Braunschweig - Schockstarre in Braunschweig? Nur für kurze Zeit. Nach dem unglücklichen 0:1 gegen Augsburg in der Nachspielzeit waren Trainer und Spieler schnell wieder zuversichtlich, dass es mit dem Relegationsplatz nach dem 34. Spieltag reichen könnte.

Und das, obwohl die Löwen leichtfertig den Sprung auf den Relegationsplatz vergaben. Hoffnung macht der Eintracht jetzt nur noch der Glaube an die eigene Stärke. Auf Schützenhilfe sind sie allerdings endgültig angewiesen.

Aufbauarbeit nach dem Schlusspfiff

Trainer Torsten Lieberknecht betrieb direkt nach der kuriosen Schlussphase Aufbauarbeit. "Er hat mir gesagt, dass alles noch drin ist. Da war meine Laune gleich schlagartig besser", sagt Mittelfeldspieler Mirko Boland, "trotzdem war das eine sehr bittere Niederlage. Es bringt jetzt aber nichts, den Kopf hängen zu lassen."

Die Braunschweiger bleiben auch nach dem 33. Spieltag Tabellenletzter, die Mitkonkurrenten HSV und der 1. FC Nürnberg verloren ihre Spiele ebenfalls. Viel Hoffnung macht ein Blick auf die Statistik nicht. Die Eintracht verlor das vierte Spiel hintereinander. Eine längere Niederlagenserie gab es in dieser Saison noch nicht. Auswärts errang die Eintracht erst einen Sieg (in Wolfsburg). "Der zweite folgt dann in Hoffenheim", gab sich Boland trotzig.

Khelifi fast mit Traumeinstand

Gleich zu Beginn hatte Stürmer Domi Kumbela eine gute Chance, doch er verpasste per Kopf haarscharf die Flanke von Teamkamerad Karim Bellarabi. Der Braunschweiger Offensivstar blieb vor der Pause ohne Torschuss, in der zweiten Hälfte war er mit vier Torschüssen der gefährlichste Spieler. Nach seiner Chance kam lange Zeit nichts mehr von den Gastgebern, denen man die Nervosität anmerken konnte. "Wir hatten in der ersten Halbzeit zu viele Fehler im Passspiel und haben den Augsburgern zu viele Kontermöglichkeiten geschenkt. Im zweiten Durchgang waren wir dann in der Offensive gefährlicher", resümierte Boland.

In der 89. Minute hatte dann der eingewechselte Salim Khelifi seinen großen Auftritt, doch seinen Volleyschuss wehrte Augsburg-Keeper Marvin Hitz sensationell ab. In der Nachspielzeit lupfte der ebenfalls eingewechselte FCA-Stürmer Raul Bobadilla den Ball zum 0:1 über Torwart Daniel Davari in die Maschen. "Es war Totenstille im Stadion nach dem 0:1. Wir glauben aber weiterhin an das Wunder", beteuert Rechtsverteidiger Benjamin Kessel. 

Kessel: "Eine Patrone haben wir noch"

"Ein Remis hätte an unserer Situation nichts geändert. Wir wollten unbedingt gewinnen. Es war uns egal, wie es auf den anderen Plätzen stand", erklärte Boland. In der Tat ist die Situation für die Braunschweiger exakt so wie vor dem 33. Spieltag. Die Chancen schwinden, doch das Wort aufgeben scheint es im Vokabular der Braunschweiger nicht zu geben. "Wir sind heute noch nicht abgestiegen, das ist die gute Nachricht", erklärt Trainer Lieberknecht, "und wir haben es jetzt nicht mehr in der eigener Hand."

Abwehrspieler Marcel Correia glaubt auch weiterhin an den Klassenerhalt und denkt an die Worte seines Coaches: "Er hat schon seit langem gesagt, dass uns der Sprung auf den Relegationsplatz am letzten Spieltag gelingen wird, vielleicht wird es ja wirklich so sein." Etwas martialischer drückte sich Abwehrkollege Kessel aus. "Eine Patrone haben wir noch und die muss jetzt aber sitzen."

"Die Entwicklung spricht für uns"

Mit der schlechtesten Ausgangsposition fahren die Braunschweiger am kommenden Samstag nach Hoffenheim. Doch noch haben die Löwen die Hoffnung nicht aufgegeben. "An letzten Spieltagen ist schon viel passiert. In der Vergangenheit haben wir mit der Eintracht gute Erfahrung gemacht", erinnert sich Boland.

Sein Trainer ist ebenfalls noch von einer Rettung überzeugt: "So romantisch es auch klingen mag. Wir hätten den Klassenerhalt von allen Teams am meisten verdient. Die Entwicklung spricht für uns. Der ganze Verein glaubt an das Wunder." 

Aus Braunschweig berichtet Alexander Barklage