Zwei Siege, drei neue Top-Spieler - besser hätte die Woche für den Hamburger SV nicht laufen können.

Die Paukenschläge auf dem Transfermarkt mit den Verteidigern Alex Silva (FC Sao Paulo) und Marcell Jansen (FC Bayern München) sowie Spielmacher Thiago Neves (Fluminense Rio de Janeiro) toppte der HSV am Samstag mit einer furiosen Partie beim 4:2 (1:2) bei Arminia Bielefeld.

Und das, obwohl die Mannschaft von Trainer Martin Jol zwischenzeitlich mit 0:2 zurücklag. Mit dem Sieg stießen die Norddeutschen in die Bundesliga-Spitzengruppe vor.

Potenzial ist vorhanden

Damit lässt der Traditionsclub seine Fans von einer erfolgreichen Saison träumen, denn nach der Länderspielpause werden nach Nationalspieler Marcell Jansen die beiden neuen Brasilianer Alex Silva und Thiago Neves an der Elbe erwartet.

"Dass hier Potenzial vorhanden ist, das ist klar", sagte Jansen, der drei Tage nach seiner Verpflichtung gleich sein Debüt im HSV-Trikot feierte. Dabei hatte der Ex-Münchner noch gar nicht mit seinem Einsatz in Bielefeld gerechnet.

Jansen vergisst Fußball-Schuhe

"Für mich waren es sehr kuriose drei Tage, sehr stressig. Das Einzige, was ich am Mittwoch wusste, war, dass ich am Donnerstagmorgen ganz früh zur sportmedizinischen Untersuchung nach Hamburg fliege. Der Trainer hat dann gesagt, dass ich gleich nach Bielefeld mitkomme", sagte Jansen, der in dem ganzen Transfertrubel seine Fußball-Schuhe nicht eingepackt hatte.

Doch auch diese Herausforderung meisterte der HSV und ließ die Treter einfach vom Video-Mann des Teams in München abholen.

Zum dritten Mal eine erfolgreiche Aufholjagd

Dass Jansen zu Beginn der Partie noch ein wenig Eingewöhnungszeit brauchte, war logisch. Allerdings nahmen auch seine neuen Mitspieler zunächst noch eine "Auszeit", was die frechen Bielefelder durch Christopher Katongo (9.) und den vierten Saisontreffer von Artur Wichniarek (37.) zur 2:0-Führung nutzten.

"Da haben wir uns blöd angestellt", monierte Trainer Martin Jol, der danach aber zum dritten Mal im dritten Saisonspiel eine erfolgreiche Aufholjagd sah.

Abwehrmann Reinhardt trifft gegen Ex-Club doppelt

Zunächst sorgte ausgerechnet Abwehrrecke Bastian Reinhardt, der seinen bisher letzten "Doppelpack" vor sieben Jahren in der 2. Bundesliga noch im Trikot von Arminia Bielefeld erzielt hatte, für den Ausgleich (40. und 50.).

"Unsere Qualität vorne ist so gut, dass wir einfach unsere Tore machen", sagte der neue niederländische Coach zu den Treffern von Ivica Olic (64.) und David Jarolim (77.).

"Ich hoffe, dass wir irgendwann auch mal in Führung gehen", erklärte Torhüter Frank Rost: "Denn wir wissen, dass wir so einen Kraftakt nicht jedes Mal bringen können." Vielleicht klappt das ja mit Thiago Neves, der zeitgleich zum Sieg seiner neuen Kollegen im Flieger Richtung Deutschland saß.

Für Beckenbauer Bayern-Jäger Nummer eins

Nach den Abgängen von Rafael van der Vaart (Real Madrid) und Vincent Kompany (Manchester City) hat der HSV die Lücken geschlossen. Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer reinvestierte in Rekordtempo.

Es wird natürlich noch einige Zeit dauern, bis sich die "Neuen" in Hamburg eingelebt und eingespielt haben. Aber danach könnten für den Hamburger SV goldene Zeiten beginnen. Das sieht auch die Konkurrenz so. Für FCB-Präsident Franz Beckenbauer sind die Hanseaten die Bayern-Jäger Nummer eins.