Frankfurt - Stefan Aigner war leer. Ausgepowert. Das merkte man dem Rechtsaußen von Eintracht Frankfurt an, nachdem alles vorbei und zu einem guten Ende gekommen war. Die letzten Minuten habe er immer wieder auf die Stadionuhr geschaut, erzählte Aigner mit leiser Stimme. Die Erleichterung war natürlich riesig in Frankfurt nach dem wichtigen 2:1-Sieg gegen Werder Bremen zum Abschluss der Vorrunde.

Besonders auch natürlich bei Stefan Aigner, dem mit dem 2:1 endlich sein erster Saisontreffer gelungen war. Im letzten Jahr war Aigner mit acht Toren noch treffsicherer Rückhalt der Mannschaft, in dieser Runde steht seine Abschlussschwäche auch für die Schwierigkeiten der Eintracht. "Ich habe natürlich den Rucksack mitgeschleppt. Es war gut, dass es heute mal wieder mit einem Tor geklappt hat", teilte Aigner dann auch mit.

"Mit blauem Auge davongekommen"

Und insgesamt analysierte er die unbefriedigende Vorrunde: "Wir sind mit einem blauem Auge davongekommen. Wir haben es uns immer wieder selber schwer gemacht, uns zu oft selber unter Druck gesetzt wie vor den verlorenen Derbys in Mainz und Darmstadt." Eintracht Frankfurt überwintert nun mit 17 Punkten als Tabellenvierzehnter und überholte Werder in der Tabelle.  Wie die Stimmung in Frankfurt bei einer Niederlage an diesem Samstag gewesen wäre, wollte sich bei der Eintracht lieber niemand vorstellen.

Auch Trainer Armin Veh wirkte nach dem Sieg erlöst von einer schweren Last nach zuletzt sechs sieglosen Spielen. Weihnachtsgeschenke, sagte Armin Veh, brauche er jetzt nicht mehr - auch nicht von seinem Sohn. Fabian Veh nahm die Einlassungen seines Vaters als Zuhörer mit einem Lächeln zur Kenntnis. Dem Trainer von Eintracht Frankfurt waren die drei Punkte an diesem letzten Adventswochenende Geschenk genug. "Mir ist ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen", gab Veh zu.

Nur Seferovic braucht Trost

Neben Aigner hatte auch der letztjährige Torschützenkönig Alexander Meier getroffen.  Der Ausgleich Meiers per Kopf nach einer Flanke von Aleksandar Ignjovski nur eine Minute nach Werders-Führungstreffer durch Pizarro (29.) gab dem Spiel wohl die Wende. "Es war wichtig, mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen", weiß Meier.

Trost brauchte bei der Eintracht nur einer: Stürmer Haris Seferovic. Der hatte zwar Florian Grillitsch den Ball vor dem entscheidenden 2:1 abgeluchst und Aigner bedient, aber der Schweizer Nationalmittelstürmer scheiterte danach auch vier Mal frei vor Werders Torwart Felix Wiedwald bei dem Versuch, das Ergebnis höher zu schrauben. "Ich hätte drei Tore machen müssen, aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor rollen, Das Wichtigste aber ist, dass wir drei Punkte haben", erklärte Seferovic.

Strategiewechsel gibt Mut

Die Mannschaft von Eintracht Frankfurt hat "schlimme Wochen" (Veh) hinter sich, die nicht spurlos an Mannschaft und Trainer vorbeigegangen sind. Die Eintracht gewann nur vier von 17 Spielen dieser Vorrunde - gegen Bremen auch wieder mit einer offensiven Ausrichtung. Zuletzt hatte Veh entgegen seinem Naturell der Mannschaft ja eine defensive Spielweise verordnet, seine Spieler nach der Niederlage gegen Darmstadt öffentlich in den Senkel gestellt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert und den Profis ein Interviewverbot erteilt. "Mit dem ganzen Defensivmist haben wir ja auch nichts gewonnen", begründete Veh seinen erneuten Strategiewechsel gegen Bremen. Der Sieg gibt nun Mut im Abstiegskampf.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter