Hannover - Mit fünf Jahren wurden Ron-Robert Zieler erstmals seine Fußballschuhe beim SCB Victoria Köln geschnürt - damals noch als Feldspieler. Als der etatmäßige Torwart ausfiel wurde Zieler ins Tor gestellt - und hat es nie wieder verlassen.

Bereits im Alter von sechs Jahren angelte sich der 1. FC Köln den jungen Torhüter. Bis zur B-Jugend spielte er bei den "Geißböcken", wo sein Talent den Spähern aus ganz Europa nicht verborgen blieb. 2005 wechselte Zieler im Alter von 16 Jahren zu Manchester United.

Mit der U 19 wurde Zieler 2008 Europameister. Zwei Jahre später holte Mirko Slomka den am 12. Februar 22 Jahre alt gewordenen Torwart an die Leine, wo er in der Winterpause Stammtorwart Florian Fromlowitz ablöst. Nicht zum ersten Mal musste unter Slomka ein renommierter Keeper einem "Jungspund" weichen. Bei Schalke 04 verdrängte Manuel Neuer Frank Rost aus dem Tor. Heute ist Neuer Nationaltorwart.

"Die Mannschaft vertraut ihm"

"Natürlich hat er in allen Belangen noch viel Luft nach oben. Das ist für einen jungen Torwart ganz normal. Er ist reaktionsschnell, bleibt in Mann-gegen-Mann-Situationen lange stehen und spielt hervorragend mit", beschreibt Slomka auf Nachfrage von bundesliga.de seinen Schützling Zieler. "Er hat sehr viele Ballkontakte. Die Mannschaft vertraut ihm."

Da beweist nicht nur die Statistik aus dem Spiel der "Roten" gegen den FC Bayern. Kein Hannoveraner hatte so viel Ballkontakte wie der Torwart - und das lag nicht an den nur sechs Torschüssen, die die Abwehr dem deutschen Rekordmeister erlaubte.

Zieler beschreibt seine bisher acht Bundesligaspiele in einem Gespräch mit bundesliga.de als "sehr aufregende Zeit". Mit einem Höhepunkt am kommenden Freitag. Da gibt es ein Wiedersehen mit Ex-Club 1. FC Köln.

bundesliga.de: Herr Zieler, seit Beginn der Rückrunde stehen Sie im Tor von Hannover 96. Wie beurteilen Sie die acht Wochen?

Ron-Robert Zieler: Es war eine sehr aufregende Zeit, und es macht natürlich Spaß, in so einer erfolgreichen Mannschaft zu spielen.

bundesliga.de: Am Freitag geht's zu ihrem Ex-Club 1. FC Köln. Ein besonderes Spiel?

Zieler: Auf jeden Fall. Ich freu' mich darauf, ins neue Stadion einzulaufen. Das war damals im Umbau als ich nach Manchester ging. Außerdem sind meine ganze Familie und viele Freunde da. Das ist für mich schon ein besonderes Gefühl.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von dem Spiel?

Zieler: Köln hat nach fünf Heimsiegen in Folge natürlich großes Selbstvertrauen. Aber das haben wir auch. Wir wollen gewinnen.

bundesliga.de: Wem wird die Familie die Daumen drücken?

Zieler (lacht): Ich hoffe doch mir. Aber meine Freunde haben mir schon viel Glück gewünscht, aber die Punkte sollen natürlich in Köln bleiben.

bundesliga.de: Standen Sie früher, wie ihr Schalker Kollege Manuel Neuer, in der Fankurve?

Zieler: In der Kurve nicht. Aber als Jugendspieler hatten wir natürlich Eintrittskarten. Da hab' ich mit dem FC gefiebert.

bundesliga.de: Sie scheinen ja ein echter "kölsche Jong" zu sein. Haben Sie Karneval vermisst?

Zieler: Der Sieg gegen Bayern hat den verpassten Karneval mehr als gutgemacht.

bundesliga.de: War es für Sie ein besonderes Spiel gegen Superstars wie Arjen Robben oder Franck Ribery?

Zieler: Angespannt bin ich vor jedem Spiel. Das ist normal. Aber es ware nicht anders als ein Spiel gegen andere Gegner. Vielleicht weil ich bei ManU auch täglich mit Stars wie Wayne Rooney trainiert habe.

bundesliga.de: Sie sind ein Torhüter der neuen Generation, die nach Änderung der Rückpassregel großgeworden ist, und gelten als "mitspielender" Torwart. Wo sehen Sie bei sich noch Verbesserungsbedarf?

Zieler: Das dürfen Sie mich nicht fragen. Ich merke von Spiel zu Spiel, dass ich mich verbessere. Bundesliga ist halt doch was anderes als Regionalliga. Ich werde sicher in jedem Bereich dazulernen und mehr Routine und Konstanz bekommen. Die Erfahrung wächst bei Torhütern ja mit dem Alter.

bundesliga.de: Deutschland war und ist immer mit guten Torhütern gesegnet. In England sind die Nationaltorhüter seit Jahren immer wieder für einen Klops gut. Woran liegt das ihrer Meinung nach?

Zieler: Die Top-Clubs wie Manchester, Chelsea, Arsenal holen sich lieber fertige Torhüter aus dem Ausland, die ihnen von Beginn an helfen.

bundesliga.de: Wird denn auf Torwartausbildung in England weniger Wert gelegt?

Zieler: Ganz bestimmt nicht. Das sieht man ja an meiner Person. Außerdem ist es um die englischen Keeper doch nicht so schlecht bestellt. Joe Hart von Manchester City halte ich für einen ganz starkenTorwart.

bundesliga.de: U-19-Europameister, U-20-Torhüter. Hat Bundestrainer Joachim Löw schon mit Ihnen gesprochen.

Zieler: Nein.

bundesliga.de: Aber gelobt hat er Sie...

Zieler: Das hat mir sehr gut gefallen und macht mich auch ein wenig stolz.

Von Jürgen Blöhs