Im Interview mit bundesliga.de spricht Bochums Stürmer Sinan Kaloglu über seine Tore, über Reaktionen aus der Heimat und über Einladungen zum Abendessen.

bundesliga.de: Ein Tor gegen Bayer Leverkusen, jetzt ein weiteres gegen Bayern München. Sind Sie in der Bundesliga nun endgültig angekommen?

Sinan Kaloglu: Ich denke ja. Zu Beginn hatte ich etwas Probleme, mich umzustellen und hatte Nachholbedarf. Außerdem legt der Trainer sehr viel Wert auf absolute Fitness. Jetzt bin ich soweit, und kann zeigen, was in mir steckt.

bundesliga.de: Ihr Tor gegen Bayern München hat auch in der Heimat für Aufsehen gesorgt. Sie haben außerdem noch zwei Tore vorbereitet. Wie fielen die Reaktionen aus, die Sie persönlich erreicht haben?

Kaloglu: Meine Familie und Freunde haben sich sehr gefreut und auch aus meiner Heimat habe ich viel Lob gehört. Doch es hätte mich noch mehr gefreut, wenn wir drei Punkte mitgenommen hätten, denn auch das war möglich.

bundesliga.de: Sie gelten in der Türkei als Fenerbahce-Schreck, weil Sie nach Belieben gegen "Fener" getroffen haben, u.a. sogar drei Mal in einem Spiel. Haben Sie das Gleiche nun auch mit dem FC Bayern vor?

Kaloglu: Tore gegen große Mannschaften sind natürlich etwas ganz besonderes, aber für mich zählt am Ende nur der Erfolg des Teams. Wenn ich im nächsten Spiel gegen die Bayern wieder treffe, dann freut mich das sehr, aber nur, wenn auch der VfL siegreich ist.

bundesliga.de: Sie galten als eines der größten Sturmtalente in der Türkei, spielten sich bei Besiktas bis in die Nationalmannschaft und bewiesen ihre Torgefahr auch in Manisa, Diyarbakir und Bursa. Wie schätzen Sie Ihre aktuelle Entwicklung ein?

Kaloglu: Wenn ich weiter in der Bundesliga gute Leistung zeige, dann denke ich schon, dass die türkische Nationalmannschaft wieder ein Thema wird. Gerade taktisch bringt mich die Arbeit beim VfL und mit Marcel Koller weiter und ich fühle mich so gut wie noch nie zuvor.

bundesliga.de: Der VfL Bochum hat in den vergangenen Jahren immer wieder interessante Offensivspieler hervorgebracht. Theofanis Gekas spielte sich vor zwei Jahren ins Rampenlicht, vergangene Saison war es Ihr Mitspieler Stanislav Sestak. Sind Sie der nächste aus dieser Reihe?

Kaloglu: Ja, der VfL hat viele große Torjäger gehabt und wenn ich in vielen Jahren zurückblicke, möchte ich gern dazugehören, aber jetzt habe ich erst einmal nur zwei Tore geschossen. Wir haben unsere Ziele noch lange nicht erreicht und wollen weiter Spiel für Spiel ins Auge fassen und gewinnen. Dabei will ich mithelfen.

bundesliga.de: Wie groß war die Umstellung von der türkischen Süperlig zur Bundesliga?

Kaloglu: In der Bundesliga wird kraftvoller gespielt und das Spiel ist taktischer geprägt. Es geht ständig hin und her und man hat kaum Zeit, mal zuverschnaufen. Außerdem musst du als Stürmer viel mehr defensiv arbeiten.

bundesliga.de: Was zeichnet die Bundesliga aus?

Kaloglu: Die tollen Stadien, die professionelle Struktur und die fanatischen aber friedlichen Fans. Auch in meiner Heimat sind die Fans absolut fanatisch und stehen wie ein Mann hinter ihrer Mannschaft. Hier in Deutschland sind sie das auch, nur weniger temperamentvoll.

bundesliga.de: Abschließend: Die Ankunft eines türkischen Spielers in Deutschland erfreut vor allem die zahlreichen Türken hierzulande. Die Einladungen zum Abendessen dürften ins Unermessliche steigen, oder?

Kaloglu: Einkaufen gehen müsste ich, wenn ich wollte, nicht. Ja, meine Landsleute hier in Deutschland haben mich sehr gut aufgenommen und in ihr Herz geschlossen. Ich möchte dies mit guter Leistung und Toren gern zurückgeben.

Das Gespräch führte Fatih Demireli

Hier geht es zum Porträt von Sinan Kaloglu