Ein toller Trainer, der seine Fähigkeiten schon oft unter Beweis gestellt hat. Eine Vereinsstruktur, die längst schon bundesligareif ist. Spieler, die ein Format höherer Klasse haben.

Wer vor der Saison 2008/09 über 1899 Hoffenheim sprach, freute sich auf Ralf Rangnick, Carlos Eduardo, Demba Ba und Chinedu Obasi. Von Vedad Ibisevic war selten die Rede. Fünf Tore in 31 Spielen in der vergangenen Saison in der 2. Bundesliga sorgten nicht gerade für Schlagzeilen.

Nun ist alles anders: Ibisevic, 24 Jahre jung, ist der "Shootingstar" der Bundesliga, führt mit elf Toren die an und überrascht sogar sich selbst. "Es sieht tatsächlich so aus, als würde ein anderer Spieler auf dem Platz stehen", so Ibisevic zu bundesliga.de.

"Wie ein Neuzugang"

Aus der Mannschaft ist der Bosnier längst nicht mehr wegzudenken. "Er schießt Tore mit einer Selbsverständlichkeit, die erstaunlich ist", sagt Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick. Er war es, der Ibisevic zu Beginn der Saison 2007/08 nach Hoffenheim holte. Den Durchbruch schaffte Ibisevic aber erst in der Bundesliga: "Er ist wie ein Neuzugang", so Rangnick.

Lob gibt es auch von den Mannschaftskollegen. "Ich freue mich, dass er jetzt trifft. Das hat er er sich verdient", sagt Sejad Salihovic, der ebenfalls zu den Aufsteigern der Saison gehört. Der Landsmann und Nationalmannschaftskollege von Ibisevic sieht "eine sehr große Entwicklung, zumal er es schwer hatte".

Der Werdegang des Torjägers sucht tatsächlich seinesgleichen. Ibisevic erlebte mit seinen 24 Jahren viel - wohl viel mehr, als manch Fußbaler je erleben wird. bundesliga.de hat Wissenswertes über den "Wandervogel" Vedad Ibisevic gesammelt.

Schwierige Zeiten

Vedad Ibisevic beeindruckt Woche für Woche mit bärenstarken Leistungen die Fußball-Fans. Doch das Schicksal hat es nicht immer so gut gemeint mit dem Stürmer. Als 16-Jähriger floh er mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina. Zunächst ging es von seinem Geburtsort Vlasenica nach Tuzla und von dort in die Schweiz, wo Ibisevic beim FC Baden spielte. Ein Club, der heute in der 3. Liga spielt und bei dem einst schon Bundesliga-Größen wie Mladen Petric oder Diego Benaglio spielten.

Ab nach Übersee

In der Schweiz blieb Vedad Ibisevic nicht lange. Familie Ibisevic folgte einem Teil der Verwandtschaft, die es in die Vereinigten Staaten verschlagen hatte. Vedad, damals 19 Jahre jung, begann sofort Fußball zu spielen: Beim College-Club St. Louis brach er alle Rekorde, gewann sämtliche Auszeichnungen, die es für einen Fußballer gab. Europäischen Talentscouts fiel er schnell auf, unter anderem auch der Fußballlegende Michel Platini. In dessen Heimatland ging auch die nächste Reise Vedads.

Der Ruf aus Paris

Bei einem U21-Lehrgang in Bosnien lief Ibisevic Vahid Halilodzic über den Weg. Letzterer ist ein Landsmann und in Frankreich dank großer Leistungen als Spieler und Trainer eine große Nummer. Halilodzic lotste als neuer Trainer von Paris Saint-Germain Ibisevic zu seinem Club, setzte ihn aber in zwei Spielzeiten nur vier Mal ein. Halilodzic ging, Ibisevic auch - zunächst auf Leihbasis in die 2. Liga nach Dijon. Ans Aufgeben dachte der Stürmer nicht, schoss sich mit zehn Toren ins Rampenlicht.

Wechsel nach Deutschland

Die Tore in Dijon wurden auch in Deutschland registriert. Dieter Hecking holte den Stürmer nach dem Bundesliga-Aufstieg 2006 zu Alemannia Aachen. Der erhoffte Durchbruch ließ aber auf sich warten. Das Talent blitzte immer wieder mal auf, vor dem Tor versagten dem Angreifer aber oft die Nerven. Dennoch blieb er interessant: Hoffenheim sicherte sich nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Ibisevics Dienste. "Ich habe ein Angebot bekommen, das ich unmöglich ablehnen konnte", erinnert er sich.

Der Sprachexperte

Die vielen Reisen und die unterschiedlichsten Stationen waren für den jungen Vedad Ibisevic nie ein einfaches Unterfangen, doch es gab durchaus nicht nur Nachteile: In jedem neuen Land erlernte der Ibisevic eine neue Sprache - und das erstaunlich schnell: Heute spricht Ibisevic fließend Deutsch, Englisch und Französisch. In Aachen und in Hoffenheim sicherte sich der Angreifer so noch den Job des Übersetzers in Trainingseinheiten für Mitspieler, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig waren.

Ibisevic hilft Konkurrenten

Ibisevic war zur Saison 2007/08 nicht der einzige Neuzugang Hoffenheims: Für den Angriff wurden zudem Chinedu Obasi und Demba Ba verpflichtet. Das Duo schlug sensationell ein, war maßgeblich am Aufstieg beteiligt. Dass es so gut geklappt hat, war ausgerechnet der Verdienst von Ibisevic, der seinen Konkurrenten im Angriff half, wo es ging. Ob auf dem Platz oder außerhalb: Ibisevic war zur Stelle: "Außergewöhnlich", sagt Trainer Ralf Rangnick dazu: "Vedad ist ein ganz wichtiger Integrationsfaktor."

Kein Problem mit dem Landleben

In Interviews mit Spielern von 1899 Hoffenheim fehlt die Frage nach den begrenzten Freizeitgestaltungsmöglichkeiten fast nie. Vedad Ibisevic lassen diese Fragen kalt: "Glauben Sie, dass man hier nicht ein paar Brötchen kaufen oder spazieren oder ins Kino gehen kann? Man hat hier oder in der nahen Umgebung alles, was man braucht." Und der große Party-Held ist der 24-Jährige ohnehin nicht: "Ich bin die Ruhe gewohnt", sagt der Stürmer, "meine Eltern hatten früher eine Landwirtschaft."

Besuch aus den USA

Während Ibisevic nach seinem Weggang aus den Vereinigten Staaten über die Stationen Paris, Dijon und Aachen in Hoffenheim landete, machten seine Eltern in den USA einen Stopp. Mutter Mirsada und Vater Saban leben heute noch in den Staaten, kommen aber immer wieder zu Besuch nach Deutschland. "Sie sind stolz auf mich", verrät Ibisevic. Und wenn seine Eltern wieder zurück sind, gibt es ja das Internet als Kommunkationsmöglichkeit. Für den Internet-Freak Vedad ohnehin ein großer Spaß.