München - Es ist wohl nicht ungewöhnlich, dass Ludwig Preis Anrufe von Helmut Hack erhält. Hack ist einer der Geschäftsführer jener Tee-Firma mit Sitz im fränkischen Vestenbergsgreuth, bei der Preis die Abteilung Logistik leitet. Die jüngsten Gespräche jedoch drehten sich um Fußball: Hack ist auch der Mann, der bei der SpVgg Greuther Fürth alles entscheidet. Und am vergangenen Mittwoch rief Hack bei Preis an und fragte, ob dieser sich in der Lage sehe, für ein paar Tage einen Bundesligisten zu trainieren. Preis sagte zu.

Es ist ein schneller, ein kurioser Aufstieg. Noch bis Dezember hatte Preis den Regionalligisten SC Eltersdorf aus einem Stadtteil von Erlangen betreut. Dann aber gab er dort wegen der zu großen beruflichen Belastung seinen Posten auf. Kurz darauf wurde er Trainer der U23 der SpVgg Greuther Fürth. Dort musste er erst abends die Einheiten leiten, am Vormittag übernahmen das Kollegen aus dem Nachwuchsleistungszentrum. Jetzt ist Preis (41) kurzzeitig Trainer der Profis. Er hat dafür Sonderurlaub bekommen.

"Der Ball ist im Profibereich auch rund"



Die Aufgabe als schwer zu bezeichnen, wäre untertrieben. Die SpVgg Greuther Fürth hat unter Mike Büskens erstmals den Aufstieg in die Bundesliga geschafft, nun droht ihr der sofortige Abstieg: Das "Kleeblatt" ist Tabellenletzter, 14 Punkte sind es bis Rang 15, aber auch nur vier bis zum Relegationsplatz. Preis soll erst mal eine Trendwende einleiten, mehr darf er nicht, denn ihm fehlt die Lizenz als "Fußball-Lehrer". Zwei Wochen, länger wird Preis nicht als Ersthelfer zu Verfügung stehen.

Einstweilen soll oder muss die Notlösung Preis ein Wunder bewirken. Am Sonntag kommt Bayer Leverkusen in den Ronhof (ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio), zuhause hat Fürth als Erstligist noch kein Spiel gewonnen. Preis, der gegen den Werksclub auf Bernd Nehrig und Jozsef Varga (beide gesperrt) verzichten muss, kann einstweilen nicht mehr von sich geben als ein paar Floskeln: "Ich versuche vor allem, der Mannschaft wieder den Spaß am Fußball zu vermitteln", sagte er. Den Mangel an Erfahrung sieht er locker: "Der Ball ist im Profibereich auch rund." Nur: Die Fürther Profis trafen damit zuletzt kaum ins Tor.

Von Lissabon nach Nürnberg



In Sachen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor hat auch Bayer Leverkusen Potenzial nach oben. Die "Werkself" ließ in der Europa-League-Partie gegen Benfica Lissbaon zahlreiche Hochkaräter liegen und verabschiedete sich mit einer 1:2-Niederlage aus dem Wetbewerb. Bayer bleibt nicht viel Zeit, um dem verpassten Weiterkommen im Europapokal nachzutrauern. Deshalb flog der "Werkself"-Tross von Lissabon nach Nürnberg, wo das Team zwei Mal übernachtete.

"Für mich als Spieler war es nach Niederlagen immer am besten, wenn ich so schnell wie möglich wieder auf den Platz konnte, um zu trainieren oder zu spielen. Und das können die Spieler ja am Sonntag in Fürth", sagte Teamchef Sami Hyypiä. Der Finne warnte davor, das Tabellenschlusslicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Wir werden Fürth auf keinen Fall unterschätzen. Ein neuer Trainer kann einer Mannschaft immer neue Impulse geben. Das macht die Aufgabe so gefährlich."

Die Gäste bangen um den Einsatz von Lars Bender, der laut Trainer Sascha Lewandowski "zwei Tritte in die rechte Wade" bekommen hat und nach 57 Minuten ausgewechselt wurde. "Ich hoffe, dass ich es hinkriege", sagte Bender selbst.




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