Mainzer müssen am Freitag schon wieder ran, sie empfangen die TSG Hoffenheim. "Das wird ein schwieriges Spiel, weil Hoffenheim im Konterspiel sehr stark ist", sagt Heidel. Immerhin kamen auf Mainzer Seite keinen neuen Verletzungen hinzu.

Trapp fällt wochenlang aus

Die Frankfurter haben zwar zwei Tage länger Pause, müssen aber den Verletzungs-Schock von Kevin Trapp verkraften. Der Torhüter verletzte sich bei seiner Rettungstat gegen Hofmann (89.) am Sprunggelenk und musste ausgewechselt werden - für ihn kam Felix Wiedwald, der auch in den nächsten zehn bis zwölf Wochen im Kasten stehen wird.

"Diese Diagnose trifft uns schwer. Wir wünschen Kevin jetzt einen guten Verlauf der Genesung. Mit Felix Wiedwald haben wir einen Torhüter dem wir ebenfalls bedingungslos Vertrauen", sagte Schaaf.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter