München - Vier Trainer gaben am 18. Spieltag ihr Bundesliga-Debüt bei ihren neuen Clubs. Dieter Hecking, Jens Keller, Marco Kurz und Michael Wiesinger. Und die "neuen Besen" kehrten zum Einstand richtig gut, alle vier punkteten zum Rückrundenauftakt. Doch was hat das Quartett genau geändert? Wo haben sich die Mannschaften verbessert? Und was gibt es noch zu tun?

bundesliga.de beleuchtet die Entwicklung der Clubs unter den neuen Übungsleitern.

Keller: Vorne top, hinten hapert's

Nach dem Schalker Pokal-Aus gegen Mainz 05 und der 0:5-Klatsche in der Vorbereitung gegen Bayern München stand Jens Keller bereits heftig in der Kritik. Doch nach dem haben sich die Wogen wieder etwas geglättet - und es können erste Schlüsse gezogen werden. Taktisch ließ er im Vergleich zu Vorgänger Huub Stevens alles beim Alten. Schalke lief im 4-2-3-1-System auf - ohne den gesperrten Klaas-Jan Huntelaar im Sturmzentrum. Ansonsten gab es keine personellen Überraschungen. Erstmals in der laufenden Saison erzielten die "Knappen" fünf Treffer in einem Spiel. Und S04 war effizient: Für fünf Buden benötigten Ciprian Marica und Co. nur 13 Torschüsse. Arbeiten muss Keller noch an der Defensive. Denn: Erstmals in der laufenden Spielzeit kassierten die Gelsenkirchener vier Gegentreffer in einem Spiel - alle nach der Pause. Die zweite Hälfte ist generell eine Schwachstelle von S04. 16 der 25 Gegentore fielen ab der 46. Minute. Doch durch den Erfolg über 96 sind die "Königsblauen" wieder auf einen internationalen Platz vorgerückt. Damit das so bleibt, muss man das Passspiel wieder sicherer gestalten. Gegen Hannover lag die Fehlpassquote bei 24 Prozent, der Saisondurchschnitt liegt bei 17 Prozent.

Hecking: Altes System, neues Personal, höhere Effizienz

Das Pflichtspiel-Debüt von Dieter Hecking als Nachfolger von Lorenz-Günther Köstner verlief vielversprechend. Wolfsburg besiegte . Der neue Coach setzte dabei auf das bewährte 4-2-3-1-System, aber auf neues Personal. In der Innenverteidigung durfte Alexander Madlung für den gesperrten Naldo ran, vor der Abwehr Christian Träsch für Josue (Rotsperre). Neuzugang Ivan Perisic ersetzte Makoto Hasebe auf dem rechten Flügel, Ricardo Rodriguez wirbelte auf der Gegenseite und Ivica Olic vertrat den angeschlagenen Bas Dost im Sturmzentrum. Der VfL spielte zuhause in dieser Saison erstmals zu Null. Effizient: Zwar erspielten sich die Niedersachsen nur acht Torschüsse, zwei davon verwerteten sie aber gleich. Dadurch sprangen die "Wölfe" auf Rang 13 und gehen mit frischem Wind ins Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96, dem ehemaligen Arbeitgeber Heckings. Im Hinspiel triumphierten die "Roten" mit 4:0. Es gibt also noch eine Rechnung zu begleichen.

Wiesinger: Ohne Kiyotake angefangen, dann zurückgekommen

"Club"-Coach Michael Wiesinger sorgte mit der Aufstellung gegen den Hamburger SV für einen Paukenschlag. Hiroshi Kiyotake und Markus Feulner fanden sich lediglich auf der Bank wieder. Robert Mak spielte für den Japaner, Almog Cohen im defensiven Mittelfeld. Als Stoßstürmer im 4-2-3-1-System schenkte Wiesinger Tomas Pekhart das Vertrauen, während Vorgänger Dieter Hecking zuletzt Sebastian Polter aufbot. Und diese Maßnahme sollte sich auszahlen, Pekhart rettete mit seinem Treffer zum 1:1, dem ersten seit dem 2. Spieltag, den Punktgewinn. Die Moral stimmte, die Franken punkteten erst zum zweiten Mal nach einem 0:1-Rückstand (nach dem Remis gegen den FC Bayern München) und das beinahe ohne Fouls. Nur neun Mal musste der Schiedsrichter das Spiel wegen Regelverstößen des FCN unterbrechen - der geringste Wert in der laufenden Saison. Arbeit hat der neue Trainer noch mit der Passgenauigkeit. Gegen die Hanseaten lag die Fehlpassquote bei 30 Prozent. Das muss unbedingt besser werden, denn am kommenden Wochenende geht es zu Borussia Dortmund.

Kurz: Wiese zurück - und die Null steht

1899 Hoffenheim entschied sich in der Winterpause für den im Abstiegskampf erprobten Ex-FCK-Coach Marco Kurz. Gegen . Kurz ließ seine Elf im 4-2-3-1-System antreten. Tim Wiese ist nach überstandener Verletzung zwar kein Kapitän mehr - Andreas Beck erhielt die Binde zurück - aber wieder die Nummer 1 und spielte erstmals in der laufenden Spielzeit zu Null. Für 1899 war es das dritte Spiel ohne Gegentor. In der Innenverteidigung setzte der neue Coach auf den wiedergenesenen Jannik Vestergaard. Im Sturmzentrum durfte Eren Derdiyok ran, Joselu musste dafür weichen. Obwohl die TSG nur 35 Prozent Ballbesitz hatte, spielte sie nicht rein defensiv. So standen am Ende 16 Torschüsse und acht Ecken zu Buche. Besonders über die Zweikampfstärke (58 Prozent der Duelle gewonnen), kam die Kurz-Elf ins Spiel, ohne dabei jedoch unfair zu agieren, wie lediglich zehn Fouls belegen. Zu verbessern ist noch die Zielstrebigkeit vor dem Tor, denn gegen die "Fohlen" erspielte man sich keine einzige Großchance. Am kommenden Wochenende geht es nun zu Eintracht Frankfurt - das Hinspiel gewann der Aufsteiger mit 4:0.

Christoph Gailer