Hannover - Am 28. Spieltag der vergangenen Saison sicherte sich der 1. FC Köln mit einem klaren 4:1 beim Abstiegskonkurrenten Hannover 96 vorzeitig den Klassenerhalt und stürzte die Niedersachsen auf den direkten Abstiegsplatz 17. Erst am letzten Spieltag konnten die Norddeutschen den Klassenerhalt sichern.

Knapp sieben Monate später trafen die Klubs wieder aufeinander - unter ganz anderen Vorzeichen: Während die Kölner mit nur einem Sieg und zwei Unentschieden den schlechtesten Saisonstart ihrer Bundesliga-Geschichte hinlegten und sich am Tabellenende wiederfinden, setzen ausgerechnet die von vielen Experten als sicherer Abstiegskandidat gehandelten 96er zum Höhenflug an.

Erfolgsstory hat viele Gründe

Noch nie in ihrer Geschichte sind die "Roten" so stark in eine Saison gestartet: Nach dem 2:1 über den 1. FC Köln haben die Niedersachsen nach neun Spieltagen bereits 16 Punkte gesammelt. "Ein schönes Geburtstagsgeschenk", freute sich Mohammed Abdellaoue, der am Spieltag 25 Jahre alt wurde, über den Sieg.

Gründe für den Höhenflug gibt es viele: Die Taktik des erst zum 19. Spieltag der vergangenen Saison verpflichteten Trainer Mirko Slomka, das schnelle Umschalten aus einer stabilen Abwehr auf Angriff, ist der Mannschaft mitterweile in Fleisch und Blut übergegangen.

Jugendarbeit trägt Früchte

Die Jugendarbeit des finanziell nicht auf Rosen gebetteten Vereins trägt Früchte: Mit Konstantin Rausch, Christopher Avevor und Manuel Schmiedebach standen gegen Köln gleich drei Jungspunde in der Anfangsformation und mit Tim Hofmann, Felix Burmeister, Willi Evseev schafften drei weitere Talente den Sprung in den Profikader.

Außerdem bewiesen die Hannoveraner bei ihren Neuverpflichtungen ein glückliches Händchen: Routinier Emanuel Pogatetz, der gegen Köln verletzungsbedingt fehlte, verleiht der Abwehr Sicherheit, die mit 67 Gegentoren in der Vor-Saison noch die Schießbude der Liga war.

Und vorne erweist sich Mohammed Abdellaoue als kongenialer Sturmpartner für Didier Ya Konan. Die beiden Angreifer, die Manager Jörg Schmadtke in Norwegen entdeckte, haben mit ihren neun Treffern zwei Drittel der Tore der 96er erzielt - eines mehr als der gesamte FC Bayern München in dieser Saison.

Ya Konans neue Schuhe

Gegen Köln war es Ya Konan, der mit seinen Saisontreffern vier und fünf in der 4. und 11. Minute die Hannoveraner auf die Siegerstraße brachte. "Das erste Tor war der erste Schuss mit meinen neuen Schuhen. Da muss ich eine Sonderanfertigung erwischt haben", scherzte der 26-Jährige über seinen "Tor des Monats"-verdächtigen Schlenzer ins Dreieck des Kölner Gehäuses. Sieben Minuten später legte der Profi von der Elfenbeinküste mit einem Kopfballtreffer zum vorentscheidenden 2:0 nach.

"Das kam uns natürlich entgegen: Die Kölner mussten aufmachen, und wir konnten unser Konterspiel aufziehen", so Ya Konan. "Leider haben wir es versäumt, das 3:0 zu machen und die Partie frühzeitig zu entscheiden." Insgesamt bezeichnete der Angreifer den Sieg als "hoch verdient. Wir haben uns für die 1:4-Niederlage im Frühjahr rehabilitiert und den Fans ein schönes Spiel geliefert."

"Ein sehr wichtiger Sieg"

"Wir haben ein engagiertes, leidenschaftliches Spiel gezeigt. Für die Mannschaft ist es wunderbar mit 16 Punkten auf Platz drei zu stehen", analysierte Trainer Slomka, der aber zugibt, dass es "kein überzeugender, überragender, dennoch ein sehr wichtiger Sieg" war.

"Nach den Niederlagen gegen St. Pauli und Bayern München war dieser Sieg wichtig fürs Selbstvertrauen, denn mit Hoffenheim, Dortmund, Mainz und dem Hamburger SV kommen in den nächsten Wochen schwere Brocken auf uns zu", bezeichnete auch Abwehrspieler Avevor in einem Gespräch mit
bundesliga.de
den Sieg als "sehr wichtig".

Trotz des derzeitigen Höhenflugs bleibt man also an der Leine auf dem Boden. Erst nach den nächsten vier Spielen will man in Hannover eine Zwischenbilanz ziehen, denn nicht nur Slomka ist klar, dass der derzeitige Tabellenrang drei "nur eine Momentaufnahme" ist.

Jürgen Blöhs