München - bundesliga.de lässt im großen Jahresrückblick das spannende Fußball-Jahr 2010 Revue passieren. Lesen Sie nach, was sich im JANUAR 2010 ereignet hat: Die WM 2010 in Südafrika wirft ihre Schatten voraus. Wegen des Großereignisses im Sommer verkürzt die Bundesliga ihre Winterpause.

Bereits Mitte Januar startet die Rückrunde und damit die Jagd auf den ungeschlagenen Herbstmeister Bayer Leverkusen.

Rudi Völler ist traditionell ein gefragter Gesprächspartner. In den ersten Tagen des neuen Jahres noch etwas mehr als sonst. Und immer wieder muss der Sportchef von Bayer 04 Leverkusen die Frage beantworten, warum der "Werkself" ausgerechnet in diesem Jahr der große Wurf gelingen und der beinahe schon obligatorische Einbruch vermieden wird.

"Wir sind mittlerweile viel zu stabil", lautet Rudi Völlers wichtigstes Argument. Womit er recht hat. Denn in der Hinrunde haben die Rheinländer eine phänomenale und bemerkenswert konstante Serie gespielt.

Dreikampf um den Titel

In keinem einzigen Spiel drohte der Elf von Trainer Jupp Heynckes ernsthaft eine Niederlage. Stefan Kießling hatte regelmäßig getroffen, Oldie Sami Hyypiä die Abwehr zusammengehalten und Bayern-Leihgabe Toni Kroos im Mittelfeld den Takt vorgegeben. Doch bei aller Souveränität hatte Bayer bei acht Unentschieden noch einige Punkte liegen lassen.

Nun also ging es in die Rückrunde. Die Verfolger Schalke 04 und besonders Rekordmeister Bayern München hatten die Messer gewetzt. Doch noch bissen sie sich an der Bayer-Truppe die Zähne aus.

Drei Mal konnte Bayern im Januar spielplanbedingt vorlegen und den Spitzenreiter für eine Nacht von der Tabellenspitze verdrängen, drei Mal zeigte sich Bayer unbeeindruckt und schlug eiskalt zurück. Da auch Schalke immerhin sieben Punkte aus den drei Partien holte, bahnte sich ein spannender Dreikampf um den Titel an.

HSV holt "Van the Man"

Denn auf diesem hohen Niveau konnten die weiteren Verfolger nicht mithalten. Werder Bremen kam völlig aus dem Tritt und vergeigte den Rückrundenauftakt mit drei Niederlagen total. Nicht viel besser machte es der Nordrivale vom Hamburger SV, dem dafür der Transfercoup des Winters gelang.

Denn die Hanseaten lotsten mit dem Niederländer Ruud van Nistelrooy einen echten Weltstar in die Bundesliga. Bei Real Madrid nach einigem Verletzungspech auf dem Abstellgleis gelandet, wollte "Van the Man" es noch einmal allen Kritikern beweisen und sich auch als Kandidat für Oranje für die WM ins Spiel bringen. Van Nistelrooy, der Torschützenkönig in seinem Heimatland, in England und in Spanien war, tritt sympathisch und bescheiden auf (Video: HSV freut sich auf "Van the Man").

Neben der Personalie van Nistelrooy verblassen die weiteren Wintertransfers ein bisschen. Stuttgarts Kapitän Thomas Hitzlsperger wechselt zu Lazio Rom. Schalke holt insgesamt sieben Neue, darunter Alexander Baumjohann von den Bayern und Peer Kluge vom "Club". Dagegen leiht Felix Magath Supertalent Lewis Holtby nach Bochum aus.

Bayern München dünnt seinen Kader aus und lässt neben Baumjohann auch den einstigen Superstar Luca Toni zum AS Rom ziehen. Andreas Ottl und Breno werden nach Nürnberg verliehen, wo sie Spielpraxis sammeln sollen.

Gekas soll die Hertha retten

Womit wir im Abstiegskampf wären. Denn nicht nur der "Club" legt nach, sondern auch die Berliner Hertha, die nach einer katastrophalen Halbserie mit nur sechs Punkten auf dem Konto abgeschlagen Letzter ist. Mit den Neuzugängen Levan Kobiashvili und vor allem dem ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig Theofanis Gekas soll der Klassenerhalt doch noch geschafft werden.

Die Berliner Aufholjagd startet mit einem 3:0 in Hannover vielversprechend, erhält aber durch zwei Nullnummern daheim gegen Mönchengladbach und Bochum einen Dämpfer. Herthas Sieg in Hannover zieht die erste Trainerentlassung des neuen Jahres nach sich.

In Hannover muss der glücklose Andreas Bergmann gehen, eine Woche später erwischt es Armin Veh, dem es nicht gelang, den amtierenden Meister VfL Wolfsburg in der Spitzengruppe zu etablieren. Auf Veh folgt Lorenz-Günther Köstner, in Hannover soll Mirko Slomka den Klassenerhalt schaffen (Die Tabellenkonstellation nach dem 20. Spieltag im Überblick).

Frings bekommt bittere Nachrichten

In der 2. Bundesliga übernahm Petrik Sander die TuS Koblenz und Mike Büskens die SpVgg Greuther Fürth. Die abstiegsgefährdeten Franken sorgen mit einem spektakulären 3:0-Sieg gegen den souveränen Herbstmeister 1. FC Kaiserslautern gleich für einen Paukenschlag.

Ein Paukenschlag war es nicht, der Torsten Frings traf - eher ein Tiefschlag. Der Bremer Mittelfeldspieler erhielt von Bundestrainer Joachim Löw die für ihn deprimierende Nachricht, dass er künftig auf seine Dienste verzichten würde. Nach 79 Länderspielen endete die große Nationalmannschaftskarriere des Vizeweltmeisters von 2002 etwas würdelos. "Ich bin sehr enttäuscht und kann die Entscheidung nicht nachvollziehen", sagte Frings.

Das erste fußballerische Großereignis des Jahres wurde von Terror und Gewalt überschattet. Zwei Tage vor Beginn des Afrika Cups in Angola verübten Rebellen in dem Bürgerkriegsland einen Anschlag auf den Mannschaftsbus des Teams aus Togo, bei dem der Co-Trainer, der Pressechef und der Busfahrer getötet wurden. Das Turnier wurde dennoch ausgetragen, Ägypten siegte.

Kuriosität des Monats

In der letzten Januar-Woche standen Dreharbeiten an. Die Nationalspieler des DFB bewiesen in Werbespots für die wichtigsten Sponsoren des Verbandes ihr schauspielerisches Können. Doch einer fehlte. Der Kapitän.

Michael Ballack bekam von seinem Chelsea-Coach Carlo Ancelotti keine Dreherlaubnis, weil der englische Tabellenführer unter der Woche ein Meisterschaftsspiel bestritt. So mussten Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Co. ohne ihren Leader auskommen. Nicht das letzte Mal in diesem Jahr...

Tobias Gonscherowski


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