Lisi Unterrainer verzieht das Gesicht als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Die Chefin des Hotels Kirchenwirt in Leogang hat noch heute Mitleid mit den Spielern des 1. FC Nürnberg, die ein gewisser Felix Magath einst so "quälte", "dass sie noch Tage später rückwärts die Treppe hoch sind, weil sie so bösen Muskelkater hatten".

Magath kam 1997 als einer der Ersten zum Trainingslager ins Salzburger Land, im Sommer 2009 bereiten sich 19 deutsche Bundes- und 2. Bundesligisten in Österreich auf die Saison vor - aus gutem Grund.

Top-Bedingungen

"Wir finden hier hervorragende Bedingungen vor", sagt Trainer Ralf Rangnick von 1899 Hoffenheim, dessen Mannschaft seit Dienstag beim Kirchenwirt wohnt und nur wenige Schritte entfernt trainiert. Auch sein Kollege Markus Babbel, dessen VfB Stuttgart ebenfalls in Leogang wohnt und schwitzt, lobt die Verhältnisse im Ferienort. "Es ist optimal hier, um die Jungs für die Saison hinzubekommen", sagt er - und fügt mit Blick auf die über 2500 Meter hohen Berge hinter dem Trainingsplatz hinzu: "Das ist hier eine komplett andere Welt."

Auf den ersten Blick hat Leogang außer sehr viel Ruhe und Natur nicht viel zu bieten. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt hier und in den anderen österreichischen Zielorten der Klubs wie Saalfelden, Walchsee oder Stegersbach das, was Leogangs Bürgermeisterin Helga Hammerschmied-Rathgeb "perfekte Infrastruktur" nennt: Kurze Wege, moderne Anlagen, hervorragende Plätze und hochklassige Hotels.

Mit der EURO 2008 haben sich die Bedingungen gar noch verbessert. "Wir haben extra ein neues Stadion gebaut, damit die Russen bei uns trainieren konnten", sagt Hammerschmied-Rathgeb, "und das hat sich gelohnt." Im Steinbergstadion übt jetzt der VfB. Noch einen weiteren Vorteil hat die Reise ins Nachbarland: Sie ist billig. "Die Beträge, die die Mannschaften bezahlen, stehen in keinem Verhältnis zu dem, was die Fußballvereine sonst ausgeben", sagt Leo Baumberger von der lokalen Tourismusgesellschaft.

Rundum-Sorglos-Paket"

Früher lockte Kirchenwirt Hannes Unterrainer, der Rudi Völler und Franz Beckenbauer zu seinen guten Bekannten zählt, die Vereine über persönliche Beziehungen, heute organisiert die SalzburgerLand Fußball Camps GmbH (SLFC) die Trainingslager. "Wir bieten den Clubs ein Rundum-Sorglos-Paket und machen für sie alles von dem Moment an, an dem die Spieler aus dem Flugzeug aussteigen", sagt Paul Strassl von der SLFC, die auch Vorbereitungsspiele vor Ort organisiert.

Die Firma wurde 2006 auf Initiative des Bundeslandes Salzburg mit dem Ziel gegründet, den Tourismus zu fördern - mit Erfolg: Im vergangenen Jahr generierten die Camps 35.000 Übernachtungen und 4 Millionen Euro Umsatz. Andere Bundesländer zogen nach, 2008 setzte ein regelrechter Boom ein. "Mit der EURO haben wir den Fußball in Österreich gezielt als touristisches Geschäftsfeld erschlossen", sagt Martin Dobelhammer vom Tourismusverband Kärnten. Insgesamt rund 300 Trainingslager gibt es 2009 in Österreich - Tendenz steigend.

"Die Camps sind ein unbezahlbarer Werbewert für das Land", sagt SLFC-Mann Strassl, "man muss sich nur in Leogang umschauen: In jedem Kaffeehaus sitzt einer mit VfB-Trikot."