Als Christian Gross am 6. Dezember 2009 beim VfB Stuttgart das Ruder von Markus Babbel übernahm, war die Ausgangslage alles andere als gut. Der Club war auf den 16. Platz der Bundesliga-Tabelle abgerutscht, die Mannschaft in einem entsprechenden Formtief, die Fans aufgebracht.

Was dann folgte, ist eine der eindrucksvollsten Erfolgsgeschichten der jüngeren Bundesliga-Historie. In 19 Spielen unter Gross gelangen den Stuttgartern 14 Siege und drei Unentschieden. Nur gegen Vizemeister FC Schalke 04 und den Hamburger SV mussten Niederlagen hingenommen werden. Keine Mannschaft spielte eine so erfolgreiche Rückrunde wie der VfB.

Erfolgreiche Zeit in Basel

Doch wer ist dieser Mann, der die Schwaben auf so fulminante Weise zum Saisonziel weg von den Abstiegsplätzen und rein in den europäischen Wettbewerb führte?

Christian Gross feierte seinen Durchbruch bereits vor seiner Zeit in Stuttgart. Von den Grasshopper Zürich, mit denen er zwei Meisterschaften erringen konnte, und nach einem kurzen Gastspiel bei Tottenham Hotspur, wechselte Gross zum FC Basel. In zehn Jahren führte er den Club zu vier Meisterschaften und ebenso vielen Pokalsiegern. Dazu gelang ihm zwei Mal die Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase - für eine Mannschaft aus der Schweiz ein riesen Erfolg.

Auch die Bundesliga war Gross zum Zeitpunkt des Engagements in Stuttgart nicht unbekannt. In den frühen 1980er Jahren absolvierte er noch als Spieler 29 Partien für den VfL Bochum, in denen ihm vier Treffer gelangen.

Zittern bis zum Schluss

"Ich verlange von den Spielern immer volle Leidenschaft", hatte Gross zu seinem Amtsantritt beim VfB gesagt. Diese Philosophie übertrug sich sofort auch auf die Spielweise der Mannschaft zu übertragen. Unter Gross erzielte der VfB 37 Tore und ließ 20 Gegentreffer zu. Das ergibt 1,9 Tore pro Spiel bei einem Gegentreffer - und damit die Gewissheit, dass bei Auftritten der Schwaben mit Toren nicht gegeizt wurde.

Dennoch musste auch der VfB bis zuletzt um die Teilnahme an der Europa League zittern. Eine Niederlage Stuttgarts bei einem gleichzeitigen Sieg des HSV hätte das Aus für die europäischen Träume der Schwaben bedeutet. Umso erleichterter zeigte sich daher auch Gross nach dem Unentschieden gegen 1899 Hoffenheim. "Es ist fantastisch, dass wir es geschafft haben", sagte er.

Die Teilnahme an der Europa League hat der VfB vor allem der günstigen Situation im DFB-Pokalfinale zu verdanken. Da beide Finalisten (Titelverteidiger Werder Bremen und Meister FC Bayern München) bereits über die Tabelle für die europäischen Clubwettbewerbe qualifiziert sind, rückt der Tabellensechste nach - diese Saison der VfB Stuttgart, der daher auch allen Grund hatte, den Punktgewinn in Hoffenheim wie einen Sieg zu feiern.

Glückwünsche vom Gegner

Nach dem ersten Baden-Württemberg-Derby gegen 1899 Hoffenheim in der Rhein-Neckar Arena würdigte selbst der Gegner aus Hoffenheim in Person von Ralf Rangnick die Leistung von Kollege Gross. "Wenn man berücksichtigt, wo der VfB stand, bevor Christian kam, und wo er jetzt steht, der weiß, was er dort geleistet hat", lobte Rangnick.

Zwar war der Punktgewinn in Hoffenheim ein glücklicher, wie auch Gross selbst betonte, dennoch konnte sich der Trainer einmal mehr über die Art und Weise, mit der seine Mannschaft diesen Punkt erzielte, freuen. "Wir wurden für den Kampf und den Einsatz belohnt", sagte Gross nach dem Spiel.

Daniel Dillmann