Während die vergangene Saison für Teams wie Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder auch Hannover 96 weitestgehend konstant verlief, gab es auch Clubs, die eine Achterbahn der Gefühle durchliefen, mal oben standen, mal unten, und auch mal mittendrin.

bundesliga.de hat in die Datenbank geschaut und präsentiert die Mannschaften und Spieler, bei denen die Leistungen in Hin- und Rückrunde stark unterschiedlich waren.

Ausgewechselte Schwaben

Am deutlichsten ist der Unterschied zwischen erster und zweiter Saisonhälfte beim VfB Stuttgart festzustellen. Die Schwaben gingen als Tabellensiebzehnter in die Winterpause, mit nur zwölf Punkten und drei Siegen auf dem Konto. Die Rückrunde lief ganz anders. Insgesamt holte die Mannschaft von Bruno Labbadia 18 Punkte mehr als in den ersten 17 Partien. Diese insgesamt 30 Zähler bedeuten Rang 4 im Rückrundentableau und den 12. Platz in der Endabrechnung.

Dass die "Weiß-Roten" schon zwei Spieltage vor Schluss fast gerettet waren, lag vor allem an einer deutlich verbesserten Defensive. In der Hinserie flogen Sven Ulreich 106 Schüsse entgegen, von denen der Keeper 35 passieren lassen musste. In der Rückrunde musste er nur noch 24 Mal hinter sich greifen, da auch deutlich weniger Bälle auf das VfB-Tor kamen (84). Gleichzeitig stieg die Chancenverwertung um 1,4 Punkte auf 17,2 Prozent, was der drittbeste Wert aller Bundesligisten ist.

Bei ihrem Rückrundenaufschwung wurden die Schwaben von zwei Mittelfeldspielern getragen: Zdravko Kuzmanovic und Tamas Hajnal. Der Ungar war in der Winterpause aus Dortmund gekommen wo er nicht mehr berücksichtigt wurde. In der Neckar-Metropole hatte er mit drei Treffern und vier Vorlagen in nur zwölf Partien großen Anteil am Klassenerhalt. Dasselbe gilt auch für Kuzmanovic, der in der Hinserie unter Christian Gross häufig von der Bank kommen musste. Unter Labbadia stand er in 17 von 18 Spielen in der Startformation, was er mit sechs Toren in der Rückrunde dankte - doppelt so viele wie vor der Winterpause.

Primus der zweiten Saisonhälfte

Ebenfalls eine deutliche Steigerung, wenn auch nicht ganz so extrem wie der VfB Stuttgart, verbuchte der FC Bayern München in Saisonhälfte zwei. Nachdem der Rekordmeister in den ersten 17 Partien lediglich 29 Punkte sammelte und somit auf dem 5. Rang überwintern musste, drehte er in der Rückrunde auf und erspielte sich 36 Zähler - so viele, wie kein anderer Club!

Diese Steigerung ist besonders auf eine verbesserte Leistung in der Offensive zurückzuführen. Erzielte der FCB in der Hinserie nur 1,8 Tore pro Spiel, netzten die "Roten" in der Rückrunde ganze 2,9 Mal pro Partie ein. Dabei schraubten die Münchener ihre Chancenverwertung von durchschnittlichen 14,9 Prozent in der ersten Saisonhälfte (Platz 12) auf unerreichte 26,3 Prozent in den zweiten 17 Begegnungen.

Diese Leistungsexplosion ist eng mit drei Namen verbunden: Mario Gomez, Arjen Robben und Franck Ribery. Während Gomez seine zwölf Tore aus der Hinserie in der zweiten Saisonhälfte noch toppen konnte (16), liefen Robben und Ribery aufgrund diverser Verletzungen erst nach der Winterpause zu Hochform auf. In 2011 war der französische Ballzauberer an 13 Treffer seiner Mannschaftskollegen direkt beteiligt (insgesamt 18 Assists). Sein Counterpart aus den Niederlanden verpasste die Hinrunde verletzungsbedingt und war auch nur in 14 der 17 Rückrundenspiele dabei. Genug Zeit für Bayerns Nummer zehn, noch 20 Scorerpunkte zu sammeln (zwölf Tore, acht Assists).

Kölns Super-"Nova"

Eine deutliche Steigerung in der Rückrunde hat auch Milivoje Novakovic hingelegt. Der Stürmer des 1. FC Köln traf nach der Winterpause zwölf Mal und beendete die Saison somit als Dritter der Torschützenliste.

Diese Leistungsexplosion kam natürlich auch den "Geißböcken" zugute. Nachdem diese die Hinrunde nämlich mit nur 15 Punkten auf dem Relegationsplatz abgeschlossen hatten, erspielten sich "Nova" und Co. in der zweiten Saisonhälfte 29 Punkte (Platz 6). Dabei zeigte sich aber nicht nur die Offensive verbessert - Anstieg der Chancenverwertung von 12,2 Prozent auf 18,6 Prozent - auch die Abwehr stand sicherer als zuvor. Die Anzahl der Gegentore (33:29) wurde sogar verringert.

Eine Bilanz, die auch an Michael Rensing lag. Der Keeper kam in der Winterpause und löste Faryd Mondragon ab. In 17 Spielen hielt er 67, 4 Prozent aller Schüsse auf sein Tor und avancierte somit zu einem der Garanten für den Klassenerhalt des FC.

Freiburger Abhängigkeit

Ein Verein, der im zweiten Teil der Saison 2010/11 nicht mehr an die guten Leistungen aus der Hinrunde anknüpfen konnte ist der SC Freiburg. Die Breisgauer gingen auf Platz 6 in die Winterpause, holten dann aber zwölf Punkte weniger (28:16) als vor der Unterbrechung und rutschten auf Rang 9 ab.

Dass der SCF in der Rückserie nur den 16. Rang belegte, lag besonders an einem weniger effektiven Angriff. Papiss Demba Cisse, in der Hinserie 13 Mal eingenetzt hatte, traf zwischen Januar und Mai nur noch neun Mal ins Schwarze, was einer verschlechterten Chancenverwertung zuzuschreiben ist. Der Senegalese nutzte an den Spieltagen 1 bis 17 starke 34,2 Prozent seiner Möglichkeiten. An den Runden 18 bis 34 sank die Quote auf 24,3 Prozent.

Offensiver Einbruch

Beinahe traditionell ist ein Abfallen in der Rückrunde bei 1899 Hoffenheim. Zum dritten Mal in Folge haben die Kraichgauer nach der Winterpause deutlich nachgelassen und somit eine tolle Hinrunde nicht gekrönt.

Dabei verlief auch diese Saison ganz gut. Weihnachten feierte man mit Platz 8 unterm Christbaum. Dabei waren weniger die 25 Punkte bemerkenswert als vielmehr die 32 erzielten Treffer. Das war zur Halbzeit des Fußballjahres 2010/11 die drittbeste Offensive der gesamten Liga.

Doch mit der Saisonvorbereitung kam der Bruch. Unter Marco Pezzaiuoli lief es nicht mehr rund. Die Mannschaft fand nicht mehr zu ihrer Gefährlichkeit zurück, traf nur 18 Mal ins gegnerische Tor und holte ebenso viele Punkte. Das reichte in der Rückrunde nur zum 15. Platz.

Sturz ins Bodenlose

Ganz eklatant waren jedoch die Unterschiede zwischen Hin- und Rückrunde bei Eintracht Frankfurt. Die Hessen verabschiedeten sich nach 17 Spielen nicht nur mit einem 1:0-Sieg gegen Tabellenführer Borussia Dortmund in die Feiertage, sondern auch mit Platz 7 und 26 Zählern. Die Marschroute für die zweite Saisonhälfte war klar: weiter nach oben.

Stattdessen ging es jedoch abwärts, und zwar geradezu rasant. In den ausstehenden 17 Partien wurden nur noch acht Punkte gesammelt und magere sieben Tore erzielt. Selbst der als Retter an den Main geholte Trainer Christoph Daum konnte die Wende nicht bewirken, holte in sieben Auftritten mit den "Adlern" nur drei Punkte.

Das Gesicht der Talfahrt war jedoch das von Torjäger Theofanis Gekas. In der Hinrunde hatte der Grieche 14 Treffer erzielt und fast nach Belieben getroffen. In der Rückrunde sank seine Trefferquote jedoch von 39 Prozent auf fünf Prozent, was für nur noch zwei Tore ausreichte. Zu wenig, um das Abrutschen der Eintracht zu stoppen und sie in der Liga zu halten.