Frankfurt - Pal Dardai war nach diesem 1:1 (0:1) bei Eintracht Frankfurt nach eigener Auskunft "sehr zufrieden". "Für uns ist das ein Punktgewinn", resümierte der Trainer von Hertha BSC: "Ich hatte das Gefühl, dass wir noch einen gemacht hätten, wenn das Spiel noch zehn Minuten gegangen wäre." Ja, so wirkte es tatsächlich, weil die Berliner in der zweiten Halbzeit das Spiel dominiert und durch Vladimir Darida in der 82. Minute den verdienten Ausgleich erzielt hatten. Durch das verdiente Remis hielten die Berliner (11 Punkte) Frankfurt weiter mit zwei Punkten auf Distanz und stehen nach sieben Spieltagen nun auf Tabellenrang 6.

Diese Platzierung nimmt Trainer Dardai sicher gerne mit, ist für ihn aber in der noch frühen Phase der Saison noch nicht entscheidend. Vielmehr freute sich der Ungar darüber, dass der Auftritt seiner Mannschaft auch schon in der ersten Halbzeit "ausgesehen hat wie Fußball". Die Hertha spielte nach vorne zusammen und verteidigte nach hinten gemeinsam. "Wir spielen den Fußball, den ich mir vorgestellt habe", freute sich Torschütze Darida. Auch die Qualität in der Breite des Kaders stimmt. Während bei der Eintracht durch die Einwechslungen in der zweiten Halbzeit der rote Faden etwas verlorenging, wechselte Hertha-Trainer Dardai in Valentin Stocker (67.) und Alexander Baumjohann (77.) zwei Spieler ein, die den Druck auf den Gegner noch einmal erhöhten.

Gebrauchter Tag für Waldschmidt

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Baumjohann war es auch, der den Ausgleichstreffer des fleißigen Darida vorbereitete. Eintracht Trainer Armin Veh hingegen haderte besonders mit Talent Luca Waldschmidt, den er erst in der 55. Minute für Vaclav Kadlec eingewechselt hatte. Vier Minuten vor dem Abpfiff holte Veh das 19 Jahre junge Talent  nach ausbaufähiger Leistung wieder vom Platz. Ob das nötig war? Veh erklärte er kurz und knapp: "Ich bin Profitrainer, kein Amateur- oder Jugendtrainer." Nach diesem  1:1  ist die Ernüchterung bei Eintracht Frankfurt groß.

Gestern fühlte sich das Remis nicht nur für Marc Stendera für die Eintracht "wie eine Niederlage" an. Realistisch aber bleibt das Resümee von Alexander Meier: "Am Ende können wir froh sein, nicht verloren zu haben." Der vom Frankfurter Publikum als Fußballgott verehrte Meier hatte die Frankfurter in Führung gebracht. „Wir haben in der zweiten Halbzeit nur noch reagiert“, analysierte Eintracht-Trainer Armin Veh.

Woran das lag, vermochte Veh nach dem Abpfiff gestern noch nicht zu sagen. Seine Mannschaft wirkte am Ende der englischen Woche müde, die Berliner hingegen hatten körperlich zuzusetzen. Wie in der vergangenen Saison unter dem damaligen Trainer Thomas Schaaf schafften es die Frankfurter erneut nicht, ein Spiel für sich zu entscheiden, mit dem sie durch drei Punkte in das obere Tabellendrittel hätten springen können. „Wir müssen daran arbeiten, solche Schlüsselspiele zu gewinnen“, fordert Linksverteidiger Bastian Oczipka, der mit Marc Stendera zu den besten Eintracht-Spielern gehörte.

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Neu formierte Offensive ohne Fortune

Trainer Veh hatte den Angriff umgebaut. Statt Haris Seferovic (verletzt) und Castaignos starteten vorne Kadlec und Aigner, den er aber nach 20 Minuten wieder zu Meier und Stendera hinter der einzigen Spitze Kadlec zog. Auch über Kadlec, der lange nicht von Anfang an gespielt hatte, fiel das Fazit des Trainers negativ aus: "Hätte er stark gespielt, hätte ich ihn nicht ausgewechselt", sagte Veh. Und auch Luc Castaignos konnte nach seiner Einwechslung (70.) nicht überzeugen. Der Niederländer wurde am Sonntag 23 Jahre jung. Doch auf dem Rasen wurde dieser 27. September kein Glückstag für ihn.

Sieben Minuten nach seiner Einwechslung (70.) donnerte der Stürmer den Ball aus acht Metern frei vor dem gegnerischen Kasten so hoch über das Tor, so dass die 46.000 Zuschauer ungläubig aufschrien. Das 2:0 zu diesem Zeitpunkt wäre wohl die Entscheidung gewesen. Aber es war nicht der Tag von Eintracht Frankfurt. Dass die Hertha mit ihrem Auftritt für schlechte Laune beim Gegner sorgte, dürfen die Berliner durchaus als Kompliment auffassen.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter