Köln - Heilsbringer? Reus-Ersatz? Ergänzungsspieler? Borussia Dortmund hat mit Kevin Kampl einen Spieler für das offensive Mittelfeld verpflichtet. Dort tummeln sich bereits einige bekannte Namen. Doch der Slowene hat gute Chancen den Platzhirschen beim BVB ernsthaft Konkurrenz zu machen.

Kampl galt bis zu seinem Transfer nach Dortmund als bester Spieler der österreichischen Bundesliga. Auch wenn das Niveau der Alpenliga nicht an das der Bundesliga heranreicht, Dortmund ist sich dennoch sicher, mit Kampl einen guten Transfer zu tätigen. "Kevin Kampl ist ein im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbarer Spieler, den wir schon sehr lange beobachten. Mit seiner Spielweise passt er ausgezeichnet in unser Anforderungsprofil", sagt Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc auf der Homepage des BVB. Vier Tore und vier Assists in der Europa League weisen zudem darauf hin, dass Kampl das Zeug für die Bundesliga hat.

Steiniger Weg zu höheren Aufgaben

"Kevin ist für höhere Aufgaben bestimmt. Für viel höhere", sagte Ralph Hasenhüttl bereits vor zweieinhalb Jahren. Damals war Hasenhüttl noch Coach beim VfR Aalen und hatte Kampl als Spieler unter sich. Allerdings nur für sehr kurze Zeit. Der heute 24-Jährige spielte nur für etwas mehr als zwei Monate beim VfR, bevor RB Salzburg eine Ausstiegsklausel nutzte und Kampl noch in der selben Transferperiode seiner Ankunft in Aalen verpflichtete.

Zuvor war Kevin Kampl einen steinigen Weg gegangen. In der Jugend spielte der Solinger für Bayer 04 Leverkusen und galt als Kandidat für die Profimannschaft. Dort schaffte er den Durchbruch aber nicht. "Auf der Sechserposition gab es damals Simon Rolfes, Lars Bender, später noch Michael Ballack, auch Arturo Vidal und Gonzalo Castro konnten auf der Sechs spielen", sagt Kampl in einem Interview mit "redbulletin.com". "Da kommst du als Siebzehn-, Achtzehnjähriger nicht vorbei." Vielleicht auch, weil seine Stärken weiter vorne liegen. Seine Lösung war nach einer ebenfalls unbefriedigenden Ausleihe zu Greuther Fürth der Umweg über die 3. Liga. Beim VfL Osnabrück bekam er Spielzeit und machte Zweitliga-Aufsteiger Aalen auf sich aufmerksam.

Topfitter BVB-Fanatiker

Der Transfer zu Borussia Dortmund ist für Kampl mehr als ein Weihnachtsgeschenk. "Ich war als Kind BVB-Fanatiker, das ist schon ein Traum, jetzt für so einen Verein zu spielen", sagte er zu "Sky Sport News HD". Es gibt Bilder von Kampl als Kind mit BVB-T-Shirt und Schultüte. "Ich hatte alles von Borussia – Bettwäsche, Duschgel, sogar einen BVB-Schreibtisch", so Kampl gegenüber "bild.de". Ob er auch für den BVB ein Traum-Transfer wird, ist schwer zu sagen. Allerdings stehen seine Chancen gar nicht so schlecht.

Denn er kommt topfit nach Dortmund, verpasste in dieser Saison nur ein Ligaspiel wegen Oberschenkelproblemen. Eine Seltenheit beim BVB, der in dieser Spielzeit vom Verletzungspech geplagt ist. Marco Reus, der mit Kampl um einen Platz in der Startelf konkurriert, muss sich zunächst komplett von seinem Außenbandriss im Sprunggelenk erholen. Henrikh Mkhitaryan laboriert noch an einem Muskelbündelriss. Mit Shinji Kagawa (Asien-Cup) und Pierre-Emerick Aubameyang (Afrika-Cup) sind zum Rückrundenstart zwei weitere Konkurrenten von Kampl nicht verfügbar. Kuba kehrte eben erst von einer langen Verletzungspause zurück und Milos Jojic ist zwar fit, aber offensichtlich noch nicht ans BVB-Spiel gewohnt.

Starkes Gegenpressing

Diese Problematik scheint Borussia Dortmund bei Kevin Kampl nicht zu erwarten. "Kevin Kampl ist ein schneller Mittelfeldspieler, der das Pressing und Gegenpressing beherrscht und deshalb gut zu uns passt", sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. RB Salzburg spielte in den letzten Jahren einen ähnlichen Fußball wie der BVB. Kampl gilt als starker, ballsicherer Spieler, der bei einem Ballverlust aber ansatzlos auf Gegenpressing umschalten kann. "Ich liebe Vollgas-Fußball. Mein Ding ist es nicht, auf den Ball zu warten, ich muss immer voll draufgehen", sagt Kampl selbst. Und, was BVB-Coach Jürgen Klopp besonders gefallen wird: "Ich werde vom ersten Tag an alles geben. Das bin ich, ich kann nicht weniger als 100 Prozent."

Was auf den ersten Blick nach einer Kurzschluss-Handlung auf Grund der aktuellen Tabellensituation aussieht, könnte sich zum Königstransfer entwickeln. Der Tabellenplatz des BVB sorgt bei Kevin Kampl sowieso nicht für Nervosität. "Ich bin mir sicher, dass wir eine gute Vorbereitung absolvieren werden,"  sagt er. "Und dann sieht das am Ende der Saison anders aus." Möglicherweise wird Kampl dann noch wertvoller für Borussia Dortmund sein. Sollte sich Marco Reus aus dem Ruhrpott verabschieden, kommt auf Kampl ab dann eine besonders wichtige Rolle zu.

Sebastian Stenzel

Die Winterzugänge der Bundesliga