Köln - Harte Arbeit lohnt sich - eine Binsenweisheit, die im Ruhrgebiet wohl deutlicher zu spüren ist als sonst irgendwo in Deutschland. Doch an zwei Tagen im Jahr ruht die Arbeit in der "Wiege der Maloche". Wenn das Revier-Derby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund steigt, steht die Region zwischen Duisburg und Hamm still. Die einzigen, die sich dann so richtig reinhängen müssen, sind die Profis der beiden Clubs. Von ihnen wird nicht weniger als 1.000-prozentige Leistungsbereitschaft verlangt, um mit dem regional wohl beliebtesten Titel ausgezeichnet zu werden: Derby-Sieger!

Dementsprechend motiviert gingen die Akteure auch zur Sache, wobei man im Nachhinein sagen muss, dass es den Spielern des Deutschen Meisters etwas besser gelungen ist, die Vorgaben ihres Trainers umzusetzen. Der BVB legte mit der siebtstärksten Laufleistung des Spieltags (117,5 km) den Grundstein zum 2:0-Erfolg gegen überrumpelt wirkende "Knappen" (111,2 km).

Mit "Doppel-Sechs-Motor" zum Derby-Erfolg

Angetrieben von ihren beiden "Sechsern" Moritz Leitner (12,7 km, Platz 5) und Sebastian Kehl (12 km) spielten sich die Borussen ein deutliches Übergewicht in Sachen Torschüsse heraus (17:3), obwohl sie weniger Ballbesitz (48,6 Prozent) und eine schlechtere Zweikampfquote (45,7 Prozent) verbuchten als die "Königsblauen".

Neben Leitner und Kehl, die gemeinsam 91 der insgesamt 357 Pässe spielten, lieferten auch die beiden Stürmer, Robert Lewandowski und Lucas Barrios, eine starke Partie ab. Barrios, der erstmals in dieser Saison in der Startelf stand, kann drei Torschüsse, eine Torvorlage und 37 Prozent gewonnene Zweikämpfe vorweisen. Sogar noch einen Tick besser ist sein polnischer Team-Kollege. Die Nummer 9 des Meisters hatte ebenfalls drei Abschlüsse, von denen er einen in der 16. Minute zum 1:0 ins Schalker Tor einnickte. Dazu kommen 40,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe sowie sehr gute 11,54 Kilometer Laufstrecke!

Mainz überläuft die Bayern

"Mit wie viel Fleiß wir agiert haben war stark", lobte Thomas Tuchel, Trainer des 1. FSV Mainz 05, seine Spieler nach dem Abpfiff der Partie gegen den FC Bayern München. Seine Profis hatten Tuchel in den 90 Minuten zuvor nämlich den bereits zweiten "Dreier" im dritten Aufeinandertreffen mit dem Rekordmeister beschert. Dabei gingen die Rheinhessen hochmotiviert in die Begegnung mit den Isarstädtern, was sich in der beeindrucken Laufleistung widerspiegelt. 120,2 Kilometer (3. Platz) sammelten die Mainzer - 5.600 Meter mehr als die Münchener.

Besonders engagiert war Julian Baumgartlinger (Zweiter), der mit 13,2 km ausdauerndster 05er war. Darüber hinaus glänzte der Österreicher mit einer Passquote von 79,4 Prozent sowie einer Zweikampfbilanz von 58,3 Prozent. Besonders schnell war sein Mannschaftskollege auf der rechten Abwehrseite. Zdenek Pospech verschärfte 17 Mal das Tempo und stellte dabei mit 33,8 km/h die Höchstgeschwindigkeit des Spieltags auf.

Bremer "Pferdelungen"

Gut drei Mal so schnell wie Pospech war der Ball (108 km/h) im Bremer Weser-Stadion, den Naldo per Freistoß zum 2:0 gegen den VfB Stuttgart in die Maschen geschweißt hat. An diesem Ergebnis sollte sich dann trotz aller Bemühungen der Schwaben auch nichts mehr ändern. Dabei hätten die Gäste angesichts ihres Einsatzes eigentlich einen Punkt verdient gehabt. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia sprintete mit Abstand am häufigsten (234 Mal) und legte beeindruckende 124,1 Kilometer zurück (Rang 2). Doch Bremen hatte noch ein bisschen mehr zu bieten.

Die Hanseaten traten zwar "nur" 193 Mal aufs Gaspedal (3. Platz), liefen dafür an diesem 14. Spieltag aber die gesamte Konkurrenz in Grund und Boden: 130,3 Kilometer legten die 14 eingesetzten "Grün-Weißen" zurück - so viel wie kein anderer Club. Dabei ackerten drei Mittelfeldspieler ohne Pause. Philipp Bargfrede (13,5 km, Erster), Kapitän Clemens Fritz (13,2 km, Zweiter) und Aaron Hunt (13,1 km, Vierter) fraßen am meisten Gras in der "Schaaf-Herde". Letzterer legte mit seinem Treffer zur 1:0-Führung übrigens den Grundstein zum Bremer Erfolg - und wurde somit sogar doppelt für seine harte Arbeit belohnt.

Gregor Nentwig