Hamburg/Astana - Heinrich Schmidtgal ist einer von zwei Kasachen, die in der Bundesliga und 2. Bundesliga dem Ball nachjagen. Doch während Wolfsburgs Sergej Karimow vom deutschen Nationaltrainer Kasachstans, Bernd Storck, nicht für das Spiel gegen Deutschland nominiert wurde, darf sich Oberhausens Schmidtgal auf dieses ganz besondere Spiel freuen.

"Für uns als kleine Fußball-Nation ist es schon eine ganz tolle Sache, gegen Deutschland zu spielen. Es ist für Kasachstan eine Ehre, diese große Mannschaft im eigenen Stadion zu empfangen", erklärte der Allrounder auf der linken Seite im bundesliga.de-Interview.

Und auch wenn der 25-Jährige Kasachstan als krassen Außenseiter sieht, so haben sich die Hausherren in der Astana Arena in der Hauptstadt Astana doch ein großes Ziel gesetzt.

bundesliga.de: Herr Schmidtgal, Sie sind in Kasachstan geboren und in Deutschland aufgewachsen - was für Gefühle weckt die Partie am Dienstag in Ihnen?

Heinrich Schmidtgal: Selbstverständlich sind das ganz besondere Gefühle, weil es für mich ein besonderes Spiel ist. Meine Familie stammt aus Kasachstan und ich bin dort geboren. Da ich aber in Deutschland aufgewachsen bin, ist Deutschland meine Heimat, aber die Familienwurzeln haben wir nie vergessen.

bundesliga.de: Sie haben gegen die Türkei Ihr erstes Länderspiele absolviert. Ist da so etwas wie ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen?

Schmidtgal: Wer träumt als Kind nicht davon, Nationalspieler zu werden? Das habe ich auch gemacht und dieser Traum in Erfüllung gegangen.

bundesliga.de: Sie sind neben Wolfsburgs Karimow der einzige Kasache im bezahlten Fußball in Deutschland - wie oft mussten Sie Ihren Landsleuten und den Journalisten Auskunft über den deutschen Fußball geben?

Schmidtgal: In den Tagen, bevor ich am 03. Oktober nach Kasachstan geflogen bin, war da schon eine ganze Menge los. Plötzlich gab es Anfragen von vielen Fernsehsendern, vom Hörfunk und von etlichen Zeitungen. Aber zusammen mit dem RWO-Medienbeauftragten Daniel Mucha habe ich das alles in einer vernünftigen Art und Weise bewältigen können. Schließlich gilt meine volle Konzentration den Länderspielen und manchmal war es schon sehr anstrengend zum x-ten Mal seine eigene Geschichte zu wiederholen.

bundesliga.de: Was bedeutet die Partie gegen das DFB-Team für Kasachstan?

Schmidtgal: Für uns als kleine Fußball-Nation ist es schon eine ganz tolle Sache, gegen Deutschland zu spielen. Es ist für Kasachstan eine Ehre, diese große Mannschaft im eigenen Stadion zu empfangen. Aber vor Ehrfurcht wollen wir deswegen nicht erstarren.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Stärken des deutschen Teams, und wie wollen Sie denen beikommen?

Schmidtgal: Über die Stärken der deutschen Mannschaft braucht man nicht viele Worte fallen lassen. Sie zählt zu den stärksten der Welt und ist in der Offensive und Defensive mit ausgezeichneten Spielern besetzt. Daher wird es für uns sehr, sehr schwer, diese Mannschaft zu stoppen. Da geben wir uns auch keinen Illusionen hin.

bundesliga.de: Und andersherum: Haben Sie bei den Deutschen Schwächen ausgemacht?

Schmidtgal: Selbst wenn uns die Deutschen unterschätzen würden, kann man nicht von wirklichen Schwächen sprechen, die wir gnadenlos ausnutzen werden.

bundesliga.de: Mit welcher Zielsetzung geht Kasachstan in die Partie gegen die deutsche Mannschaft?

Schmidtgal: Wir sind selbstverständlich der krasse Außenseiter und vom Papier her völlig chancenlos. Aber wir wollen uns vor eigenem Publikum so teuer wie möglich verkaufen und möglichst ein Tor erzielen.

Michael Reis