Der FC Schalke 04 hat nach einem 2:0-Sieg in Leverkusen und einer beeindruckenden Vorstellung die Tabellenführung übernommen. Mit zwei Punkten Vorsprung auf Bayern München gehen die "Knappen" in die kommende Woche und das Spitzenspiel gegen den Rekordmeister.

Matchwinner in der BayArena war Kevin Kuranyi, der beide Tore erzielte. Damit hat der Schalker Mittelstürmer bereits 17 Saisontreffer erzielt und seine bisherige persönliche Bestmarke (15 Tore) übertroffen. Nach langem Feiern mit den Schalker Fans spricht Kuranyi im Interview über den königsblauen Höhenflug.

Frage: Kevin Kuranyi, Glückwunsch zum Sieg und Ihren beiden Toren. Schalke hat in Leverkusen den Gegner über 90 Minuten total dominiert. War das die beste Saisonleistung?

Kevin Kuranyi: Wir haben als Mannschaft ein sehr gutes Spiel gezeigt, sehr ruhig gespielt. Und wir haben gezeigt, dass wir topfit und konditionell stark sind. Außerdem haben wir gezeigt, dass wir einen guten Fußball spielen können. Wir haben gut angefangen, zwei schnelle Tore geschossen und sind jetzt sehr zufrieden.

Frage: Es war sicher nicht damit zu rechnen, dass Schalke Leverkusen so dominieren könnte. War die Niederlage von Bayern München gegen Stuttgart zusätzliche Motivation?

Kuranyi: Natürlich haben wir das mitbekommen. Aber wir waren bereits motiviert auf dieses wichtige Spiel bei Bayer Leverkusen, das nur zwei Punkte hinter uns stand. Wir wussten, dass wir mit einem Sieg einen Schritt nach vorne machen. Das haben wir getan, so müssen wir weitermachen.

Frage: Nächste Woche kommt in der Bundesliga Bayern München zum Spitzenspiel. Fällt da eine Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen?

Kuranyi: Nein, wir haben wie gesagt einen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben jetzt drei sehr wichtige Punkte geholt. Unser Ziel bleibt immer noch, international zu spielen.

Frage: Schalke hat jetzt neun Punkte Vorsprung auf Platz 4. Da müsste doch das Ziel eigentlich Qualifikation für die Champions League lauten?

Kuranyi: Wir haben sehr viele Punkte geholt und stehen sehr gut da, was unser Saisonziel internationaler Wettbewerb betrifft. Schöner kann es nicht sein.

Frage: Ihr Trainer Felix Magath hat gesagt: Wenn wir Bayern schlagen, kommen wir um das Thema Meisterschaft nicht mehr herum.

Kuranyi: Wir haben gegen die Bayern aber noch nicht gespielt. Deswegen werden wir versuchen, uns voll auf diese Spiel zu konzentrieren, Gas geben, um das Spiel zu gewinnen. Und danach werden wir sehen, über was wir alles reden können.

Frage: Wie haben Sie das ganze Theater nach der Pokalniederlage unter der Woche gegen die Bayern verarbeitet?

Kuranyi: Wir konnten uns in Leverkusen nicht über den Platz beschweren. Da war alles okay.

Frage: Waren Sie überrascht, dass Sie nach den 120 Pokalminuten noch zulegen konnten?

Kuranyi: Ja, das war ich schon ein bisschen. Aber man merkt jetzt, dass wir in der Vorbereitung genau dafür gearbeitet haben. Das macht uns stark.

Frage: Der Bundestrainer saß in Leverkusen auf der Tribüne. Für Sie hätte es gar nicht besser laufen können?

Kuranyi: Ich habe alles für meine Mannschaft gegeben, meine Tore geschossen und meine Leistung gebracht. Mehr kann ich nicht entscheiden.

Frage: Aber Ihr Handy ist die ganze Zeit eingeschaltet?

Kuranyi: Das ist immer an.

Frage: Rechnen Sie denn noch mit dem Anruf des Bundestrainers in nächster Zeit?

Kuranyi: Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Ich habe gesagt, dass ich noch Hoffnung habe, aber ich kann das nicht entscheiden. Ich werde weiterkämpfen, um irgendwann einmal die Chance zu bekommen, zurückzukommen.

Frage: Sind Sie enttäuscht über die Haltung des Bundestrainers?

Kuranyi: Ich bin traurig.

Frage: Sie haben jetzt 17 Tore auf dem Konto und damit eine neue persönliche Bestmarke aufgestellt.

Kuranyi: Stimmt, jetzt bin ich der beste Kevin ...

Frage: ... aller Zeiten. Damit es nicht langweilig wird, müssten Sie sich jetzt neue Ziele setzen?

Kuranyi: Nein, ich habe mir keine neue Ziele gesetzt. Ich wollte unbedingt mehr als 15 Tore schießen, um zu zeigen, dass ich mich weiterentwickelt habe, dass ich besser geworden bin und für Schalke alles gebe. Jetzt kann man sagen, dass ich mir das alles gut erarbeitet habe. Ich fühle, dass ich derzeit die beste Zeit meiner Karriere durchlebe.

Frage: Ist Ihnen das 16. Tor schwieriger gefallen als damals Ihr 100. Bundesliga-Tor.

Kuranyi: Nein, es war wichtig, aber nicht schwieriger.

Frage: Haben Sie erstmals in Ihren langen Zeit auf Schalke mit den Fans auf dem Zaun gefeiert?

Kuranyi: Das war ein sehr schönes Gefühl, das ich mir hart erarbeitet habe. Ich habe mich nach den schwierigen Jahren sehr darüber gefreut. Das war einer der schönsten Tage seit ich auf Schalke bin. Die Fans waren wirklich glücklich. Da hat man gemerkt, dass sich Mannschaft und Fans gut verstehen und auch außerhalb des Platzes eine Unterstützung bekommen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski