Auch dank Neuzugängen wie Simon Falette ist Eintracht Frankfurt aktuell so stark - © gettyimages / Alex Grimm
Auch dank Neuzugängen wie Simon Falette ist Eintracht Frankfurt aktuell so stark - © gettyimages / Alex Grimm
Bundesliga

Entgegen allen Erwartungen: Eintracht Frankfurt überrascht in der Bundesliga

Frankfurt - Natürlich war Lukas Hradecky "enttäuscht" und fand das 2:2 am Ende nach einer 2:0-Führung "bitter". Aber generell wollte auch der kritische Eintracht-Torwart die Vorrunde dieser Bundesligasaison nach dem 2:2 gegen den FC Schalke positiv bewerten. "Das Fundament ist da" sagte der Finne: "Die Drecksack-Dinge können wir schon, aber fußballerisch müssen wir uns verbessern."

Kovac: "Uns ist nicht viel zugetraut worden"

Sich immer verbessern zu wollen - das ist der Anspruch, den SGE-Trainer Niko Kovac an seine Profis stellt. Auch bei dem Kroaten überwog nach dem letzten Vorrundenspiel das Positive angesichts der entspannten Lage, die neuformierte Eintracht steht mit 26 Punkten sehr gut da. "Viele Fachleute haben uns das nicht zugetraut, man sieht: Auch Fachleute können danebenliegen", bemerkte der Kroate süffisant.

Die Perspektive stimmt in Frankfurt, der Blick geht nach oben, nicht nach unten. Und das, obwohl Mannschaften wie Leverkusen, Mönchengladbach und eben Schalke in dieser Saison wieder oben dabei seien, wie Kovac feststellte. "Wir haben hier etwas Kleines aufbauen können. Die Mannschaft lernt täglich dazu", lobte er und erinnerte an den Umbruch im Kader den Sommer, als viele der Eintracht eine schwere Saison prognostizierten: "Uns ist nicht viel zugetraut worden. Viele haben uns schon als Absteiger gesehen."

Boateng ist Eintrachts Kopf auf dem Platz

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Doch viele Neuzugänge erfüllten die Erwartungen und Kovac darf mit einem Augenzwinkern sagen: "Wir haben den ein oder anderen Einäugigen gekauft, jetzt arbeiten wir daran, sie zu Zweiäugigen zu machen." Er meinte damit auch Torjäger Sebastien Haller, der aus Utrecht an den Main gewechselt war und der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte ist. Der groß gewachsene Angreifer hat nun schon sechs Ligatreffer auf seinem Konto und insgesamt neun Tore in 18 Pflichtspielen erzielt und vier vorbereitet.

Auch andere Neue überzeugten. Ist Niko Kovac das Gesicht der Eintracht neben dem Platz, so ist es Kevin Prince Boateng im Eiltempo auf dem Platz geworden. Der Routinier prägt nach seiner Rückkehr aus Spanien das Spiel der Hessen. Die SGE hat sich in dieser Vorrunde einen Namen gemacht als eklige, schwer zu bespielende Mannschaft. Anders ausgedrückt: Gegen diese Eintracht tritt kein Kontrahent gerne an. Vor allem auswärts überzeugt die Elf mit starker Verteidigung und schnellem Konterspiel: Auf fremden Plätzen holten nur die Bayern mehr Punkte (19) als die Eintracht (18).

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Zuhause allerdings kamen nur acht Zähler hinzu. Diese Bilanz zu verbessern ist ein Ziel für die Rückrunde. Trainer Kovac hofft dabei auf die lange verletzten Mittelfeldspieler Marco Fabian und Omar Mascarell. Durch die Rückkehr der beiden Techniker soll das spielerische Moment gestärkt werden. "Fußballerisch müssen wir uns verbessern", fordert Torwart Hradecky.

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Doch die Halbzeitbilanz fällt auf allen Ebenen positiv aus. Sportvorstand Fredi Bobic sagt: „Wir sind mit 26 Punkten total zufrieden.“ Und sein Vorstandskollege Axel Hellmann stellte erleichtert fest: „Wir sind sehr froh, dass diese Mannschaft von den Fans und in der Stadt angenommen wird.“ Hellmann, der mit Bobic, an allen Stellschrauben dreht, um die Eintracht in eine gute Zukunft zu führen, sagt gar: "Dieser Klub ist auf dem Vormarsch."

Die Hessen brechen derzeit in allen Bereichen Rekorde, beim Sponsoring, im Merchandising, beim Hospitality und auch die Mitgliederzahlen steigen. Der Zuschauerschnitt liegt erstmals über 50 000 nach der Vorrunde. Die Infrastruktur wird ausgebaut und auch im Bereich Internationalisierung positioniert sich der Klub. "Auch deshalb sind wir froh, dass wir sportlich nicht schweißgebadet nach hinten in der Tabelle gucken müssen", sagt Hellmann.

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Angst vor einem Absturz in der Rückrunde, wie ihn die Eintracht in der vergangenen Saison erlebt hat, hat in Frankfurt derzeit aber niemand. Die Mannschaft wirkt gefestigt. Damals hatte die Eintracht 29 Zähler nach 17 Spielen - und musste dann aber zwischenzeitlich nach unten schauen. „Wir werden eine bessere Rückserie wie in der letzten Runde spielen“, glaubt Kovac. Doch zuvor steht noch das Pokalspiel am Mittwoch beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim an.

Tobias Schächter