Präsentiert den tausenden Eintracht-Fans das Objekt der Begierde: Frankfurts "Fußballgott" Alex Meier - © gettyimages / Christof Koepsel/Bongarts
Präsentiert den tausenden Eintracht-Fans das Objekt der Begierde: Frankfurts "Fußballgott" Alex Meier - © gettyimages / Christof Koepsel/Bongarts
Bundesliga

Frankfurt feiert die Pokalhelden um Niko Kovac - und will "die Bankentürme zum Wackeln" bringen

Frankfurt/Berlin - Eintracht Frankfurt hat sich nach 30 Jahren wieder zum DFB-Pokalsieger gekürt. In Berlin und Frankfurt herrschte nach dem überraschenden 3:1-Erfolg gegen den FC Bayern München Ausnahmezustand - der gefeierte Held an diesem Wochenende war vor allem der scheidende Trainer Niko Kovac, der die SGE mit dem Titel im Gepäck zum Finalgegner verlassen wird.

Die feuchtfröhliche Pokalparty vor dem Brandenburger Tor war bereits in vollem Gange, als Niko Kovac der jubelnden Fanschar noch einmal die ersehnte Trophäe entgegenreckte. Beseelt vom ersten Titel seit 30 Jahren lauschte der Erfolgstrainer von Eintracht Frankfurt den Gesängen, die Berlin auch weit nach Mitternacht erfüllten - seine feuchten Augen zeugten von größter Überwältigung. "Ihr habt immer zu uns gehalten", schrie Kovac vom Balkon aus der Menge zu: "Ich freue mich, Teil eurer Geschichte zu sein!"

>>> Niko Kovac im Interview: "Ein Titel für unsere tollen Fans"

Spätestens in diesem Moment waren all die Anfeindungen und Beschimpfungen vergessen, die der 46-Jährige in den vergangenen Wochen wegen seines bevorstehenden Wechsels zu Bayern München hatte ertragen müssen. Die Anhänger feierten Kovac - und der genoss. Es war das filmreife Ende einer (größtenteils) wundervollen Ehe.

SGE-Sportdirektor Bruno Hübner (r.) genießt mit Eintracht Frankfurts Trainer Niko Kovac die Triumphfahrt durch die Stadt mit dem DFB-Pokal - © imago / Jan Huebner

Kovac: "Das alles wird immer in meinem Herzen bleiben"

"Irgendwann im Leben kommen Situationen, die nicht ganz einfach sind", sagte Kovac. Sein sensationeller 3:1 (1:0)-Triumph im Endspiel des DFB-Pokals gegen die scheinbar übermächtigen Bayern war so ein Moment, und der ging dem emotionalen Trainer sichtlich nahe. "Ich bin zwar weg, aber ich werde den Klub nie vergessen. Das alles wird immer in meinem Herzen bleiben."

>>> Ante Rebic: Die umwerfende "Wuchtbrumme" als Eintracht-Glücksfall

Kovac, der eine lebenslange Mitgliedschaft im Verein besitzt, meinte die Rettung in der Relegation vor zwei Jahren, die er nach einer kurzen Eingewöhnungsphase im kniffligen Umfeld am Main erreicht hatte. Er meinte ebenso die unglückliche Pokalniederlage im Vorjahr an gleicher Stelle, die den Verein noch enger zusammenrücken ließ. Und natürlich den großen Schlusspunkt am Samstag, der bis um 6.30 Uhr mit kalten Getränken aus dem goldenen Pokal gefeiert wurde.

15.000 Fans von Eintracht Frankfurt auf dem prall gefüllten Römer feiern den DFB-Pokalsieger 2018 - © gettyimages / Christof Koepsel/Bongarts

"Ich bin zwar weg, aber ich werde den Klub nie vergessen. Niko Kovac (Trainer Eintracht Frankfurt)

- © gettyimages / Andreas Schlichter/Bongarts

Tausende Fans feiern ihre Eintracht-Helden

Am Sonntagnachmittag folgte dann Teil zwei der Feierlichkeiten. Mit etwas Verspätung landete der Sonderflieger mit dem riesigen Eintracht-Logo um 16.16 Uhr in Frankfurt. In einem Autokorso ging es vom Flughafen zunächst weiter zum Römer, wo schon seit den Vormittagsstunden Tausende Fans auf ihre Pokalhelden warteten.

>>> Spielbericht: Eintracht Frankfurt gewinnt gegen Bayern und ist DFB-Pokalsieger 2018

Bereits Stunden zuvor war das Gelände vor dem Rathaus überfüllt. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt erreichte die Party noch einmal einen Höhepunkt. Mit "Niko Kovac"-Sprechchören feierten die rund 15.000 Fans ihren scheidenden Trainer.

Lob auch vom Finalgegner Bayern München

Denn inmitten aller Feierlichkeiten stand zu Recht Kovac. "Der Erfolg gehört zu 90 Prozent ihm. Er ist jeden Tag zu 100 Prozent ein Vollprofi", schwärmte der gebürtige Berliner Kevin-Prince Boateng: "Seine Ansprache hat uns wieder auf den Punkt motiviert."

Aber nicht nur die war gegen ratlose Münchner das Erfolgsgeheimnis der Eintracht, die unter Kovac somit nur eines von 14 (!) K.o.-Spielen verloren haben. Auch die Spielweise der cleveren Frankfurter belegte Kovac' taktische Fähigkeiten, von denen künftig der Rekordmeister profitieren wird. "Niko hat das Team perfekt eingestellt und die richtigen Knöpfe gedrückt", lobte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

"Wir haben uns den Sieg durch ehrliche Arbeit verdient. Nun ist alles erlaubt, wir werden die Bankentürme zum Wackeln bringen." Fredi Bobic (Sportvorstand Eintracht Frankfurt)

Bobic: "Wir werden die Bankentürme zum Wackeln bringen"

"Das wird eine längere Woche", mutmaßte auch Offensivspieler Marius Wolf. Und Bobic, der "frühestens ab Mittwoch" wieder zum Alltag übergehen wollte, warnte sicherheitshalber die Frankfurter Bürger vor: "Wir haben uns den Sieg durch ehrliche Arbeit verdient. Nun ist alles erlaubt, wir werden die Bankentürme zum Wackeln bringen."

sid