Gelsenkirchen - Nein, Interviews sind nicht seine Sache. Ganz schnell flitzte Joel Matip nach dem 2:0-Sieg des FC Schalke 04 über Frankfurt an den Journalisten vorbei. Dabei könnte der 24-Jährige in diesen Tagen ganz entspannt und nicht ohne Stolz über seine Leistung plaudern: Als Abwehrchef hält er den Laden hinten zusammen und vorne wird er mit seinen Kopfballtoren immer mehr zur Waffe.

Lange Zeit hatte Gäste-Trainer Armin Veh in dieser Partie auf etwas Zählbares gehofft. Am Ende aber wusste auch der erfahrene Trainer der Eintracht, was letztlich der Knackpunkt für die Frankfurter Niederlage und den Sieg des FC Schalke 04 war. "Wir haben gut verteidigt, aber gerade bei Standards kann man nicht alles verhindern. Zumal Joel Matip ein richtig guter Kopfballspieler ist." Ecke Johannes Geis, Kopfball Matip – Tor. In der 76. Minute hatte das Duo so den Bann gebrochen und die Weichen für Königsblau Richtung Erfolg gestellt.

"Er ist brutal stark im Kopfballspiel"

Exakt so war es auch schon zehn Tage zuvor im jüngsten Heimspiel gegen Mainz. Ecke Geis, Kopfball Matip – Tor. Und auch beim ersten Spiel in der Europa League in Nikosia hatte der lange Kameruner für den Führungstreffer und damit den "Dosenöffner" gesorgt: Freistoß Geis, Kopfball Matip – Tor. Kein Wunder, dass Schalkes Standardspezialist Johannes Geis voll des Lobes ist für seinen torgefährlichen Mitspieler: "Ich muss die Ecken einfach nur reinbringen. Joel weiß einfach, wie ich den Ball schlage. Und ich weiß, wenn ich ihn treffe, dann ist er brutal stark im Kopfballspiel."

Tatsächlich entwickelt sich der Innenverteidiger immer mehr zu einer Waffe im gegnerischen Strafraum. Drei Treffer in acht Pflichtspielen können sich in dieser Saison sehen lassen, zumal der 24-Jährige auch noch drei Assists auf seinem Konto hat. Zuvor waren es in insgesamt 220 Partien in Bundesliga, DFB-Pokal und Europacup 20 Tore. Und ganz nebenbei hat Schalkes Nummer 32 nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Benedikt Höwedes in seiner Kernkompetenz, der Defensivarbeit, auch noch den Job als Abwehrchef übernommen - erst an der Seite von Matija Nastasic, dann als Nebenmann von Roman Neustädter.

Heimatverbundener Abwehrchef

Schon am ersten Spieltag hatte Joel Matip beim 3:0-Sieg in Bremen gezeigt, dass er dieser Spielzeit seinen Stempel aufdrücken will. Mit zwei Vorlagen und zahlreichen Rettungsaktionen gegen die Bremer Offensivabteilung hatte er maßgeblichen Anteil am geglückten Saisonauftakt. Und entsprechend froh war und ist man auf Schalke, dass Matip sich im Sommer nicht für einen anderen Club entschieden hat.

Der Mann, der aufgrund seiner zurückhaltenden, unauffälligen Art auch im eigenen Clubumfeld gerne mal unterschätzt wird, hatte vor allem englische Clubs aus der Premier League auf sich aufmerksam gemacht und mit einem Wechsel zumindest kokettiert: "Einmal ins Ausland zu gehen, reizt natürlich als Herausforderung und neues Erlebnis." Aber irgendwie ist dieser Matip, der seit dem Jahr 2000 auf Schalke spielt, eben auch ein sehr bodenständiger, heimatverbundener Typ. Und die Knappen möchten das Eigengewächs nur zu gern auch über das Vertragsende 2016 hinaus in ihren Reihen halten. "Das Interesse von beiden Seiten ist da. Man kann sich eine Verlängerung sehr, sehr gut vorstellen", hat Sportdirektor Horst Heldt verkündet.

Joel Matip weiß, was er an Schalke hat. Und Schalke wiederum weiß, was es an seinem Abwehrspieler hat. Vor allem, wenn er seine 195 Zentimeter Körpergröße weiter so effektiv bei Kopfbällen im gegnerischen Strafraum zur Geltung bringt und damit nicht unerheblichen Anteil daran hat, dass die Königsblauen sich nach sechs Spieltagen sogar schon auf Rang drei der Tabelle vorgeschoben haben. Wie sagte doch Johannes Geis nach dem Sieg über Frankfurt? "Es passt einfach im Moment. Er kann die Dinger gerne weiter reinnicken da vorne."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte