Stuttgart - Der VfB Stuttgart befindet sich auf dem Weg aus dem Tabellenkeller. Nach dem Erfolg gegen den FC St. Pauli schauen die Schwaben wieder optimistisch in die Zukunft. Verantwortlich dafür ist vor allem der neue Trainer Jens Keller.

Es ist ja nicht so, dass man beim VfB Stuttgart nicht immer alles gibt. Da hatte sich der Anheizer der Stuttgarter Fangemeinde ein neues Mikrofon geleistet und brachte seine Leute so akustisch richtig toll in Fahrt. Und auch der Stadionsprecher in der Mercedes-Benz Arena verausgabte sich einmal mehr komplett, feuerte die Mannschaft und auch das ausverkaufte Rund immer wieder an. So sehr, dass ihm beim Verkünden des zweiten Stuttgarter Treffers gegen den FC St. Pauli der Torschrei förmlich im Halse stecken blieb.

Die Erleichterung ist allen anzumerken

Am Ende war aber auch das egal. Viel wichtiger war aus Stuttgarter Sicht, den "Kiez-Club" aus Hamburg mit 2:0 besiegt, drei Punkte eingefahren und den letzten Tabellenplatz verlassen zu haben. Der Druck auf die Schwaben war vor der Partie immens, denn alle Beteiligten wussten ganz genau, was es bedeuten würde, gegen den Gast aus dem hohen Norden erneut nicht siegreich zu sein.

Zum Beispiel wäre der Effekt des Trainerwechsels von Christian Gross hin zu Jens Keller womöglich schnell verpufft gewesen. So aber gewann der VfB - und allen Beteiligten war nach dem hart erkämpften Erfolg deutlich anzumerken, wie groß die Erleichterung gewesen ist. "Wir wussten schon vorher, dass es ein sehr schweres Spiel werden würde, in dem wir unbedingt die drei Punkte holen mussten. Das haben wir geschafft, und darüber sind wir sehr glücklich", erklärte der zuletzt so starke Angreifer Ciprian Marica, den Keller zu Beginn überraschend auf der Bank gelassen hatte.

Erfolgsrezept: Kompakte Defensive und Hierarchie im Team

Der Schlüssel für den Stuttgarter Aufschwung ist recht schnell gefunden. Zum Einen ist es Keller gelungen, vor allem defensiv eine kompakte Einheit auf den Platz zu bringen. So haben die Schwaben nun zwei Mal in Folge zu null gespielt. "Wir sind generell heute gut gestanden, haben zusammen gut gearbeitet und waren über 90 Minuten kompakt", erklärte Serdar Tasci nach dem Spiel. Der Nationalverteidiger kommt von Woche zu Woche besser in Form und hilft so auch seinem momentanen Partner Georg Niedermeier, der zu Beginn der Saison einige schwächere Spiele zeigte.

Zum anderen scheint sich bei den Stuttgartern endlich auch eine Hierarchie zu entwickeln. Die Suche nach Führungsspielern kommt ganz allmählich an ein Ende. Vor der Saison hatte es kaum einer erwartet, aber: Überraschenderweise könnte sich Torwart Sven Ulreich zu einer solchen Stütze entwickeln. Der junge Schlussmann zeigt bereits seit einigen Wochen, dass in ihm jede Menge Potenzial zu schlummern scheint. Gegen den starken FC St. Pauli rettete Ulreich mit tollen Paraden den Sieg. Aber auch der erwähnte Tasci, der gegen die Hamburger bärenstarke Zdravko Kuzmanovic und der deutlich verbesserte Cacau führen derzeit die Mannschaft an.

Ausblick: Stuttgart muss den Sieg bestätigen

Es läuft besser bei den Schwaben, das angeknackste Selbstvertrauen ist auch dank Trainer Keller offenbar stabiler geworden. Und, beinahe noch wichtiger: Es ist wieder Feuer auf dem Platz. Keller findet offensichtlich die richtige Ansprache. "Er macht derzeit alles richtig", sagt der Österreicher Martin Harnik.

Nur eines muss gesagt sein: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Nun müssen die Stuttgarter weiter siegen, gleich am kommenden Mittwoch geht's im DFB-Pokal zum Chemnitzer FC. "Wir dürfen Chemnitz auf keinen Fall unterschätzen", sagte Christian Träsch am Sonntagabend - und machte die Marschroute unmissverständlich klar.

Aus der Mercedes-Benz Arena berichtet Jens Fischer